16.10.2015, ASKING ALEXANDRIA, AUGUST BURNS RED, MEMPHIS MAY FIRE, IN HEARTS WAKE, Hamburg - Markthalle

 

Vor der Markthalle war trotz Einlass um 18 Uhr auch eine Stunde später noch eine lange Schlange. Hatte man sich die Treppe hochgekämpft und das Foyer durchquert wurde man in der Halle von einer Wand heißer, stickiger Luft und den Klängen von IN HEARTS WAKE empfangen. Die Band aus Byron Bay in Australien (ebenfalls Heimat von PARKWAY DRIVE) trat als erstes auf die Bühne und sorgte direkt für gute Stimmung. Sänger Jake Taylor nutzte die Bühne in vollem Maße aus und schien sichtlich Spaß zu haben. Zwischen den Songs aus den Alben "Divination", "Eathwalker" und "Skydancer" nutzte er die Gelegenheit sich beim Publikum zu bedanken und erzählte wie glücklich er sei auf der Bühne stehen zu dürfen. Besonders zeigte das Quintett sein können mit dem Song  "Divine", dessen hymnischer Refrain beim Publikum sehr gut ankam. 

Nach 30 Minuten war es schon Zeit die Bühne zu räumen und es folgte eine kurze Umbaupause. Ca. 15 Minuten später betraten MEMPHIS MAY FIRE zu einem Intro die Bühne. Sänger Matty Mullins ist ein Mensch, der unbedingt auf die Bühne gehört. Gemeinsam mit seinen Bandkollegen Anthony, Kellen, Corey und Jake strahlte er eine solche Freude und Leidenschaft aus, dass man auch den nicht perfekten Gesang während der ersten drei Songs gerne überhörte. Beim vierten Song folgte ein Handzeichen von Mullins zum Bühnenrand, dass nun alles okay wäre. Anscheinend hatte er zu Beginn Probleme mit seinen In-Ears gehabt denn ab dem vierten Song brillierte Mullins mit dem mühelosen Wechsel zwischen Shoutings und cleanen Vocals, den man von ihm gewohnt ist. Während Mullins sich bei den Shoutings viel auf der Bühne bewegt, wie auch seine Bandmitglieder, so steht er bei dem klaren Gesang meist an einer Stelle, ganz so als würde er in Gedanken sein und sich in den Song hinein fühlen.  Die Texaner spielten unter anderem "Stay The Course" vom Re-Release ihres 2014er Albums "Unconditional", "The Sinner" vom älteren Album "The Hollow" und Legacy vom 2012er "Challenger"-Album.  Mullins erzählte zwischen den Songs kleine Anekdoten zu deren Entstehung oder der Bedeutung für ihn und merkte an, dass diese Show die bei weitem beste für ihn in Europa sei. Und wie Mullins so lächelnd über die Massen in der Markthalle blickte, glaubte man ihm jedes Wort. Auch MEMPHIS MAY FIRE verabschiedeten sich bereits nach ca. 30 Minuten sichtlich zufrieden. 

Erneut eine Umbaupause, die von den meisten für eine Raucherpause, frische Luft schnappen und neues Bier holen genutzt wurde. Obwohl das Durchschnittsalter recht gemischt war, entdeckte man im Foyer doch immer wieder den ein oder anderen Elternteil, der in der Pause dem Rocker-Kind eine Cola kaufte und fragte ob alles in Ordnung sei. 

AUGUST BURNS RED war die härteste Band des Abends. Dass sie sich wunderbar in das sonstige Line-Up einreihten belegten allerhand Crowdsurfer, Circle Pits und Applaus. Starke Breakdowns und rhythmisch komplexe Riffs machen die Gruppe aus Pennsylvania  aus. Sie starteten mit dem relativ alten Song "White Washed", legten den Schwerpunkt ihres Sets dann jedoch mit "Martyr", "Ghosts" und "Majoring In The Minors" auf das aktuelle Album "Found In Far Away Places".  Stimmlich stark und instrumental hervorragend hielten die fünf Amerikaner das konstant hohe Niveau dieses Konzertes. 

Nach einer weiteren und letzten Umbaupause trat der Headliner, ASKING ALEXANDRIA auf die Bühne. Drummer James Cassells thronte in luftiger Höhe und auch seine Bandkollegen ließen sich bei Ihrem Bühnenaufgang feiern. Die Herren um den neuen Frontmann Denis Shaforostov  starteten mit "I Won't Give In" in ihr Set und erhielten von der ersten Minute an tatkräftige Unterstützung in Form von lautem Gesang des Publikums. Während Denis bei den Rawk Attack Auftritten im Juni in Deutschland noch etwas verunsichert wirkte, schien er nun seinen Platz gefunden zu haben. Zwischen den Songs gab es, wie immer bei Asking Alexandria, die ein oder andere sexistische Anspielung und allerhand Frotzeleien zwischen den Bandmitgliedern. In ca. 60 Minuten spielten sie sich einmal durch ihre Diskografie, auch der neue Song "Undivided" und ein Drumsolo von Cassells fanden Platz in der Setlist. Gitarrist Ben Bruce erklärte dann, dass sie nun von der Bühne gehen würden, dann müssten alle Applaudieren und rufen, dann würden sie wiederkommen. Und wie sollte es anders sein, das Publikum folgte der Anweisung mit anhaltendem Applaus, sodass Bruce & Co. für ein weiteres Lied die Bühne betraten. Mit "Final Episode" verabschiedeten sich ASKING ALEXANDRIA dann endgültig und hinterließen zahlreiche durchgeschwitzte, fröhliche Menschen, von denen sicherlich viele aufgrund des Wochentags, der glücklicherweise ein Freitag war, direkt zur nächsten Party weiterzogen. 

Fasst man den Abend zusammen, hat man genau das bekommen, was im Vorfeld erwartet wurde: ein durchweg solides Metalcore-Konzert mit vier ähnlichen Bands, die jedoch durch ihre kleinen Besonderheiten keinerlei Langeweile aufkommen ließen. Wer jedoch auf einen tiefgründigen, nachhaltigen Abend gehofft hatte, der wurde enttäuscht. So schnell wie das nächste Bier bestellt war - so schnell war auch dieser Abend wieder vergessen.