17.01.2011: Lionheart, First Blood, Terror, Backtrack - Hannover, Bei Chez Heinz

 

17 lange Tage hat es gedauert. 17 Tage des neuen Jahres ohne Mesh-Shorts, Ohrläppchenmodenschau oder Basketballtrikots zu SG-Gitarren. Heute soll sich alles ändern. Parallel zur Tagesschau machen BACKTRACK aus New York dem Montagabend (und ihrem geilen Schriftzuglogo, ha!) den Hof und bolzen mit schneller, alter Schule und breiigen Mosheinsätzen davon. Sänger Vitalo und der junge frische Haufen von der Ostküste erfrischen mit Tracks der „Deal With The Devil“ 7“ und bitten den früh gefüllten Keller zum Tanz. Daumen deutlich mehr hoch als runter!
Grimmiger, grunziger und prolliger wird es im Anschluß (und nach der durch die Einspiel-„Musik“ gefühlten 3-stündigen Umbaupause...) mit LIONHEART. Langatmige und bullige Beatdowns (sagt man doch so?!) öffnen den Mund auf Dauer nur zum Gähnen, heben aber auch Faust und natürlich Bein beim kampfsportbegeisterten Zuschauer. Wichtig bei Ansagen und Kampfchören um die Auswahl aus „The Will To Survive“ und der aktuellen Veröffentlichung „Built On Struggle“: „Hannover, Arsch fuckin´ hoch, fuck, let´s fuckin´go Hannover, fuck fuck...“ Passt wie Arsch auf Eimer zu Songs wie „This Is Who I Am“ oder „With Honor“. Das Ding hat Power und Pfund, aber ist schier zu bremsend und monoton, sobald es die 3-Song-Grenze durchbricht. Bartime bis zur Halbzeit.
Nähren wir uns nach gut 30 Minuten LIONHEART dem Kapitel „Institutionen“: Zweiter metallischer Coreangriff aus der Bay Area – FIRST BLOOD aus San Francisco, California, Planet Earth – laut Sänger, TERROR-Überrest und Frontsau Carl Schwartz. Brutal und fordernd gehen „Suffocate“ oder „Next Time I See You, You´re Dead“ an den Start und wirken schon sinniger platziert und griffiger geprügelt als bei LIONHEART. Trotz friendensliebender Ansagen und dem obligatorischen „Love, respect & circle pit“-Gepredige von Seiten FIRST BLOOD´s lässt sich das Motto des neuen Longplayers „Silence Is Betrayal“ („When peaceful protest becomes impossible, violent revolution becomes inevitable“) nur fraglich im Raum stehend betrachten...Ach ja, heute ist ja auch Gewalt cool!
Nähern wir uns also unkonventionell und direkt dem eigentlichen, endlichen Highlight, dem Aushängeschild, der standfesten Brigade. Mit „Return To Strength“, „Never Alone“ oder „One With The Underdogs“ machen TERROR direkt mal alle Fronten klar. Hier stimmen Sound, Songauswahl, Aggression und Bandbild. Seien alle Meinungen geteilt, alle Fragen offen – hier wird auch der sture Streetpunk aus der letzten Reihe schier weggeblasen. Nur eine Auflage hat Scott Vogel für Hannover in der Mache: Jeder MUSS heute Abend stagediven. Egal ob Box, Scott´s Kopf, die Bar – jeder Einzelne soll dran glauben und am Rad drehen, irgendwo muss es doch runtergehen. Von den sonst eher wohnzimmerfreundlichen Moshpits der Expostadt ausgehend kann man heute klar von „Stimmung“ sprechen. Die 5 Freunde aus Los Angeles erlebe ich heute (erst) zum vierten Mal live – aber mit jedem Mal wächst diese Band und ihre Performance ein Stück über sich selbst hinaus. „Always The Hard Way“ „Keepers Of The Faith“ und „Spit My Rage“ lassen die 18,- Euro AK (!) als glimpflich gelten, jede Minute TERROR, scheinbar immer auf Tour, ist am Ende ihre Investition wert. Den Heimweg durch die nächtliche City bestimmen gedanklich der ca. 12-jährige Jungspund, heute Abend ganz vorne mit beim Stagedive-Zwang dabei (die nächste Generation, Kinder!) und die TERROR-Tubesocks - Platz 1 auf der Merchandiseartikelliste heute Abend.