17.02.2010: Spoon - Köln, Luxor

 

Halb acht an einem Freitagabend, reichlich früh für ein Konzert. Wohlgemerkt halb acht Beginn und nicht Einlass, der war bereits ab halb sieben. Trotzdem war das Luxor um sieben noch relativ spärlich gefüllt, obwohl draußen ein großes „Sold Out“ Plakat hing und sich ringsherum Menschen gruppiert hatten, welche hoffnungsvoll nach übrigen Karten fragten.
Innen sollten die White Rabbits die Vorband geben. Die Band hat nicht nur musikalische Ähnlichkeiten mit Spoon. Deren Kopf Britt Daniel hatte das zweite Album Its Frightening produziert. Darauf geben sich die White Rabbits bewusst sehr Rhythmus betont, was auch ihre zwei Schlagzeuger berechtigt.

Die hatten scheinbar auf der Luxorbühne Platzprobleme, weshalb ein Schlagzeug auf drei Standtoms und ein Becken reduziert wurde. Noch rauchend wartete ich dann im Vorraum auf den Beginn und beobachtete die immer länger werdende Schlange an der Garderobe, allmählich wurde es voller. Dann hörte man plötzlich ein sich steigerndes Gitarrenfeedback aus dem Club. Es war erst viertel nach Sieben, sollte das wirklich schon die Vorband sein? So etwas hatte ich auch noch nie erlebt, ein Konzert das nicht nur pünktlich sondern sogar zu früh beginnt.

Die White Rabbits beanspruchten zu sechst mit ihren Instrumenten soviel Platz, dass Bewegungsfreiheit auf der Bühne ein Fremdwort war. Sie starteten recht energievoll und der zweite Schlagzeuger schaffte sogar mit einem eingegipsten Unterarm noch recht komplizierte Drumpatterns. Irgendwie überkam mich aber das Gefühl, dass einige ihrer wirklich guten Melodien im Brei der vielen Instrumente (1 Bass, 2 Gitarren, 1 E-Piano, 2 Schlagzeuge) untergingen und deswegen der Funke nicht immer überspringen konnte.
Auf der Bühne herrschte auch zwischen den Songs reger Betrieb, da die Instrumente wild gewechselt wurden und so fast jeder mal an die Schlagzeuge oder die Gitarren durfte.
Begeistern konnten mich die druckvolleren Lieder, als zu dritt auf die Trommeln eingedroschen wurde, sodass die Heliumballons an der Decke sich nicht nur wegen der Belüftungsanlage bewegten und sich die Basedrum schön in den Magen bohrte.

Nach gut fünfzig Minuten war der Spuk vorbei. Es war erst kurz nach Acht und nach der Umbaupause sollten schon Spoon auf der Bühne stehen. Zur Einstimmung wurden die Beatles gespielt und es wurde langsam eng und warm in den vorderen Reihen. Einige Konzertbesucher wurde mit Hilfe von blinkenden Taschenlampen und wilden Gestiken von den Security-Männern daran erinnert, dass hier Rauchverbot herrscht. Kaum waren dreißig Minuten vergangen betraten Spoon auch zu viert die Bühne.

Der Einstieg in das Konzert sollte sich eher schwierig gestalten. Es wurden zunächst zwei Songs vom neuen Album relativ lieblos heruntergespielt und Britt Daniel gab sich auch wortkarg. Als fünftes Lied wurde sogar The Ghost Of You Lingers vom Vorgängeralbum zu Transference gespielt, welches von mir regelmäßig weg geskippt wurde. Ein eher experimenteller Song für Spoon, der auf einem im Achteltakt angeschlagenen Klavier basiert.
Aber wer diesen eher schweren ersten Akt überstanden hatte, wurde danach mit zwei grandiosen Versionen von Small Stakes und You Got Yr Cherry Bomb belohnt. Ab jetzt wurde auch die Stimmung von Britt Daniel sichtlich besser, die Songauswahl runder. Der typische Eingeweide wackelnde „Knack“-Sound war da und ging auch erstmal nicht weg.

Für drei Songs durfte dann auch der Sänger von den White Rabbits auf die Bühne um etwas an den Maraccas zu schütteln und um sogar einmal die Gitarre zu bedienen.
Mit Written In Reverse fand sich auch ein stimmungsbringender Song aus ihrem neuen Album. Als danach Don't Make Me A Target und The Way We Get By gespielt wurden, hatten sie das Publikum komplett in der Hand.
Nicht viel später verließen sie die Bühne um nur kurz darauf wieder für vier Zugaben zu kommen.
Mit Everything Hits At Once kam dann selbst das grandiose Album Girls Can Tell zu seinen Ehren und am Schluss bewiesen Spoon, dass der Song The Underdog auch gut ohne echte Bläser funktioniert.

Weshalb aber nach dem Abgang der Band die Deutsche Nationalhymne aus der Dose gespielt wurde konnte ich mir nicht erklären. Aber selbst dass konnte mir den durchaus gelungenen und jungen Abend, es war erst viertel nach zehn, nicht mehr zerstören.