17.03.2010: Copy Haho, Los Campesinos! - Hamburg - Molotow

 

Da war doch was. Richtig. Bergfest. Mittwoch. Gemischt mit dem St. Patrick´s Day ergibt das eine explosive Mischung aus elektronischem Gedüdel und tanzbaren Beats, aber live mit Hingabe und echtem Schweiß produziert.
Zuerst sollen aber Copy Haho aus Schottland das Molotow bespaßen. Mit straighten Takten, die doch sehr nach dem typischen Output des Vereinten Königreiches klingen, geht es geradeaus los. Sympathisch, überaus jung und doch mit dem Tick „britischer Arroganz“ bietet das Quartet, welches optisch der 6. Klasse eines katholischen Jungeninternats gleicht, einen plausiblen Mix aus Kings of Leon und The Cure. Leicht überrumpelt wirken die 4 Burschen, geben aber samt Tanzeinlagen im Publikum alles und ernten letztlich doch die Sympathie des (recht sturen) Hamburger Publikums.



Fix die Pizzaschachtel und das Schlagzeug von der Bühne, dann wird diese in Synthesizer, Gitarren und einen Kabelurwald gehüllt. Freut man sich in der ersten Reihe schon ganz arg, so dass man mit ca. 30 Lenzen vorab ein Foto von der Setlist schiessen muss, um dieses kichernd zu betrachten – so bleibt mit dem Opener der Los Campesinos! aus Wales doch fast jedes Tanzbein im Saal stehen. Auf der engen Bühne finden die 8(!) Mädels und Jungs kaum Platz, dennoch fließen Energie und Schwung direkt in den Publikumsraum. „Documented Minor Emotional Breakdown #1“, „You! Me! Dancing!“ oder die Titelsongs der letzten Werke „Romance is Boring“ und „We Are Beautiful, We Are Doomed“ ziehen sich mit teils theatralisch wirkender Backline aus Querflöte, Xylophon, 4-stimmigen Gesängen und Banjo durch das kleine Molotow. Auch die beinahe komplett zum Erliegen gekommene Stimme von Sänger Gareth lässt die Qualität und das Wirrwarr nicht auffliegen. Neuzugang Kim an Keys und weiblicher Hauptstimme fummelt sich durch ihr selbstverfasstes Schmetterlingssongbook auf dem Synthesizer (kein Witz!). Eine gute Stunde dauert ein mitreissender Instrumentenzirkus, zu dem mir spontan einfach keine vergleichbare Band einfallen will.



Pluspunkt. Auch in den ruhigeren Songs hält die erste Reihe textsicher und dauerlächelnd zu den Campesinos. Mit Ansage des letzten Stückes stößt doch eine kleine Befreiung in mir auf. Erst jetzt wird mir bewusst, wie viel Konzentration und Offenheit eine Band wie die Los Campesinos! live verschlingen. Und trotz, dass gerade mal Bergfest ist, wanken wir bedient und reichlich angefüllt mit musikalischem Input gen Auto.

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