17.07.2013: The Menzingers - Oberhausen - Druckluft

 



Klammheimlich, irgendwo zwischen all die Wochenend- und Tagesfestivalitäten, haben die MENZINGERS eine Stippvisite geschoben, die nur auf den ersten Blick klein ausfällt. Ihre Euro-Tour führt das Epitaph-Gewächs nach Italien, England, Irland, Holland , Tschechien, Polen, Belgien, Frankreich und die Schweiz. Hierzulande sind nur 5 Shows geplant. In Oberhausen fand Deutschland-Show Nr.2 statt und diese sorgte auch dann für einen NRW-Szenetreff, der am heutigen Abend Menschen aus Ruhrarea, Rhein- und Münsterland sowie deren Speckgürtel beheimatete. Die MENZINGERS, das darf also konstatiert werden, veranlassen also mittlerweile durchaus zu längeren Autofahrten und kollektivem Anreisen, ohne jedoch auf der ganz großen Hipewelle zu schwimmen. Zumindest scheint der Ausverkauf von Läden jenseits der 300-Marke noch in weiter Ferne. Am jenem Abend durften sich gut 150-200 zahlende Gäste eingefunden haben, die dann auch zu einem Großteil in den, dank der hohen Tagestemperatur gut aufgeheizten, Club tingelten, um die Vorband namens ARTERIES zu begutachten. Optisch aus einem 80er-Skate-Video entsprungen punkrockte sich das Quartett trotz verletzungsbedingten Umstellungen im eigenen Line-Up durch ein gut halbstündiges Set voller melodischer Nummern, die an eine rock’n’rollige Version von A Wilhelm Scream erinnerten.
Auf Platte klingt das Ganze noch hymnischer und weniger nach angepoppten Motörhead, was mit anderen Worten bedeutet, dass man in Oberhausen die zweite, ausgefallene Gitarre schmerzlich vermisste. Trotzdem hatten die ARTERIES anschließend am Merchstand durchaus etwas zu tun, so dass man zumindest davon ausgehend konnte, dass sich durchaus Sympathisanten im Publikum befanden.

So, kurz raus, ein Kaltgetränk geschnappt, die letzte kühle Brise im üppigen Biergarten aufgegabelt und dann wieder irgendwo vorne rein. THE MENZINGERS spielten nach fixer Umbaupause auf und hatten das Publikum trotz der hohen Temperaturen von Beginn zur Bewegung animiert. In schön stringenter Abwechslung folgten atmosphärische Stücke, die meist von der nicht mehr ganz so taufrischen „On The Impossible Past“ stammten, auf flotte Tanznummern á la „Tasker Morris Station“. Leider wurden (auch) an diesem Abend frühere Releases sträflich vernachlässigt: Kein Song des Debüts und kein Stück der grandiosen „Hold On, Dodge“-EP hatten es an diesem Abend ins Set geschafft. Ob außer dem Schreiber noch viele weitere Anwesende eine Träne ob jener Songauswahl vergossen, darf allerdings bezweifelt werden.
Zumindest wirkte das Publikum über die gesamten 50 Minuten mehr als befriedigt. Auch wenn wieder einmal „Gates“ zu langsam, und das recht langweilige „Irish Goodbyes“ gespielt wurden. Dafür hatte man mittlerweile erkannt, dass „Casey“ eine durchaus würdige Zugabe darstellte. Oberhausen dankte es mit schwitzenden Leibern, großer Textsicherheit und überdurchschnittlichem Bewegungsdrang. Wir sehen uns wieder!