17.12.2007: Silverstein, Blessthefall, The Vincent Black Shadow - Köln - Live Music Hall

 


Zugegeben, es wäre wirklich verdammt einfach diesen Bericht einmal mehr dazu zu nutzen, sich über bestimmte Klischees und die Herdentiermentalität einiger (und das muss dabei stets beachtet werden) vorwiegend sehr junger Konzertbesucher und Konzertbesucherinnen zu echauffieren. Die Steilvorlagen in Form diverser Frisuren Fauxpas sowie gleicher elitärer Optik, welche jeden dörflichen Schützenverein hätten grün vor Neid werden lassen, waren auf jeden Fall gegeben. Individualität als Fetisch. Und alle sehen gleich aus. Hinzu gesellte sich ein latentes Groupie-Klima, das einem das Konzertvergnügen (vor allem in den ersten Reihen) ein ums andere Mal ordentlich vergrätzen konnte. Getreu dem Motto "making fun of emos is so 2006" konzentrieren wir uns jedoch lieber auf die Performance der einzelnen Bands. Denn, wenn selbst des Kölners Lieblingsmorgenlektüre der Kölner Stadtanzeiger sich des Themas "Der Emo-Style" (oder so ähnlich) annimmt, sollte es für uns doch längst passé sein, oder?! Darüber hinaus legten vor allem SILVERSTEIN einen schlichtweg gelungenen Auftritt hin – doch dazu später mehr…


Den Anfang machen THE VINCENT BLACK SHADOW. Der Vierer um Frontröhre Cassandra Ford liefert eine recht statische Show und bietet leicht identitätslose Meterware irgendwo zwischen NO DOUBT und Dicke-Eier-Rock. Die Kommunikation mit dem Publikum ist auch nicht gerade als übermäßig zu bezeichnen, was von Seiten des eigentlich durchweg euphorisch eingestellten Publikums dann auch nicht zu mehr als Höflichkeitsapplaus führt.

Im Anschluss entert meine vierfach geklonte kleine Schwester in Form von BLESSTHEFALL die Bühne der prall gefüllten Live Music Hall. Es ist doch immer wieder erstaunlich wo diese kleinen, hageren Typen diese bösen Stimmen hernehmen. Jared, der zuvor den Bass in der Band bediente und im Laufe der Tour (zumindest vorübergehend) den vakanten Posten des Frontmanns übernommen hatte, hätte beim "Tomb-of-the-Mutilated"-Karaoke-Contest jedenfalls eine formidable Figur abgegeben. BLESSTHEFALL schaffen es dann auch wesentlich mehr Bewegung ins Spiel zu bringen. Das Publikum feiert die Band für ihren Auftritt, bei dem sie immer wieder die Nähe zu den Kids in den ersten Reihen sucht, gebührend ab. Zwar bekommt man vor allem bei den clean gesungenen Passagen des Gitarristen regelmäßig die Krise, ansonsten lässt sich jedoch – vor allem in Anbetracht der angesprochenen Line-Up Probleme – von einem routinierten Auftritt sprechen, der hier und da ein wenig mehr Druck hätte vertragen können.

Den gibt es dann jedoch beim Auftritt SILVERSTEINs in Hülle und Fülle. Ich kann mich jedenfalls an kein Konzert in letzter Zeit erinnern, bei dem ich direkt beim ersten Song derartig an die Wand der Live Music Hall gedrückt wurde. Die Erziehungsberechtigten von BLESSTHEFALL spielen sich druckvoll durch sämtliche Alben, wobei sich vor allem 'Smashed Into Pieces' und 'Smile In Your Sleep' als DIE Live-Hits erweisen. Speziell der Refrain des letztgenannten Songs wird von fast allen Beteiligten inbrünstig mitgesungen und sowohl Band als auch Publikum sind mit reichlich Euphorie bei der Sache. Für Bewegungswütige gibt es während des Sets auch die Möglichkeit seinem Gymnasiasten-Frust in Form eines Circle Pits freien Lauf zu lassen. Gegen Ende des Auftritts stürmen die Jungs von BLESSTHEFALL mit einer Couch bewaffnet erneut die Bühne, schauen SILVERSTEIN gesetzesbrecherisch, da Bier trinkend, bei ihrer kraftvollen Performance zu und vermitteln den Eindruck, es habe sich um eine sehr familiäre Tour gehandelt. Es verwundert daher auch kaum, dass sowohl BLESSTHEFALL als auch SILVERSTEIN ohne Merchandise aufgelaufen sind, da bereits im Vorfeld sämtliche Ware verkauft worden war.

Eine kleine Alltagsbeobachtung gibt es noch zum Schluss: Ein schwarzgekleidetes, schwargefärbtes mit Buttons zugepflastertes Mädchen mit schriller, leicht heiserer Stimme lässt sich nach dem Konzert über ihre Altersgenossen aus: "Boah, sahen die alle gleich aus, und wie groupiemäßig die die ganze Zeit gekreischt haben. Voll schlimm!" Sorry, das konnte ich mir jetzt einfach nicht verkneifen…




Alte Kommentare

von lieblingssatz ! 24.12.2007 17:40

Individualität als Fetisch. Und alle sehen gleich aus.