17.08.2015: INTERPOL, ABAY - Dortmund - FZW

 

Fast ein Jahr ist es her, dass Interpol mit „El Pintor“ ihr fünftes Studioalbum heraus brachten. Nach der Tour im Januar stattete die Band den Festivals im Sommer einen Besuch ab. Kaum zwei Monate später steht die nächste Tour ins Haus.

Vorband im Dortmunder FZW sind heute ABAY, die pünktlich um acht Uhr eröffnen. Die Band ist für mich ein komplett unbeschriebenes Blatt, kann sein, dass ich den Namen irgendwo mal aufgeschnappt hatte, aber beschäftigt hatte ich mich mit ihnen noch nie. Nach meiner Recherche stelle ich fest, dass es sich um den ehemaligen Frontmann von Blackmail handelt. Da ich mich auch mit dieser Band nie richtig beschäftigt habe, kann ich ABAY leider nicht in einen Vergleich dazu stellen. Auch für den Sound von ABAY an sich fällt eine Einordnung schwer, da die Berliner ziemlich versiert sind und mal swingen, mal rocken, manchmal auch verspielte Elemente in ihre Songs eingebaut haben. Facebook sagt: Post-Pop. Passt irgendwie, Pop ist das nicht: Zwar sind die Lieder durchaus eingängig und kaum vertrackt, jedoch überwiegt an den meisten Stellen der Rock, und auch die etwas trotzige Stimme erinnert mich eher an Billy Talent oder Placebo. Vorgetragen ist das Set jedenfalls professionell genug für die mit etlichen hundert Menschen gefüllte Halle, unsicher wirkt die Band an keiner Stelle. Gut vorstellbar, dass jeder der Musiker bereits vorher in einigen Projekten gezockt hat. ABAY heizen gut an und bieten ein gutes Kontrastprogramm zu Interpol (positiver und tanzbarer), das jedoch den meisten trotzdem gefallen haben müsste. Kurz vor Ende des Konzerts erwähnt Sänger Abay auch, dass er und seine Mitmusiker sich im Vorfeld bereits riesig auf den heutigen Abend gefreut haben und dass auch sie sich gefragt haben, wie Interpol denn wohl so drauf sind. Laut ABAY sind sie sehr nett. Ein Glück, denn ABAY werden in Stuttgart und Wiesbaden in der nächste Woche nochmal für die Amerikaner eröffnen.

Die lassen sich erstmal gehörig Zeit für die Umbaupause, wie sich das eben für einen richtigen Headliner so gehört. Nach gefühlt mehr als einer halben Stunde steppt Paul Banks ans Mikro und winkt kurz dem Publikum zu. Dann geht es endlich los mit „Say Hello to the Angels“ „Anywhere“, und wenig später auch mit einem weiteren neuen Song „My Blue Supreme“. Die Lichtshow ist nicht gerade was für Epileptiker und dürfte den Fotografinnen im Graben bei den ersten 3 Songs auch nicht gerade Freude beschert haben. Leider fällt bei INTERPOL zumindest zu Anfang des Sets und links vor der Bühne der Sound schlechter und undifferenzierter aus als noch zuvor bei Abay, der ohnehin etwas dünne Gesang von Banks kommt kaum gegen die Instrumente, insbesondere das Schlagzeug an und geht daher etwas unter. Nach dem kurzen tanzbaren Anfang des Auftritts kehrt auch recht schnell Ruhe ein und INTERPOL spielen routiniert, ohne großartige Ausschweifungen ihre Setlist runter. Natürlich finden sich auch ältere Songs wie „Rest My Chemistry“ oder „Evil“ darin wieder, die die verschiedenen Alben und mitunter auch andere Saiten an INTERPOL rauskehren. So lässt der Riff in erstgenanntem Song unweigerlich an die Pixies denken. Paul Banks bedankt sich brav und hat ansonsten rein gar nichts zu sagen, außer dass er seine Bandkollegen einzeln vorstellt und auch einen kurzen Shoutout an Abay rausgehen lässt. Ganz ehrlich: Auch bezüglich seiner Bühnenperformance könnte er an einem Award für den langweiligsten Frontmann teilnehmen. Da macht es nur Sinn, dass in Sachen Lichtshow pausenlos alles rausgeholt wird. Aber das ist alles nichts Neues, man kennt INTERPOL ja nun mal so. Ich, der ich mich heute zum ersten Mal live davon überzeugen kann, dass ein Live-Auftritt der Band wirklich ähnlich unspektakulär ist, wie die Videos auf Youtube vermuten lassen, bin davon jedoch ziemlich enttäuscht. Die Songauswahl gibt Ausschnitte aus jeder Schaffensphase wieder, manchmal kann man auch textsichere Fans ausmachen, aber die Leute im Dortmunder FZW sehen zumindest auch nicht allzu bewegt aus, die meisten tanzen ganz leicht oder wippen einfach nur im Takt mit. Ob INTERPOL eher eine Band zum geniessen ist? Von herum springen oder gar Pogo kann jedenfalls nicht die Rede sein, lediglich einige Finger sind in Richtung der Bühne gestreckt und der Applaus fällt stets üppig aus. Nach etwas mehr als einer Stunde hören INTERPOL komplett ohne Vorankündigung einfach auf. Klar kommt da noch eine Zugabe, doch ich frage mich, wo das noch die ganzen guten Songs untergebracht werden sollen? Es spielt doch niemand vier Songs oder mehr als Zugabe? Entsprechend froh bin ich, als dann mit „All the Rage Back Home“ und „Obstacle 1“ nochmal zwei der Besten gespielt werden. Ich frage mich allerdings, wieso man etwa „PDA“ oder das überragende „Tidal Wave“ vom neuen Album auslässt. Schade finde ich das. Und unter dem Strich bin ich von dem Auftritt dann doch eher enttäuscht, nicht nur wegen der beiden ausgelassenen Nummern. Da sind mir die Kollegen von The National und den Editors doch deutlich lebendiger und enthusiastischer in Erinnerung geblieben.