17.11.2015: KIZ, AUDIO88 & YASSIN - Mannheim - Maimarkthalle

 

Gut 20 Minuten bevor es in der Maimarkthalle losgehen soll treffe ich am Maimarktgelände ein und bekomme erst einmal einen Schock. Die Schlange zum Einlass erstreckt sich mehrere hundert Meter weit, in beide Richtungen, über den kompletten Bürgersteig, bis hin zu den Parkplätzen. Selbst der Weg zu den Fahrradständern bringt da seine Schwierigkeiten mit sich. Ein hoch auf die Gästeliste mit der ich diese Schlange (zum Glück) umgehen kann, sonst wäre wahrscheinlich der Bericht über die Vorband komplett entfallen.

Tausende Menschen vor der Halle, tausende drinnen. Wie sollen die nur alle in den Maimarkt Club passen – die Antwort bekomme ich schnell: Denn heute ist nicht der Club, wovon ich eigentlich ausgegangen bin, da dort gestern auch FETTES BROT & die ANTILOPEN GANG gespielt haben, geöffnet, sondern die komplette Halle! In den Club passen unbestuhlt 2.600 Menschen und die Maimarkt Halle ist auf den ersten Blick fünf Mal so groß! Das macht eine Kapazität von 12.000 Menschen(!!!) . KIZ könnten damit schon fast auf Stadion Show gehen – zur 500 Meter entfernten SAP Arena fehlen nur 1.600 Leute. Und die Halle ist schon gut gefüllt, als ich kurz vor Beginn in Richtung Bühne laufe und das obwohl noch jede Menge Leute vor der Türe, am Einlass stehen.

Zwischenzeitlich bin ich mir unsicher ob die Veranstalter das Konzert pünktlich, um 20:00 Uhr, beginnen lassen oder ob sie warten bis alle zahlenden Gäste in der Halle sind. Pünktlich um 20:00 Uhr wird die Frage beantwortet und die Lichter gehen aus. Auf die Bühne kommen AUDIO88 und YASSIN, ein deutsches Hip Hop Duo aus Berlin. Ausschließlich mit DJ bewaffnet legen die beiden sofort los. Deutsch Rap, wenn ich das als Rap Laie so nennen darf, der klassischen Art. Ein bisschen asozial, hier und da mal die Wörter „Nutte, Drogen, etc.“ eingebaut und schon hat man den fertigen AUDIO88 & YASSIN Song – Nein, so einfach ist es dann auch nicht. Denn, auch wenn mich die beiden musikalisch nicht wirklich überzeugen können, da es einfach nicht meine Musik ist, haben die beiden zumindest eine gute politische Einstellung und sagen immer wieder das man Nazis aufs Maul hauen soll, auf die Straße gehen muss und weißen auf den bevorstehenden NPD Bundesparteitag in Weinheim, am Samstag den 21.November hin. Respekt. Nach der klassischen „halbe-Stunde-Vorband-Spielzeit“ wird es wieder hell in der Halle und ich befinde mich mittlerweile mitten im Pulk. In der letzten Reihe gestartet, in der Mitte wieder aufgewacht - so viele Menschen kamen in der Zwischenzeit noch dazu. Eine Kulisse die ich bei KIZ nicht erwartet hätte.

Genauso wenig wie die Energie mit der es ab dem ersten Song losgeht. Nach einem kurzen „Backstage“-Einspieler, in dem die Jungs sich über die horrenden Ticketpreise (von über 30 Euro) kaputtlachen und damit ihr neues, exzessives Leben als reiche Leute (mit Koks, Nutten und Waffen) zelebrieren, geht es los. Und wie! Es wird gesprungen, gepogt und getanzt was das Zeug hält. Und das bei Song Nummer 1. Wo soll das denn noch hinführen. Vor 4 großen Staturen, die Tarek, Maxim, Nico und ihren Diskjockey DJ Craft darstellen, bauen sich KIZ auf. Ironisch, arrogant – wie man sie eben kennt. Ernst nehmen darf man KIZ nicht und das wissen die Zuschauer (hoffentlich) auch alle. Also wird sich weiter über die Zuschauer, die hohen Eintrittspreise und über KRAFTKLUB, mit denen die 4 ja bekanntlich gut befreundet sind, lustig gemacht. Die Menge tobt und gibt Song für Song mehr Gas. Links von mir entsteht der erste Moshpit und es dauert nicht lange da feiert auch rechts von mir der nächste Moshpit Premiere. KIZ ziehen eben nicht nur das Hip Hop Publikum, sondern auch die PASCOW T-Shirt, die VOLBEAT Pulli und die Punk-Kutten Träger, auch wenn ich nicht wissen will wie viele Snapbacks, wie viele Stunden Hanteltrainig, wie viele KOLLEGAH Hörer, wie viele …  an diesem Abend in der Menge stehen. Geschweige denn wie viele Zigaretten, alleine in der Halle, rings um mich herum, geraucht wurden. Fragen über Fragen.

Das KIZ auf den großen Bühnen angekommen sind merkt man nicht nur am beeindruckenden Bühnenbild, sondern auch an den Pyro und „Konfetti“ Effekten, die sie unzählige Male in ihre Bühnenshow einbauen. So regnet es, direkt während dem zweiten Song, erst einmal Geld, es werden immer wieder Konfetti-Fähden in die Menge geschossen und der Panzer im Hintergrund spuckt Feuer, während DJ Craft eine (Stimmungs-)Bombe nach der anderen zündet. KIZ sind pietätlos. KIZ sind die unterste Schublade. Aber KIZ dürfen das. KIZ dürfen „Ich bin Adolf Hitler“ singen und 10.00 Kehlen ihnen beipflichten. Und bei KIZ darf man auch, anstatt Zugabe, Hurensohn rufen.  Heute Abend ist alles erlaubt.

KIZ liefern mit Unterstützung von jeder Menge Pyro eine wirklich gute, energiegeladene Riesen-Show ab. Man muss allerdings komplett in den KIZ Kosmos eintauchen - anders hält man das Ganze nicht über 1 ½ Stunden aus. Mein Ironie und Rap Bedürfnis ist also erst einmal wieder gedeckt. Danke dafür KIZ.