17.12.2017: NORTHLANE, ERRA, INVENT, ANIMATE, OCEAN GROVE - Karlsruhe - Substage

 

Das wichtigste Wort an diesem Abend ist Druck. Denn: Jede Menge Power und Energie schlägt den Besuchern im Karlsruher Substage gleich in vierfacher Ausführung von der Bühne entgegen. Die Australier von NORTHLANE haben auf ihrer "Mesmer"-Tour gleich drei Supports mit an Bord genommen: ERRA, INVENT, ANIMATE und OCEAN GROVE. 350 Menschen haben sich an einem kalten dritten Adventssonntag auf den Weg zum Schlachthofgelände gemacht.

Den Start machen OCEAN GROVE, die NORTHLANE aus Down Under mitgebracht haben. Trotz sehr früher Stagetime (19 Uhr), bringt die Fünfercombo schon den ein oder anderen Kopf zum Nicken. Die Band spielt vor allem Songs ihres Debütalbums "The Rhapsody Tapes". Der groovige Nu-Metal mit einigen teils kursiosen Rapeinlagen kommt beim Publikum gut an, "auch wenn wir heute keine Breakdowns im Set haben", wie Frontmann Luke Holmes mit einem Lachen zugibt. Besonders auffällig: Bassist Dale Tanner, der mit seinem weiß-grauen Hosenanzug, einer knallroten Brille und hochgestellten Haaren ein Hingucker ist.

Aus Port Neches in Texas kommen INVENT, ANIMATE, die sich anschließend durch ein ultrahartes, halbstündiges Set knüppeln. Metalcore trifft auf Progressive Metal - das gefällt den Besuchern und sorgt für erste Bewegung im Moshpit. Die Band hat schon einiges an Tourerfahrung und das merkt man. Unterwegs waren die Jungs in den USA schon mit OCEANO, VEIL OF MAYA und AFTER THE BURIAL. Shouter Ben Englisch ist mit wehenden Haaren und OCEAN GROVE-Shirt viel auf der Bühne unterwegs; auch die Rhythmus-Fraktion ist ständig in Bewegung. Das zweite Album der Band, "Stillworld", schaffte es 2016 sogar auf Platz 133 der US-amerikanischen Albumcharts.

Nicht weniger druckvoll geht es bei ERRA zu, die als Drittes auf der Bühne stehen. In ihrem 35-minütigem Set überzeugen die fünf US-Boys vor allem mit dem Wechsel aus Clean-Vocals von Gitarrist Jesse Cash und brachialen Power-Shouts von Joseph Thomas Cavey. Nach vielem Hick-Hack und mehreren Sängerwechseln, ist Cavey, der ehemalige Sänger von TEXAS IN JULY, seit 2016 Frontmann der Band und macht seine Sache gut. "Kennt noch jemand unsere alten Alben Augment und Impulse?", fragt Cavey ins Substage. Einige wenige Hände gehen nach oben. Doch auch von der letzten CD "Drift" gibt es einige Stücke zu hören.

"Haltet die Energie hoch", schreit NORTHLANE-Sänger Marcus Bridge immer wieder in Richtung Publikum. Um 21.30 Uhr tritt die Band auf die Bühne. Gitarrist Jon Deiley und Drummer Nic Pettersen beide mit pechschwarzem Mundschutz, Bridge mit zerissenen Hosen und T-Shirt. Schon mit den ersten drei Songs hat die Band das Publikum im Griff. "Colourwave" und "Worldeater" gehen druckvoll nach vorne, bei der tollen Single "Rot" gehen die Hände hoch und es wird laut mitgesungen. Bridge wechselt gekonnt zwischen seiner Funktion als Sänger und Shouter - fleht, schreit ins Mikro und kriegt auch die hohen Töne live super hin. "Macht die Hände hoch Karlsruhe", fordert Bridge. Die Fächerstadt gehorcht aufs Wort. Nach 70 Minuten und der tollen Zugabe "Paragon" endet ein überzeugendes Konzert. In Australien sind die fünf ein wenig größer als in Europa - ihre Alben landen fast immer in den Top Ten der Album Charts. Das Konzert in Karlsruhe ist ein gutes Argument dafür, dass sich an der Popularität auch in unseren Breitengraden etwas ändert.

Hervorzuheben: Der super Sound im Karlsruher Substage. Alle Bands kommen druckvoll und mit jeder Menge Power rüber. Auch die Mischung am Abend stimmt. Nu-Metal, Metalcore, Progressive Metal, Hardcorepunk - für jeden ist etwas dabei. Fazit: NORTHLANE in Deutschland? Immer wieder gerne. Und bringt auch ruhig wieder eure druckvollen Freunde mit.