18.02.2015: Reel Big Fish, Less Than Jake, Authority Zero - National Grove - Anaheim, CA

 

Hawaiihemd, Bierbecher und Checkerboard-Leggins sind universelle Indizien fuer den heutigen Abend und offenbar jedem Besucher und jeder Besucherin bekannt. AUTHORITY ZERO hingegen sind das weniger, was am Festival-tauglichen Melodic-Punkrock der Band aus Arizona allerdings wenig aendert. Tausendfach erprobt von Keller bis Halle, schlagen sich die vier Herren um Frontmann Jason DeVore wie erwartet gut - denn auf Kommando Klatschen, "Ohoh's" mitgroehlen und Circlepit-Versuche auspacken sind auch noch vor der Tagesschau drin.
Ein schoenes und gemuetliches Buehnenbild in abendlicher Wohnzimmeratmosphaere haben LESS THAN JAKE fuer ihre vierwoechige Tour mit REEL BIG FISH eingepackt, auch wenn bei Vinnie Fiorello, Chris DeMakes und Co. schon das ein oder andere graue Haar mehr unter dem Basecap hervorlukt. In wenigen Wochen wird ihr Debut "Pezcore" zwanzig Jahre alt, trotzdem funktionieren die Knochen und Choere noch bestens, wenn "Johnny Quest Thinks We're Sellouts" oder Raritaeten wie "How's My Driving, Doug Hastings?" aus dem Sack gelassen werden. Zunaechst allerdings darf jung und alt zu "Look What Happened" tanzen und kreischen, dazu gibt es ab den ersten Takten Konfettikanonen und Klopapierrollen. "Dieser Mittwoch fuehlt sich noch zu sehr nach Mittwoch an - nicht nach Freitag!" klagt Bassist Roger Lima, daran alles aendern soll der "Pacman" Song, den die Band laut Eigenlob fuer ein Cereal-Werbespot hergegeben hat. Den Dreissigsekuender gibt es heute Abend gleich dreimal zu hoeren, damit bloss jeder mit dem dazugehoerigen "Pacman"-Tanz im Hirn nach Hause geht. Details und Humor haben die Skapunker aus Gainesville schon immer ausfuehrlichst begleitet - auch in der City National Grove of Anaheim spielt der Entertainmentfaktor einen Art Zuckerguss-Rolle. Das ziemlich sterile und unpersoenliche Venue kann nicht der einzige Grund sein, warum LESS THAN JAKE heute nicht wie sonst in Windeseile auftauen. Die auf die Buehne geladenen Headbanger tragen Pantera-Shirts und koennen auch volltrunken noch Rueckwaertssalti vom Riser. Auch sind es weniger die technisch bedingten Ausfaelle von Gitarren und Bassdrum, die oft wichtiges Pfund aus dem Livesound stehlen. Aufgrund der vielen neuen Beitraege im Set (u.a. "American Idle", "Give Me Something To Believe In", Good Enough") ziehen Songs wie "Gainesville Rock City" oder "Last One Out Of Liberty City" den Kuerzeren, trotzdem entfesselt sich die Stimmung - zumindest beim auffaellig jungen Publikum - wie von selbst. Tighte, spielerische Standards und gesunde Selbstverarsche geben nach einer Stunde und "Ghosts Of You And Me" sowie "The Science Of Selling Yourself Short" das Zepter weiter Richtung REEL BIG FISH.




Selbstverarsche - diese wird auch beim Sextett aus Orange County grossgeschrieben. "Der Abend war so schoen - jetzt versaut THE REEL BIG FISH alles..." weint Aaron Barrett - mittlerweile das einzige noch uebrige Gruendungsmitglied der Skapunkband. "The Final Countdown" ist keine wirklich originelle Intro-Idee, dennoch laesst es sich zu "Everyone Else Is An Asshole", "Another F.U. Song", "I Want Your Girlfriend To Be My Girlfriend" oder "Trendy" schnell warmwerden. Auch REEL BIG FISH bestehen bereits seit zwei Dekaden und koennen dementsprechend mit Material und Klasse mithalten - live macht letztere vor allem die astrein abgestimmte Rhythmusfraktion um Neu- und SUBURBAN LEGENDS-Schlagzeuger Ed Larsen aus. Nebenbei wirkt auch der Offbeatwanderzirkus REEL BIG FISH heute kuehl und zu abgestimmt. Es gibt wunderbar warme weibliche Guestvocals zu "She Has a Girlfriend Now" und scheiternde Stagediveversuche bei "All I Want Is More" - Aaron Barrett rennt und huepft und tanzt und poebelt in seinem rosafarbenen Jackett. Auch die sechzig Minuten Spielzeit von Barrett und Co fuellen sich ruckzuck, die vorbildlich durchgestylte Blaeserfraktion um Johnny Christmas und Saxl Rose wird einfach nicht langweilig. Mehr Haende als zu "Sell Out" landen heute nicht auf einmal in der Luft, sogar der Weg zum Zugabenblock zieht sich danach und wirkt erzwungen. Na klar - auch "Turn The Radio Off" feiert bald seinen zwanzigsten Geburtstag - dennoch haben LESS THAN JAKE deutlich emotionaler und engagierter bewiesen, wie man - mit Verlaub: sogar als Skapunkband - in Wuerde altern kann.