18.07.2015: H2O, DEATH BY STEREO, LIONHEART - Köln - Underground

 

PMA > Schlaf. Toby Morse spricht aus eigener Erfahrung. Drei Stunden reichen, den Rest erledigt die positive Geisteshaltung. Abseits der Bühne allerdings ist der sneakersüchtige Wahlkalifornier heute eher spärlich gesehen. Am Nachmittag bereits lieferten H20 auf dem gut 200km entferneten Traffic Jam Festival ab, im ausverkauften Underground geht es für die New Yorker in die zweite Runde. Nicht schlecht für einen wirklich sommerlichen Samstag mit Aussentemperaturen um die 28 und Clubhitze um die gefühlten 42 Grad. Bereits zu LIONHEART und dessen überdurchschnittlich motiviertem und ansteckenden Set schwillt die Hitze auf und vor der Bühne an und liefert die erste einladene Chance des Abends, sich zu den bulligen Tönen der sympathischen Band aus Oakland die Kalorien aus dem Leib zu stampfen. Soundtechnisch etwas breiiger, dafür mindestens genauso tight und munter geht es im Anschluss für DEATH BY STEREO und dessen hymnischen Gniedel-Core an die Startlinie. Die Band feiert nicht nur das Jubiläum ihres Releases "Death For Life", sondern serviert heute auch ein Mitglieder-Potpourri, bei dem sich u.a. Ex-Langzeit-Gitarrist Jim Miner und (auch ZEBRAHEAD-Mitglied) Dan Palmer an Instrument und GoPro abklatschen. Abseits von "No Shoes, No Shirt, No Salvation", "Growing Numb" oder "Binge/Purge" freut sich Frontmann Efrem Schulz über seinen Status als "Mexican German" in der Heimat, stammt seine Grossmutter doch aus Bremen. Persönlich kümmert er sich anschliessend um die Befeuerung des geforderten Circlepits, ganz zum Leidwesen seines Mikrofonkabels. Der Fünfer macht von der Songauswahl bis zum augenzwinkernden Entertainment alles richtig - und doch liefert der gemütliche Biergarten des Underground noch zu vielen Besuchern gute Gründe, das Set der Band aus Orange County bei Kaltgetränk und Sauerstoff zu überbrücken. Erst zum abschliessenden "I Sing For You" und somit pünktlich zum Sonneuntergang strömt nochmal ein Schwung motivierter und Faust reckender Tänzer und Tänzerinnen in den Saal.
 
 
Wirklich erst in letzter Sekunde zeigt sich Toby Morse nach Aufbau und (gefühlt zu langem) Soundcheck auf der Bühne und am Mikrofon, dafür bringt der 44-jährige das Energiepensum einer Planierraupe mit. Unverkrampft und organisch finden H20 sofort den direkten Draht zum Publikum, welches sich mit Textsicherheit und Feierwut erkenntlich zeigt. Makaber, dass trotz des relativ hohen Altersdurchschnitts im Venue ausgerechnet das MINOR THREAT-Cover "Salad Days"  frühzeitig von Morse eingestampft und unmittelbar gegen das Eröffnungsriff von "Bro Hymn" getauscht wird. "Stop, das funktioniert so nicht. Liebe Besucher - jeder von Euch: Tut Euch bitte bitte den Gefallen und hört Euch noch heute ein MINOR THREAT-Album an. Ohne MINOR THREAT hätte es PENNYWISE nie gegeben!" Der Hauch von Arroganz wird direkt wieder in Hits erstickt - Klassiker wie "One Life One Chance", "Thicker Than" Water" und "Guilty By Association" helfen ebenso dabei wie "1995", "Sunday" oder "Role Model". Spürbar - und nicht nur laut Eigenaussage - sind H20 hier in ihrem Element und zu Hause - sehr viel mehr als auf der nachmittäglichen Festivalbühne mit Security und Absperrzaun.
Zwischen Opener und dem finalen "What Happened" ist bei Morse, Rusty Pistachio und Co. kaum Erschöpfung auszumachen. Publikumsnähe und Singalongs sind die herrschende Agenda des heutigen Abends, für grimmige Muskelprotze und harsche Coolness bleibt weder vor noch auf der Bühne Platz. Mit Blick auf Wetter und die "doppelte Pflicht" der gebürtigen New Yorker lässt sich ein ausbleibender Zugabenblock ebenso verzeihen wie die blitzartige Flucht von der Bühne des dürren PMA-Pabstes nach der Show. "Danke, dass ihr aus unserem "5-Year-Plan" einen "20-Year-Plan" gemacht habt. Ein letztes Mal Europa OHNE unsere neue Platte" versprechen Toby Morse und H20 zuvor. "Passion before fashion" entgegnen hunderte komplett schweissgetränkte und begeisterte Besucher unmittelbar - noch vor dem obligatorischen, heute allerdings überflüssigen Besuch am Merchstand.