19.04.2012: Kakkmaddafakka, Bloody Beach, Johann Van Der Smut - Faust, Hannover

 

Scheiß auf MAOAM: Hannover will tanzen. Tanzen! JOHANN VAN DER SMUT hängen die Gitarren dafür zu hoch um ihre dürren Hälse. Bei BLOODY BEACH hängt der Haussegen im Anschluß gerade, zuviel skandinavisch gesetzter „Style“ jedoch auf der Bühne. Die Indiepopsongs zwischen Funk und Hippietum gucken zu schüchtern aus der Wäsche und lassen abgelenkten Gesprächsstoff (aus dem Unialltag?) der Wahrnehmung der Norweger überwiegen. „Can You Say KAKKMADDAFAKKA?“ gewinnt haushoch gegen auffordernd gesungene Parolen wie „Do You Feel Like Dancing?“.




Brav nacheinander bewegen sich die „Spring Break Tour“ Headliner auf die Bretter der deutlich ausverkauften Faust und kratzen mit Cello und Discokeyboards größtmögliche Aufmerksamkeit aus jeder Ritze des Clubs. Zum eröffnenden „Touching“ wird bereits gekreischt, dass DSDS-Pappnasen vor Neid erröten würden, „Make The First Move“ und „Crazy On The Dancefloor“ sitzen mit geschrammelter Funkgitarre und steril klickenden Drums nahtlos und nahezu perfekt. Mindestens die Hälfte des Ticketpreises ist alleine das auf knappe Jeansshort, karierte Opastrümpfe und unhippe Gelfrisuren getrimmte Backgroundtrio um Lars Helmik, Sverre und Martin Sande wert – selten punkteten Eigenironie und Entertainmentgrenze so gentlemenhaft und enthusiastisch. KAKKMADDAFAKKA bräuchten keine Fragen stellen - das Pamphlet zum Tanzen passte ebenso eindeutig in den blauen Nightliner, wie die Leichtigkeit, mit der die Norweger einen endlosen Zappelmarathon erspielen.
„Gangsta“ und „Is She“ machen den Donnerstagabend nicht nur bei den zahlreichen jungen und weiblichen Anhängerinnen zur ehrwürdigen Samstagnacht – noch vor „Cool“ bereits steht der erste Schwung Sanitäter vor den Türen des Venues.


In Bergen, oben im Norden, da wo KAKKMADDAFAKKA zu Hause sind, wenn sie nicht gerade Disco und Indie mit höchstem Zuspruch durch die polierte Kitchen Aid jagen, weiß nicht nur Gitarrist Axel Vindenes mit seiner Milchbubivisage, wie man Catchyness und holde Worte in vier- bis sechsstimmige Chöre eintütet, Jonas Nielsen macht mit Pianotollwut und sympathischem Gammeloutfit ebenso die Ehren(tanz)runde auf der Bühnensitzgelegenheit wie Axels Bruder Pål auf der gegenüberliegenden Seite. Dabei geraten KAKKMADDAFAKKA und jeder einzelne der acht Köpfe weder aus dem Gleichgewicht, noch aus dem Konzept, was die ersten 60 Minuten und natürlich „Your Girl“ erst nach Stretching und Aufwärmübung aussehen lässt.
„Can You Say KAKKMADDAFAKKA?“ Nein, aus 700 wütigen und angespitzten Kehlen lässt sich so ein Bandname nur schreien.