19.08.2005: The Blood Brothers, White Circle Crime Club - Hannover - Cafe Glocksee

 

Es ist immerhin schon ca. zwei Jahre her, dass THE BLOOD BROTHERS durch das Cafe Glocksee in Hannover fegten. Bereits damals war der Laden gerammelt voll, also hieße es dieses Jahr für die Abendkassengänger, die es hassen sich frühzeitig Karten zu organisieren (wie unspontan), pünktlich anreisen und darauf hoffen, dass man noch Karten ergattert. Gerade an einem Freitag Abend reisen die Leute dann ja auch mal gerne von etwas weiter her an. Pünktlich gegen 21:00 Uhr finden wir uns also vor der Glocksee ein, wo zunächst ein Mitarbeiter wild mit seiner Liste rumfummelt um erstmal nur die Leute reinzulassen, die auch vorreserviert haben – Vorverkauf war wohl nicht. Das Ganze gestaltet sich dann doch unkomplizierter als erwartet und bereits Viertel nach Neun stehe ich mit dem ersten kühlen Getränk in der Hand an der Theke der Glocksee.

Schnell füllt sich der Laden, die Leute verteilen sich entspannt vor der kleinen Bühne des Cafes und warten geduldig auf den ersten Act dieses Abends. WHITE CIRCLE CRIME CLUB aus Belgien sind diesmal im Gepäck der Blutsbrüder und scheinen deutlich gefallen an der Post Hardcore Schule Washington DCs gefunden zu haben. Eine gesunde Portion Q AND NOT U sowie der rockigen Zugänglichkeit früher SONIC YOUTH stehen bei dem Quartett auf dem Programm welches sich nicht mit großartigem Vorgeplänkel abgibt und schnell die Tanzmoral des Publikums antestet. Das Publikum erweist sich jedoch als zurückhaltend, spart seine Kräfte für den Headliner des Abends, klatscht jedoch von Song zu Song mit wachsender Begeisterung Applaus. Eine aktuelle Scheibe, "Written In Black", haben die Jungs ebenfalls dabei und präsentieren größtenteils ihre eigene Version eines vertrakten Partyprogramms. Je länger sich das Set von WHITE CIRCLE CRIME CLUB erstreckt desto mehr gerät die langsam auflockernde Band in Wallung. Ausufernde, jamähnliche Passagen auf höchstem technischen Niveau verlängern die eh schon auf CD mit einer ordentlichen Spielzeit ausgestatteten Tracks um Einiges und auch das den Umständen bedingte Spielen mit lediglich 5 Saiten kann die Band nicht stoppen. Lediglich mit der Bühnenshow halten sich WCCC dezent zurück und vertrauen primär auf ihre Instrumentenkenntnisse. Nach guten 40 Minuten machen die Belgier Platz für den Mainact – nicht ohne den ein oder anderen begeisterten Anhänger dazu gewonnen zu haben.

Nun aber zu den gehypten Schreios aus Seattle. Immer noch ist sich die Band nicht zu schade ihren eigenen Soundcheck durchzuführen und nirgendwo gestaltet sich dieser wohl ähnlich spektakulär wie bei den Blood Brothers. "Check, cheeeeeeeeck!" quietscht Keyboarder und Vokalist Johnny Whitney ins Mic und das Publikum ist bereits begeistert und ist bemüht so nah wie möglich an die kleine Bühne zu kommen. Das Quintett stellt sich wenig später brav vor und startet ihre Schreiorgie aus vertracktem Post Hardcore und munteren Keyboardeinlagen. Während Whitney seine divenhaftigen Tendenzen graziös auskostet und zelebriert, gibt sich der zweite Vorturner, Jordan Blilie, gewohnt zurückhaltender und kehrt der Crowd auch gerne mal den Rücken zu um ihr anschließend dann doch wieder direkt ins Gesicht zu schreien. Obwohl THE BLOOD BROTHERS am heutigen Abend größtenteils ihr aktuelles Album, "Crimes", zum Besten geben halten sich die poppigeren Ausflüge glücklicherweise in Grenzen und das Album kann mich live doch wesentlich besser überzeugen als auf Platte. Dann werden aber auch die Hits von "Burn, Piano Island, Burn" wie das boombastische "Cecilia" gebracht und das eh schon tanzende Publikum geht nochmal ein Stück steiler. Whitney, der seine kleine Mähne wild um sich wirbelt und sich sichtlich verausgabt, verzichtet an diesem heißen Abend in der Glocksee jedoch nicht auf den stetigen Genuss seines persönlichen Ventilators, dessen erfrischendes Lüftchen er immer in Richtung seines aktuellen Standortes ausrichtet. Diesen Luxus hat das schwitzende Publikum leider nicht, selbst die wenigen sich aufs rumstehen beschränkenden Zuschauer zerfließen angesichts dieser Hitze. Der lässigste Mensch am heutigen Abend bleibt Basser Morgan Henderson, der munter und schier angewurzelt vor seinem Verstärker steht und stoisch seine Saiten zupft. Drummer Mark Gajadhar drischt zwischenzeitig dermaßen auf seine Kessel ein, dass ihm das eine Becken davonfliegt, welches ohne Unterbrechungen wieder angeschraubt wird. Ich kann mich erinnern, ob THE BLOOD BROTHERS irgendwelche Ansagen an diesem Abend von sich gelassen haben, aber ihre extasische Show spricht ja bekanntermaßen für sich. Gegen Ende ihres knapp 60 minütigen Gigs kugelt sich Whitney nur noch auf der Bühne rum während Blilie ebenfalls erschöpft zu Boden sinkt. Um eine Zugabe kommen die Jungs hingegen nicht bevor noch recht früh ein grandioser und äußerst schweißtreibender Konzertabend zuende geht. Vor zwei Jahren war es hier in Glocksee noch ein wenig wilder, dennoch wird sich wohl niemand über die großartige Show beschweren.