19.08. - 21.08.2016: HIGHFIELD FESTIVAL - Großpösna

 

Das Highfield Festival zeigt sich 2016, hauptsächlich aufgrund der Verpflichtung von RAMMSTEIN, in leicht abgeänderter Form. Die Kapazität wurde von 25.000 auf 35.000 Besucher aufgestockt, der Campingplatz vergrößert, die Parkplätze verlegt und die Wege somit zwangsläufig länger. Die Kosten mit zuletzt rund 150,- € pro Karte blieben jedoch noch immer im Rahmen.
Die Anreise (Donnerstagmorgen 11:30 Uhr) verläuft, trotz des größeren Ansturms, erstaunlich entspannt. Kaum Stau, gute Parkplatz Einweisung (Kosten: 5 €), schneller Check-In und (noch(!!!)) relativ kurze Wege. (Wer allerdings erst später am Tage (oder gar erst freitags) anreist muss teilweise lange Wege auf sich nehmen und bei der Suche nach einem geeigneten Zeltplatz einiges an Geduld aufbringen. Jeder Zentimeter wird genutzt. Mehr geht nicht.). Für Besucher die mit der Bahn anreisen ist ein Shuttle Service vom Leipziger Hauptbahnhof zum Festivalgelände eingerichtet, der im 20 Minuten Takt hin und her tingelt. Gegen eine Gebühr von 5 € kann dieser Service das ganze Wochenende lang genutzt und auch zu nahegelegenen Supermärkten etc. gefahren werden. Einer der Services der an diesem Wochenende super funktioniert.
Der Weg zum Festivalgelände führt direkt über den Campingplatz, der in vier Bereiche (plus Green Camping, plus Womo) eingeteilt ist. Der extrem ausgetrocknete und damit staubige Boden erschwert den Weg und das Aufbauen des Zeltes jedoch immens und das Highfield Festival, die Autos, Zelte und Besucher verschwinden relativ schnell unter einer dicken, fetten Staubschicht. Ein Problem das nicht nur auf dem Campinggelände Probleme bereitet.

18.08.2016 – Donnerstag

Für den Donnerstag sind noch keine Bands/Konzerte angesagt und somit wird sich ganz dem Zelt aufbauen, baden (am Festivaleigenen Badestrand), CampFM lauschen und natürlich Bier trinken gewidmet. Abends öffnet außerdem, für die Feierwütigen, das Party-Zelt seine Tore und lässt die ersten Hüften kreisen.

19.08.2016 – Freitag (SCOOTER, LIMP BIZKIT, WANDA, HEAVEN SHALL BURN,…)

 Freitag, 13:30 Uhr geht es dann endgültig (mit MOOP MAMA auf der Becks Stage) los. Ohne Verstärker, dafür mit allen erdenklichen Blasinstrumenten bewaffnet, wird dem Highfield Festival der Marsch geblasen und der erste Festivaltag eingeläutet. Highfield Festival 2016 - es geht los! Die Green Stage und somit das eigentliche Festivalgelände öffnet rund 2 Stunden später (15:45 Uhr) und beheimatet heute so einige musikalische Leckerbissen. SUNSET SONS, die in diesem Jahr IMAGINE DRAGONS auf ihrer Europatour supporten durften, eröffnen bei strahlendem Sonnenschein mit poppigem Indie-Sound die kleinere Blue Stage, MASSENDEFEKT ziehen ihre gewohnte, nach dem dritten Mal in diesem Sommer leider etwas langweilig werdende, Show ab und MOOP MAMA lassen nach dem Camping Platz (nun verstärkt) auch die Leute auf dem Festivalgelände springen, ehe es zu SUM 41, die überraschend früh an diesem Tag auf die Bühne müssen, das erste Mal richtig voll wird. Das Festivalgelände platzt bereits jetzt aus allen Nähten. Allerdings nur vor einer Bühne. Eine Tatsache unter der BRIAN FALLON & THE CROWES zu leiden haben, die sich auf der Blue Stage mit wenigen Zuschauern begnügen müssen. BRAN FALLON spielt nach der Pause mit THE GASLIGHT ANTHEM völlig entspannt und befreit auf, findet im Gegensatz zu seiner Zeit bei THE GASLIGHT ANTHEM endlich Worte und plaudert beinahe wie ein Wasserfall. Das Solo-Projekt scheint ihm gut zu tun. Ähnlich gut wie es SKUNK ANANSIE tut mit ihrem 2016 erschienenen 6. Album „Anarchytecture“ endlich wieder auf Festivalbühnen zu stehen. Deborah Anne Dyer alias Skin ist die Power, ein Energiebündel in Person und gibt durchweg alles was Sie hat. Ein positives Beispiel für „ältere“ Bands die sich noch immer voll und ganz für ihr Publikum aufopfern. OLLI SCHULZ macht das auch, wenn auch auf eine ganz andere Art und Weiße. Witzig, ironisch, sichtlich gut gelaunt und immer mit einem flapsigen Spruch auf den Lippen wird erzählt und gesungen. OLLI SCHULZ ist nicht der klassische Sänger, sondern Frontmann und Showman zugleich. OLLI SCHULZ spielt alte und neue, fremde („Wonderwall“) und eigene Lieder und sorgt mit „Verhaftet Wegen Sexy“, den er eigentlich live nicht spielen wollte, für einen überraschenden Abschluss. HEAVEN SHALL BURN setzen im Anschluss die Bühne nicht nur sprichwörtlich, sondern tatsächlich in Flammen. Pyro-Show auf der Bühne trifft auf Staub-Show vor der Bühne. Wer ein Halstuch oder gar eine Atemschutzmaske dabei hat gehört zu den Glücklichen - der Rest findet noch am nächsten und übernächsten Tag Staub in allen möglichen Körperöffnungen. HEAVEN SHALL BURN aus Saalfeld/Saale sind sichtlich stolz auf den Osten und die Massen die vor der Bühne stehen. Zwar nicht ganz so, aber doch ähnlich voll ist es im Anschluss auch bei WANDA - einer Band mit der ich schon vor langer Zeit abgeschlossen habe. Unerträgliche Musik trifft auf unerträgliche Live-Show. Amore, Amore, Amore. Nicht. Ein Rätsel wer den Östereichern den wirklich guten Slot direkt vor LIMP BIZKIT gegeben hat. Von 22:30 Uhr bis 00:00 Uhr dürfen dann LIMP BIZKIT, die ersten Headliner des Highfield Festivals, auf die Bühne. Doch im Gegensatz zu ihren Zuschauern scheinen Fred Durst und seine Jungs nicht so richtig Lust auf ihre eigenen Songs zu haben. Lange Pausen zwischen den Songs, unzählige, einfach eingespielte Lieder ( Lil' Jon, DMX etc.), Cover,… so richtig zünden will die Live-Show von LIMP BIZKIT nicht und so mutieren auf einmal SCOOTER und H.P. BAXXTER zu den Headlinern der Herzen an Festivaltag Nummer 1. Auch wenn die Meisten SCOOTER nicht ernsthaft sondern nur ironisch abfeiern, liefern H.P. Baxxter und Co. eine riesen Show. Pyro, Pyro, Pyro! Hits, Hits, Hits! <<Wicked! How much ist he fish! Oi, oi, oi, oi, fucking oi!>> Vorne wird zu Elektro gepogt, hinten einfach grinzend zugeschaut oder herzlich darüber gelacht, was vor, auf und neben der Bühne gerade so passiert. Einzig und allein der schlechte Sound an den Seiten der völlig überfüllten Blue Stage trübt die Stimmung ein wenig.  Tag 1 ist geschafft, die Lunge ist staubig und der Samstag wirft (mit dem vorfahrenden RAMMSTEIN-Merchandise-Bus) bereits seine Schatten voraus.

20.08.2016 – Samstag (RAMMSTEIN, ANNEMAYKANTEREIT, NOFX, BLUMENTOPF,…)

Der Samstag beginnt brachial. FJORT eröffnen den (von allen heiß ersehnten) Festival-Samstag. Der Kontrast zu den sonst üblichen Club-Shows ist immens. Statt der üblichen 20 cm hohen Bühne ohne Wellenbrecher oder sonstige Absperrungen geht es heute auf eine rund 2 Meter hohe Bühne, vor der sich schon die ersten RAMMSTEIN Fans ihren Platz für den Abend sichern. FJORT funktionieren jedoch auch hier, in luftiger Höhe und spielen ihr Set gewohnt stark herunter.
Da es über Nacht geregnet hat und der staubige Boden so zumindest ein bisschen gewässert wurde, steht das Gelände besser da als noch am Tag zuvor. Der Staub ist weg und die entstandenen Matsch-Pfützen von der mittlerweile hochstehenden Sonne wieder getrocknet.  
Die Bühnenaufteilung unterliegt an diesem Tag (bis auf ein paar kleinere Ausnahmen) einem strikten Schema. Gitarrenmusik auf der Green Stage, Rap auf der Blue Stage. Und HAFTBEFEHLs Chabos wissen genau wer der Babo ist,… nur HAFTBEFEHL nicht genau wo er heute spielt,… währen die „Highfield“-Ansagen zu Beginn des Sets noch sitzen, schwenkt der Offenbacher inklusive kompletter Crew irgendwann auf „Hurricane“ um. Den Fans macht das nichts und bei den nächsten Bands sitzen die Ansagen dann auch wieder. Zumindest fast.
Die ORSONS erhalten jede Menge Zuspruch, in Form von einem vollen Gelände, KONTRA Ks Konfetti-Schlangen verfangen sich an der Blue-Stage und zieren diese auch noch am nächsten Tag und GENETIKK hangelt sich irgendwo zwischen Radio- und Underground-Rap durch seine Setlist. BLUMENTOPF (quasi die Hip-Hop bzw. Rap-Headliner des Abends) die sich auf großer Abschiedstournee befinden und mittlerweile bei ihren letzten 10 Konzerten angekommen sind, machen auch nach „8 Alben, diverse Singles und unzählige Punchlines“ noch jede Menge Spaß. Es wird auf höchstem Niveau gefreesylt, animiert und sich selbst gefeiert. Das Konzert gleicht einem einzigen, großen Freestyle-Battle und lässt einen mit dem Gedanken an die baldige Auflösung der Band etwas traurig werden.
Ähnlich stark wie auf der „Rap“-Stage sieht es jedoch auch auf der „Rock“-Stage aus. Nach FJORT begrüßt diese die ALEX MOFA GANG, die genau wie FJORT sonst eher durch die Jugendzentren und kleine Clubs des Landes tingeln. Doch auch hier keine Berührungsängste mit der großen Bühne. Ganz im Gegenteil. Jede Sekunde wird genossen, ausgekostet was nur geht. So auch bei CALIBAN, das quasi kleinere Pendant zu den am Tag zuvor auftretenden HEAVEN SHALL BURN. Auch hier: mächtig stolze Bandmitglieder, die jede Menge Bock haben und das Highfield Festival kurzerhand (anstatt zum „Hurricane“) zum „Greenfield“ umbenennen. Ist aber auch schwierig dieser Name,…
Die nach den Äußerungen zu dem schlimmen Anschlag in Paris während einem ihrer Konzerte in die Kritik geratenen EAGLES OF DEATH METAL, lassen sich nichts anmerken und spielen ihre Show unaufgeregt herunter. ROYAL REPUBLIC zerlegen in Anzug und Krawatte alles, AIRBOURNE stehen (nicht nur der Herkunft wegen) ACDC in Nichts nach und Fat Mike und NOFX spalten das Highfield Festival in Freund und Feind. Das Fat Mike einen etwas eigenwilligen Charakter hat, der nicht bei jedem gut ankommt, ist bereits hinlänglich bekannt. Wer jenes bisher noch nicht wusste bzw noch nicht in Kontakt mit diesem kam, macht spätestens heute damit Bekanntschaft. Fat Mike zeigt dem Highfield dass ER bestimmt wo es lang geht, indem er nach jedem (ungefähr 1 bis maximal 3 Minuten langen) Song eine mindestens doppelt so lange Redepause einlegt, um sich über RAMMSTEIN lustig zu machen, zu sagen dass er (nach der Hälfte des Sets) schon nicht mehr kann/keine Lust mehr hat oder um einfach zu provozieren. Während die einen feiern, stehen die anderen kopfschüttelnd an der Seite. Assi, arrogant und abgefuckt – ausschließlich im positiven Sinne.
ANNENMAYKANTEREIT, die den Rap-Bann auf der Green Stage an diesem Tag endlich brechen, ecken da weniger an. Die sympathischen Jungs sind keine Fans der großen Worte und widmen sich lieber dem Musik machen. Und das können Sie. Und wie. Eine Stimme die es wahrscheinlich kein zweites Mal gibt. Und dennoch verschwindet rund eine Viertelstunde vor Ende des Sets langsam aber sicher das Publikum. Der Grund: RAMMSTEIN.
Gefühlt drängen sich alle der an diesem Wochenende anwesenden 35.000 Leute vor die Bühne und bekommen schon vor dem eigentlichen Konzert, als der 60 Sekunden Countdown beginnt nach unten zu zählen, Gänsehaut. 3, 2, 1,… der Vorhang fällt und 90 Minuten voller Pyro, Hits und (leider auch) Regen beginnen. Während sich das Wetter bis 00:00 Uhr noch gehalten hat, fängt es passend zu RAMMSTEIN mal mehr, mal weniger stark an zu regnen. Der grandiosen Show tut dies allerdings keinen Abbruch. „Reise, Reise“, „Feuer frei“, „Mein Herz brennt“, „Ich will“, „Engel“,… die Setlist gleicht einem Best-Of Album und pickepackevoll mit Hits. RAMMSTEIN liefern kein Konzert, sondern eine von vorne bis hinten perfekt durch inszenierte Show der Extraklasse. Selbst für „Nicht-Rammstein-Fan“ ist das beeindruckend.  Genauso beeindruckend sind jedoch die Massen, die sich nach dem Konzert in Richtung Zeltplatz bewegen bzw. eher drücken. Ein Glück dass alles ruhig bleibt.

21.08.2016 – Sonntag (DEICHKIND, WOLFMOTHER, MADSEN, BLOC PARTY,…)

Der Sonntag startet früh. Bereits um 11:30 Uhr rufen SCHMUTZKI den Mob auf dem Zeltplatz zusammen. Es ist Zeit „zu weit zu gehen“. Endlich ohne Barrieren, dafür mit Dosenbier und kostenlosen T-Shirts, feiern. Und die Masche scheint zu ziehen. Nicht nur das Zeltplatzkonzert ist gut besucht, auch beim eigentlichen Auftritt um 14:00 Uhr, diesmal mit Barriere, teurem Bier und ohne kostenlose T-Shirts, ist der Platz vor der Bühne gut gefüllt und die Stimmung bestens. Bäm. Der guten Stimmung tun auch ARKELLS keinen Abbruch, die mit ihrem Gute-Laune-Indie-Rock genau zu den durch die Wolkendecke brechenden Sonnenstrahlen passen. Die MONSTERS OF LIEDERMACHING setzen im Anschluss sogar noch einen auf die eh schon gute Stimmung drauf. Mit-Mach-Akustik-Songs - genau das richtige für den letzten Festival-Tag.  Wer bei den MONSTERS nicht mitmacht ist selbst schuld. Die Jungs muss man einfach lieb haben.
THRICE hingegen schlagen ganz andere wenn auch mindestens genauso schöne Töne an. Keine große Show, dafür ein überragender Sound und noch schönere Melodien. Musikalisch macht den Kaliforniern keine etwas vor. Post-Hardcore genau wie er gehört. Da kann der Radio-Pop von JORIS nicht mithalten. Trotzdem gibt er genau wie EMIL BULLS im Anschluss alles. Doch keiner kann auch nur im Ansatz so viel nackte Haut, Glitzer und Show geben wie BONAPARTE. Erneut (wie schon auf dem Trebur Open Air) mit 2 Schlagzeugern und einem Keyboarder, diesmal jedoch (zusätzlich zu den 2 Tänzerinnen) mit noch einem Tänzer mehr. Es wird mehrfach blank gezogen, während dem stagediven ein Handstand vollführt und sich mit Glitzer überschüttet. BONAPARTE sind live unschlagbar. Auch FÜNF STERNE DELUXE machen nach ihrem Comeback eine gute Figur, wenn auch der neue Track noch nicht so richtig zünden will. MADSEN hingegen haben das Publikum durchweg auf ihrer Seite. Nach dem 6. Mal Highfield kann man Leipzig bzw. Großpösna beinahe als 2.Wohnzimmer der Gebrüder bezeichnen.
Erst zum zweiten Mal beehren WOLFMOTHER das Highfield Festival. Exakt vor 10 Jahren (2006) stand die australische Stoner Rock Band das letzte Mal auf dem Highfield Festival auf der Bühne. In dieser Zeit hat sich jedoch einiges getan - vom kleinen Mittags-Act zum Co-Headliner des Tages. Und das vollkommen zu recht. Abgezockt und ohne große Show spielen „Die-schönsten-Haare-des-Festivals“ ihr Set herunter.
DEICHKIND dagegen spielen die RAMMSTEIN-Karte und lassen einen erneut sich als Teil einer einzigen, großen Show fühlen. Einstudierte Tanzschritte, imposante Bühnenaufbauten und ein durch die Menschenmenge rollendes Fass. DEICHKIND sind nicht mehr der anarchische Haufen, der macht was er will, sondern 1A-Showmänner, die dem Highfield Festival einen gebührenden Abschluss beschehren.

Fazit

Alles in Allem hatte das Highfield Festival 2016 sowohl seine Licht als auch Schatten Seiten. Das Line Up, die einzelnen Konzerte und die Location waren allesamt super und sorgten für gute Stimmung auf und neben dem Festivalgelände. Allerdings wurde diese positive Grundstimmung durch die Überfüllung des Zeltplatzes und des Badestrandes, den staubigen Boden, die Soundüberschneidungen in den hinteren Bereichen der Bühnen und die schlechte Klo-Situation (vor allem am Morgen) etwas getrübt.
Staub aus den Klamotten klopfen, Kopf hoch und aus den Fehlern lernen, sollte man nächstes Jahr erneut mit 35.000 Besuchern kalkulieren.

 Susi hat fotografisch einige Festivalmomente eingefangen. Diese findet ihr unter folgenden Links:

http://www.allschools.de/photoGallery/show/HIGHFIELD_FESTIVAL_21_08_2016_1472395531086
http://www.allschools.de/photoGallery/show/HIGHFIELD_FESTIVAL_20_08_2016_1472108753521
http://www.allschools.de/photoGallery/show/HIGHFIELD_FESTIVAL_19_08_2016_1472067424510