20.04.2007: Give It A Name Fesitval, Jimmy Eat World, Lagwagon, Sparta, Senses Fail - Köln – Palladium

 

Die Einführung des erfolgreichen englischen Give It A Name Festivals in das sich im konjunkturellen Aufschwung befindende Deutschland stand von Anfang an nicht unter dem besten Stern. Als großes Indoor Festival in zwei nebeneinanderliegenden Clubs angekündigt gab es schnell die ersten Stolpersteine für die Veranstalter. Zunächst beschwerte man sich vielerorts über den überlappenden Schedule, der es einem fast unmöglich macht einen grossteil der Bands zu sehen. Dann sprangen auch noch THURSDAY ab, auf die ich mich neben SPARTA eigentlich am meisten gefreut hatte. Letztendlich entschloss man sich dazu, besagte Band nicht zu ersetzen und sogar mit ONE FINE DAY und GROWN AT HOME zwei weitere zu streichen um das Festival in jeweils einer Location stattfinden zu lassen.

Das ganze Hickhack sowie die 40 Euro Eintritt an der Abendkasse scheint eine Vielzahl der Musikfreunde sichtlich demotiviert zu haben, denn nachdem ich mich tapfer durch den freitaglichen Berufsverkehr gekämpft hab und gegen 17:30 vor dem Palladium eintreffe, lungern draußen nur wenige Kids vor der Location rum. Fest der Überzeugung, dass sich die Meute schon drinnen austobt und der Hoffnung, dass ich THE SLEEPING noch nicht verpasst habe, eile ich also in Palladium. Dort werde ich gleich doppelt überrascht bzw. enttäuscht. Zum einen haben THE SLEEPING absolut pünktlich und somit kurz vor meiner Ankunft ihr Set beendet und zum anderen ist es drinnen fast noch leerer als vor dem Palladium.

Pünktlich um 17:35 Uhr steht also die jüngst bei Epitaph untergekommene Formation GALLOWS auf der großen Bühne des Palladiums um den wenigen Menschen vor der Bühne ihre vielversprechende, dreckige Mixtur aus Hardcore und Rock’n’Roll vor den Latz zu knallen. Frontmann Frank Carter nimmt die schwierige Situation bestmöglich und klettert mit seinem Mikrophonständer von der Bühne und über die Absperrung um in der Menge das strikt reglementierte 25minütige Set zum Besten zu geben. Die sympathischen Briten sollte man durchaus im Auge behalten.

Ab ging es in die Umbauphase, denn bereits 15 Minuten später waren MEWITHOUTYOU an der Reihe um vor einer Handvoll Leuten mehr als ihre Vorgänger ein visuelle Kontrastprogramm aufzustellen. Äußerst sympathisch, leicht verschroben und ohne auf jegliche Modeerscheinungen Rücksicht zu nehmen, schlurfte die Band aus Philadelphia in Schlabberhosen und Karohemden auf die Bühne. Man startete recht introvertiert, blieb auch bis zum Schluss ziemlich in die Musik versunken, brillierte aber dafür mit der gewissen Magie, die das Publikum komplett in den Bann zog. Sehr amüsant war auch das Auftreten von Drummer Richard Mazzotta, der sich hinter den Kesseln in Sitztanz übte, komische Grimassen zog oder sich einfach das T-Shirt über den Kopf zog um blind weiterzuspielen. MEWITHOUTYOU waren das erste Highlight des Abends, leider werden die meisten Leute nicht erfahren, was sie verpasst haben.

Nun kam das nächste Trio von Bands, die jeweils 5 Minuten mehr Spielzeit ihr Eigen nennen konnten. ZEBRAHEAD sind ja mittlerweile ja auch schon länger als eine Dekade dabei und hatten natürlich ihren aktuellen und durchaus hörenswerten Longplayer "Broadcast To The World" im Gepäck. Die Poppunk Band mit Rapper wurde von der langsam anwachsenden Crowd sehr gut angenommen und so probierte es Rapper Ali Tabatabaee auch mit ein wenig Animation. "Alle mal hinsetzen und wenn ich bis drei zähle, springt ihr bis zum Ende des Songs was das Zeug hält". Ganz bis zum Ende hat die Energie dann zwar nicht gereicht, aber über mangelnde Stimmung konnte sich wohl keiner beschweren.

MXPX zählen Genretechnisch auch schon zu den Veteranen und haben auch hierzulande ihre Heimatstadt Bremerton bekannt gemacht. Außer dem lichten Haar von Drummer Yuri war dies der Band jedoch keinesfalls anzusehen und sie lieferten ein solides wenn auch nicht sehr bewegungsfreudiges Set ab. Einzig und allein an der Songauswahl kann man sicherlich rummäkeln, denn an diesem Abend haben definitiv einige der großen Hits gefehlt, und davon gibt es mittlerweile eine ganze Menge. Trotzdem ein schönes Set welches auch sehr positiv vom Publikum angenommen wurde.

Gegen 20:00 Uhr waren dann auch alle im Palladium, die sich einen Besuch des Give It A Name Festivals vorgenommen hatten. Noch kam es einem fast so vor als wären mehr Leute mit den 11 Bands des Abends gekommen als das zahlendes Publikum anwesend war und wenn sich dann doch mal alle Anwesenden in den Saal des Palladiums begaben, war es nicht mal halb voll. Die nun spielenden VOODOO GLOW SKULLS lockten zwar nicht das ganze Publikum in den Showsaal, brachten ihre Fans jedoch ordentlich in Bewegung und zum Schwitzen. Das Sextett um die drei Casillas-Brüder rockten mit ihrem Skacore ordentlich die Bühne. Es ist mehr als zehn Jahre her, dass ich die SKULLS das letzte mal gesehen hab und mit "Charlie Brown" von der großartigen "Firme" wurden einige Erinnerungen wach.

SENSES FAIL war die erste Band, die die 40 Minuten Marke mit ihrem Auftritt an diesem Abend knackte. Buddy Nielsen und seine Jungs lieferten das wohl actionreichste Set des Abends ab und wurden vom Publikum gut gefeiert. Wilde Zuckungen und derbe Screams sorgten für ein wenig härteres Flair im Palladium.Dennoch war Nielsen an diesem Abend sichtlich auf Provokation gepolt und machte sich über das junge Publikum lustig. Er widmete einzelne Songs den Müttern der Anwesenden und verkündete sichtlich provozieren, dass er auf kleine Jungs stehe. Das Publikum schien seine Worte nicht wirklich zu verstehen und klatschte fleißig Beifall.

Jede Menge Beifall gab es auch für SPARTA, die an diesem Abend eigentlich auch die Headliner Rolle hätten übernehmen können. Mit viel Atmosphäre sichtlicher introvertierter Begeisterung und großteils Material ihres aktuellen Longplayers "Threes" brachten sie Gänsehaut und ein wundervolles Gefühl in die Menge. Äußerst sympathisch zollte Frontmann Jim Ward LAGWAGON und MXPX Tribut und bedankte sich dafür, dass Bands wie sie ihn dazu bewegt haben überhaupt erst mit der Musik zu beginnen. Nach einigen weiteren Songs von "Porcelain" beendete man das Set mit dem klaren Highlight und für mich einen der besten SPARTA Songs "Air". Nach dem großen Auftritt der Band machte sich der eine oder andere auch schon auf den Heimweg und die Reihen lichteten sich ein wenig.

Die Fat Wreck Melodycore Einstiegsdroge LAGWAGON machten ab kurz nach 23:00 Uhr die Bühne unsicher und ich erschrak richtig, wie alt Joey Cape auf der Bühne wirkte. Natürlich ist der Herr nicht mehr der Jüngste, aber der Rauschebart und seine Frisur unterstützen wohl diesen Eindruck. Auch das Publikum reagierte verhaltener als erwartet und obwohl der kleine Joey ein paar lustige Ansagen brachte und sich dafür entschuldigte mit Chris einen Hippie in der Band zu haben war nach den ganzen Bands des Abends irgendwie die Luft raus. Ein paar Hits von "Trashed" und "Hoss" ließen das Stimmungsbarometer noch mal kurzfristig ansteigen aber das war es dann auch schon. Definitiv interessant war auch der Fakt, dass sich Joey wie auch schon vor mehr als 10 Jahren auf seine beiden Bühnenposen beschränkte. Damals war das Ganze zwar noch deutlich dynamischer aber ich hatte definitiv einen klaren Fall von déjà vu.

JIMMY EAT WORLD eröffnen mit Hits von "Bleed American" als Headliner das finale Set des Abends um Mitternacht. Schnell füllte sich der Saal ein letztes Mal und die Gesichter vieler Wartender ziert ein erfreutes Lachen. Die Band aus Arizona verstand es die letzten Reserven aus dem Publikum zu holen und so feierte man gemeinsam Hits wie "Blister" oder "Sweetness" bevor man sogar brandneues und vielversprechendes Material vom anstehenden Longplayer aus dem Hut zaubert. JIMMY EAT WORLD spielen eine mitreißende Show, die einen gespannt auf ihr sechstes Album warten lässt. Mit "Pain" entlässt man das Publikum in die frische Kölner Frühlingsnachtluft.

Persönlich habe ich es ja ganz gerne, wenn die Location nicht so überfüllt ist, aber der Veranstalter wird sich für das kommende Jahr noch einmal ganz genau überlegen, ob es eine Fortsetzung vom Give It A Name Indoor Festival in Deutschland geben wird. Hinderlich ist sicherlich auch der Fakt, dass fast sämtliche Bands und viele mehr das kommende Wochenende beim Groezrock auflaufen werden.

Timetable:
16:15 - 16:40 Mindless Self Indulgence
16:55 - 17:20 The Sleeping
17:35 - 18:00 Gallows
18:15 - 18:40 Mewithoutyou
18:55 - 19:25 Zebrahead
19:40 - 20:10 MXPX
20:25 - 20:55 Voodoo Glow Skulls
21:10 - 21:50 Senses Fail
22:05 - 22:45 Sparta
23:05 - 23:45 Lagwagon
00:15 - 01:00 Jimmy Eat World