20.10.2009: Peter Murphy, Lettie - München - Backstage

 

Lebende Legenden spielen und keiner kommt. So in etwa könnte man den gestrigen Abend im Münchener Backstage zusammenfassen. Gespielt hat kein geringerer als Peter Murphy, seines Zeichens Frontmann der einflussreichen Goth Band Bauhaus und seit 1983 vielbeachteter Solo Künstler. Leider hatten sich nur um die 50-70 Leute in die Halle verirrt, was auch am gesalzenen Eintrittspreis von 35 Euro gelegen haben konnte.

Genug der Spekulation. Das Vorprogramm bestritt die englische Künstlerin Lettie, von der ich wegen zu später Ankunft leider nur einen Song gesehen habe. Lettie spielt sehr minimalistischen aber dennoch atmosphärisch dichten Pop mit Fokus auf Piano. Der eine Song wusste zu gefallen, ich hätte gerne mehr von der Performance gesehen.

Nach kurzer Umbaupause legte Peter Murphy mit seiner Live Band, bestehend aus Jeff Schartoff, Mark Thwaite und Nick Lucero, los. Schon nach 2-3 Songs zeigte sich, dass der Grossmeister nicht eingeschnappt war angesichts der wenigen Zuschauer. Eher das Gegenteil war der Fall, Peter und Band genossen die intime Atmosphäre, begrüßten die erste Reihe mit Handschlag und legten immer wieder zwischen den Songs einen Plausch mit dem Publikum ein um daraufhin spontan die Setlist zu ändern. Das ganze wirkte nicht aufgesetzt oder geplant sondern einfach ehrlich und ohne jeglichen Pathos. Musikalisch gab es währed des knapp 2,5 - 3 stündigen Konzertes einen Rundumschlag bestehend aus Bauhaus Songs wie „Too Much 21st Century“, zahlreichen Peter Murphy Solo Songs von vergangenen Scheiben und auch zwei Lieder der kommenden Platte und einigen Cover Songs von Künstlern, die Peter beeinflusst haben. Zu letzteren zählten beispielsweise John Lennon‘s „Instant Karma“, Marlene Dietrich, David Bowie und ein verdammt geniales Cover von Nine Inch Nails‘ „Hurt“ welches Peter in Sachen Lyrics in die dritte Person übersetzte. Nach dem NIN Cover gab es noch eine nette Unterhaltung zwischen Publikum und Peter Murphy über Trent Reznor, Peter‘s Auftritte bei den Wave Goodbye Shows und Trent‘s Heirat. Selbstverständlich fehlten auch Murphy‘s Klassiker wie „Strange Kind Of Love“ nicht in der Setlist. Angesichts dieser Songsauswahl waren natürlich auch die anwesenden Besucher, die sich als bunt gemischtes Völkchen jenseits der 30 entpuppten, aus dem Häuschen und gingen gut mit. Am Ende des Abends gab es 3 Zugabenblöcke wobei nur ein einziger davon geplant erschien.

Alles in allem war das Konzert zwar preislich über der Schmerzgrenze und auch die wenigen Besucher sind angesichts der Geschichte die hinter Peter Murphy steht eine Enttäuschung. Trotzdem kann man von einem absolut gelungenem Abend sprechen und man muss Peter Murphy und Band ein dickes Lob für einen technisch super gespielten Gig mit einer Top Setlist und einem sehr sympathischen Auftreten der Musiker aussprechen. Des Weiteren darf sich wohl auch niemand über die fürstlische Spielzeit beschweren. Von der Professionalität und der Sympathie, die diese Band ausstrahlt könnte sich so manch junge Band noch ein ganz grosses Stück abschneiden.

Alte Kommentare

von Arndt 19.11.2009 00:45

achja, du bist der kerl, der hier mal so wunderbar über NIN geschrieben hat oder?