20.10.2013: The Boxer Rebellion, Max And The Moon - Constellation Room, Santa Ana, CA

 


Komplett in tiefem rot und kräftigem blau ist das Bühnenlicht gehalten, als der Headliner am heutigen Abend die Bühne des Constellation Room entert. Passender könnte das Ambiente für die Musik von THE BOXER REBELLION kaum sein. Rot wie der Pegel der Emotionen und doch warmen Melancholie, die die Londoner in Songs wie "Take Me Back" oder dem zerbrechlichen "You Belong To Me" verpacken, blau wie die trotzende Kälte, die die Stimme von Frontmann Nathan Nicholson dem Sound einhaucht. Zuvor klangen MAX AND THE MOON wie der perfekte Support aus der Nachbarschaft: Jung, energisch und frisch aufgescheucht. Moderner Indiepop mit Lederjacke, Geltolle und viel "L.A." - dazu manchmal mehr Synthesizer als gesund. Die tanzbaren Highlights heben die Kalifornier bis zum Schluss ihres Sets auf, dann zerrt die Umbaupause an Nerven und Sitzfleisch.

THE BOXER REBELLION aber wissen zu entschädigen, auch wenn die klobigen Keyboards live viel von Charakter und Atmosphäre schlucken. "Spitting Fire" und "Diamonds" klingen roh und kühl, "Keep Moving" hingegen lässt sogar fast etwas etwas herbstliche Sonne in das Venue scheinen. Zu viele neue Songs vom aktuellen Release "Promises" finden sich nicht auf der Setliste wieder, dafür stimmt der Mix aus glasigen Balladen - vorgetragen auch mal von Nicholson im Alleingang - und kräftigeren Songs mit ohrenbetäubenden Gitarren. Ein schüchternes "Hey" ersetzt oft den an das Publikum gerichteten Dank, wer dazu jedoch in das freundliche Gesicht des amerikanschen Sängers blickt, nimmt Nicholson seine Wortkargheit keinesfalls übel.
Seine Band bleibt am heutigen Sonntagabend lieber im Hintergrund, was sich besonders beim verträumten "New York" bezahlt macht. THE BOXER REBELLION jedenfalls sind in Orange County kein unbeschriebenes Blatt. Der Constellation Romm ist beinahe ausverkauft, neben zahlreichen Pärchen sind vor allem junge weibliche Personen in den vorderen Reihen auszumachen, die den Foto- und Videofunktionen ihrer Mobiltelefone alles abverlangen. Irgendwo zwischen MORRISSEY und Chris Carrabba findet sich offenbar auch ein unscheinbares Plätzchen für Nicholson und die Songs aus dessen Feder, die live schwieriger ins rechte Licht zu rücken sind. Rot und blau helfen zwar für den Anfang, im richtigen Moment und mit einem gutem Glas Wein unterm heimischen Kopfhörer aber haben es Todd Howe, Adam Harrison, Piers Hewitt und Nathan Nicholson deutlich einfacher, sich durchzusetzen.