21.-24.09.2016: REEPERBAHN FESTIVAL - Hamburg - Reeperbahn

 

Vom 21. bis 24. September verwandelte sich die Reeperbahn bereits zum 11. Mail in ein internationales Musikfestival. In den Clubs auf und um die Hamburger Reeperbahn herum spielten eine Vielzahl aufstrebender, aber auch gestandene Acts der Musikszene. Insgesamt besuchten 38.000 Besucherinnen und Besucher das Festival.

Die Konzerte:

Wenn man sich das Line-Up und den dazugehörigen Timetable vor Beginn des Festivals anschaut, ist eine gewisse Verwirrung nicht von der Hand zu weisen. Denn das Reeperbahn Festival bietet den Besuchern eine Vielzahl von gewöhnlichen, aber auch ungewöhnlichen Locations (wie z.B. den St. Pauli Fanshop oder die St. Pauli Kirche). Ein umfassender Bericht zu den Konzerten ist für eine einzelne Person daher unmöglich. Persönlich habe ich an vier Festivaltagen 27 Konzerte besucht und fotografisch festgehalten: Mittwoch | Donnerstag | Freitag | Samstag.

Was mich in diesem Jahr - wie auch im letzten Jahr - besonders beeindruckt hat: Es kommt nur in Einzelfällen zu Verzögerungen im Programmablauf. Die Organisation rund um die Musiker und deren Auftritte scheint trotz der hohen Vielzahl an Konzerten und der nicht einfachen infrastrukturellen Lage des Festivals reibungslos zu funktionieren. Besonders beeindruckt haben mich fünf Konzerte bei der diesjährigen Ausgabe des Festivals: 

1. YAK am Donnerstag im Molotow: YAK und das Molotow? Das passte wie die Faust auf's Auge. Ein "ausverkauftes Haus" gab es obendrein. Durch die Fensterscheibe seitlich der Bühne beobachtete ich eine Schlange, die im Verlauf des Auftritts länger und länger wurde. Bereits während der ersten Songs hielt es Sänger Oliver Burslem nicht mehr auf der Bühne. Er sprang mit seiner Gitarre wild in die ersten Reihen und wanderte einmal quer durch das Molotow. Er mischte das Publikum damit ein wenig auf, welches dadurch aus seine Lethargie befreit wurde und die Mischung aus Indie-, Alternative- und Punkrock kräftig feierte. 

2. THE WHOLLS am Freitag im Headcrash: Mehr durch Zufall als durch eine bewusste Entscheidung meinerseits landete ich am frühen Freitagabend bei THE WHOLLS, die mir bis dahin völlig unbekannt waren. Umso erfreulicher war es, dass die britische Band eine wirklich gute Alternative Rock Performance auf die Bühnenbretter des Headcrashs brachte. Bassist Joe Stevenson wirbelte über die Bühne, Sänger Tordy Cocchiarella zeigte sich bestens aufgelegt und auch die weiteren Bandmitglieder hatten sichtlich Freude an ihrem Auftritt. 

3. VAN HOLZEN am Freitag im Docks: Die äußerst junge und aufstrebende Rockband aus Süddeutschland sprühte vor Spielfreude, auch wenn das Docks (eine der größten Locations des Festivals) noch nicht bis auf den letzten Platz besetzt war. Ein satter Sound, eine gut aufgelegte Band und eine klasse Lichtshow zeigten allen Anwesenden allerdings das Potential dieser Formation. Ein Vergleich, der sich live noch deutlich stärker als auf der heimischen Couch aufdrängte: Die musikalische Nähe zu HEISSKALT. Bitte mehr davon! 

4. BIFFY CLYRO ebenfalls am Freitag im Docks: Erst einen Tag vor ihrem Auftritt wurden BIFFY CLYRO offiziell angekündigt. Da darf das Fanboy-Herz dann auch schon mal ein paar kräftigere Luftsprünge machen! Alle Glücklichen, die den Weg rechtzeitig zum Docks gefunden haben, erlebten dann 1 Stunde und 20 Minuten BIFFY CLYRO in Topform. Anfangs zeigte sich das Publikum noch verhalten, doch Song für Song kam etwas mehr Bewegung in die den Laden. Simon Neil und seine Bandkollegen zelebrierten vor Schweiß tropfend ihr Set. Dieses bestand hauptsächlich aus den Alben "Ellipsis", "Opposites" und "Only Revolutions". Aber auch Klassiker wie das ruhige und emotionale "Machines" vom 2007er Album "Puzzle" durfte nicht fehlen. Nach der Zugabe "Stingin' Belle" verabschiedeten sich die Schotten schweißgebadet mit den Worten: "We are BIFFY FUCKING CLYRO".  

5. MOOSE BLOOD am Samstag im Terrace Hill: Die Pop-Punker von MOOSE BLOOD spielten als eine der letzten Bands auf dem Reeperbahn Festival. Mit dem erst kürzlich veröffentlichten Album "Blush" sind die Briten momentan auf Europa-Tour. Das Terrace Hill war nicht vollständig gefüllt. Schade eigentlich, denn MOOSE BLOOD lieferten einen super Auftritt ab und ich kann noch immer nicht so ganz nachvollziehen, warum es vor der Bühne so ruhig blieb. Vielleicht waren vier Festivaltage für den ein oder anderen dann doch anstrengender als angenommen. 

Das leibliche Wohl:

An flüssiger Nahrungsaufnahme (ob alkoholisch oder nicht) sollte es an den Festivaltagen Niemandem gemangelt haben. In den Locations gab es reichlich Getränke und auch im Open-Air-Bereich des Festivals auf dem Spielbudenplatz gab es zahlreiche Möglichkeiten den Durst zu löschen. 

Die Nahrungsaufnahme in Form von Speisen gestaltete sich - zumindest auf dem Spielbudenplatz - teilweise etwas schwieriger. Zwar gab es ein breites Angebot an Speisen (u.a. Bratwurst/Steak, Fischbrötchen, Pommes, Burger, Vincent Vegan, Wraps/Burritos), die Wartezeiten gestalteten sich teilweise jedoch etwas zu lang. Da es auf der Reeperbahn jedoch haufenweise Restaurants, Imbisse und Fast-Food-Lokale gibt, wäre es falsch zu sagen, dass es ein zu niedriges Angebot an Speisen gab.

Das Sicherheitsgefühl:

Man kommt inzwischen fast nicht mehr darum den Sicherheitsaspekt bei solchen Großveranstaltungen einzubeziehen. Insbesondere, wenn eine solche Großveranstaltung auf der Reeperbahn stattfindet, die bekannterweise nicht den besten Ruf genießt. In diesem Fall in diesem Jahr ist dieses Kapitel jedoch schnell erzählt. Zumindest aus meiner bescheidenen Perspektive, denn ich habe mich zu jeder Zeit an jedem Ort auf der und um die Reeperbahn herum sicher gefühlt. Egal ob ich auf der Großen Freiheit mit den vielen bunten Lichtern oder in den kleineren, dunkleren Seitenstraßen unterwegs war. Zudem machte das Security-Personal machte auf mich einen informierten und kompetenten Eindruck.

Das Wetter:

Im Vergleich zu vielen anderen Festivals in diesem Jahr hatte das Reeperbahn Festival ein sehr glückliches Händchen was das Wetter betrifft. Auch wenn es bei diesem Festival nicht so entscheiden ist, da ein großer Teil der Konzerte und weiteren Veranstaltungen in geschlossenen Räumen stattfindet, ist es doch sehr angenehm von Sonnenstrahlen begrüßt zu werden und ein kühles Getränk im T-Shirt statt in der Regenjacke auf dem Spielbudenplatz genießen zu können. 

Fazit:

Das Reeperbahn Festival hat auch in der 11. Ausgabe wieder viel Spaß gemacht! Gute Musik, gutes Wetter und eine gute Organisation ließen vier Festivaltage viel zu schnell vergehen. Einziger Wermutstropfen: Das Verpassen von vielen musikalischen Darbietungen durch unausweichliche Überschneidungen im Line-Up. Trotzdem ist ein Besuch beim Reeperbahn Festival immer sein Geld wert!