22.02.2012: Astronautalis, Bleubird - Münster - Gleis 22

 





Fangen wir mit dem Ende an: Die Flasche Whiskey ist fast leer, ASTRONAUTALIS (aka Charles Andrew Bothwell) und BLEUBIRD haben sich unters Publikum gemischt, tanzend und dabei „We hunt for trouble tonight“ singend. Ein Satz, der den ganzen Abend nicht treffender beschreiben könnte. Auf positive und witzige Art und Weise provozierten sie Ärger unter sich selbst (BLEUBIRD: Eigentlich sollte mein Namen größer auf den Flyern stehen als deiner, ich sollte hier Headliner sein) oder mit den Fans (ASTRONAUTALIS: Bier geht ja mal so gar nicht, nur Whiskey!).

Aber jetzt nochmal ganz von vorne: Münster, Gleis 22, ein Abend mit ASTRONAUTALIS. Zur Unterstützung hat er seinen Freund BLEUBIRD mitgebracht. 35 Shows in 37 Tagen haben die beiden hinter sich gebracht – das klingt direkt zu Beginn wie eine Entschuldigung. Das klingt als würde man nur noch zwei ausgebrannte, gelangweilte Rapper erleben, die schnell ihre Show abziehen wollen und froh sind, wenn es vorbei ist. Aber weit gefehlt. Der Abend artet in Großartigkeiten aus. Es ist ein Abend mit zwei Freunden, die da auf der Bühne stehen und völlig in dem aufgehen, was sie da tun.



Erst ist BLEUBIRD dran – ASTRONAUTALIS sitzt im Hintergrund und unterstützt ihn. Dann Rollentausch: ASTRONAUTALIS vorne am Mikro. Als Opener bringt er „The River, The Woods“ und rappt sich durch sein aktuelles Album „This Is Our Science“. Ab und zu mal ein paar ältere Songs dazwischen. Von der ersten bis zur letzten Minute ist er voll dabei. Kein Song bleibt auf der Strecke oder verendet in Lustlosigkeit. Leidenschaftsfaktor: Irgendwas über 100 Prozent. Spaßfaktor: Auch. Mindestens! Zwischengeschichten zu möglichen Entstehungsszenarien der Songs oder Sticheleien zwischen den beiden Freunden (etwa BLEUBIRDS Kompliment über ASTRONAUTALIS‘ Haare, die mindestens so schön sind wie die von Patrick Swayze in Dirty Dancing) – und man denkt nur noch: Was zur Hölle? Je leerer die Whiskeyflasche, desto unglaublicher ist das Gerede zwischen dem Gerappe. Was bei allen Anwesenden für beste Unterhaltung sorgt.



ASTRONAUTALIS bringt Songs zum Tanzen und mit Ohrwurmfaktor („Contrails“), ein ganz ohne Musik auskommendes „Measure The Globe“ („Ich will, dass ihr euch bei diesem Song genauso unwohl fühlt wie ich, deshalb lasse ich die Musik weg“) und ein unter die Haut gehendes „Lift The Curse“ („In den letzten 37 Tagen habe ich es kein mal gespielt, weil es so ruhig ist und ich mich auf der Bühne lieber ständig bewege“). Seine Stimmvielfalt in den unterschiedlichen Songs überzeugt ebenso wie spontane Freestyle-Einlagen.

Zu guter Letzt beenden ASTRONAUTALIS und BLEUBIRD gemeinsam den Abend mit „Trouble Hunters“. Die zwei sympathischsten Trouble Hunters, die es auf Bühnen je zu sehen gab. Gekonnter als mit diesem Lied kann so ein Abend nicht beendet werden. Freunde guter Musik und großartiger Shows: Auf der nächsten Tour solltet ihr ASTRONAUTALIS unbedingt live sehen.