22.03.2012: Your Demise, Trapped Under Ice, Man Overboard, Basement - Frankfurt - Nachtleben

 



Bereits als Your Demise im Vorjahr per Videobotschaft bekannt gaben, mit welchen anderen Bands sie im Frühling 2012 durch Europa touren würden, war das Aufsehen groß und die Beschwerden waren laut. Basement, Man Overboard und Trapped Under Ice – das ist natürlich eine ziemlich extravagante Mischung aus butterweichem Pop Punk und stumpfestem Hardcore. Ähnlich verhält es sich mit dem neuen Album „The Golden Age“, zu dessen Vermarktung die Tour unter anderem dienen soll. Auch hier füllen sich die Shoutboxen mit überaus negativer, gelegentlich aber auch positiver Kritik. Dass das Line-Up der Tour allerdings ein Flop ist, kann man nicht sagen: Das Nachtleben in Frankfurt am Main ist gerammelt voll.

Es dauert jedoch seine Zeit, bis die Leute in Fahrt kommen. Das bekommen BASEMENT als Opener natürlich zu spüren. Viel Platz vor der Bühne, dabei hätte man denken können, dass sich die Jungs von der Insel nach der ersten Europatour 2011 mit More Than Life und Brutality Will Prevail und dem Erscheinen des ersten Albums „I Wish I Could Stay Here“ irgendwie etabliert hätten. Schaut man sich die Bilder aus Köln an, dürfte der 2. Tourstop in Frankfurt für die Jungs eher eine Enttäuschung gewesen sein. Denn außer vier sehr jungen, sehr bunten Damen, die sich direkt vor der Bühne platziert haben und dort, obwohl sie nur zu viert sind, ziemlich viel Platz wegnehmen ist die „Publikumsbeteiligung“ sehr mau – ab und an wird sich bewegt, hier und da getwostept und sogar vereinzelt auch mal mitgesungen. BASEMENT machen das Beste draus und geben sich trotzdem sichtbar Mühe. Im Gepäck haben sie eine sehr ausgefeilte Setliste, die all die schönen Momente des eben angesprochenen Albums zur Geltung bringen. Ein langsamer und angenehmer Einstieg in das Set gelingt mit „Earl Grey“, danach allerdings legt die Pop-Punk-Band gleich einige Schippen drauf und lässt auch schnellere Passagen folgen. Etwas enttäuschend ist für mich, dass kein einziger Song von „Songs About the Weather“ gespielt wird – die EP gefiel mir damals noch einen kleinen Tick besser als das Full Length. BASEMENT reduzieren sich aber heute auf ihre neuste Veröffentlichung. Kann ich auch irgendwo verstehen – es macht als Band sicherlich mehr Spaß Lieder zu zocken, die einem nicht schon zum Hals raushängen. Höhepunkte sind sicherlich „Fading“ und „Plan to be Surprised“, mit „Crickets Throw Their Voice“ verabschiedet man sich dann nach nicht mal einer halben Stunde.

Pop punkig geht’s weiter, allerdings deutlich glattgebügelter und weniger rau, mit weniger Ecken und Kanten. Auch für MAN OVERBOARD ist dies die 2. Europa-Tour, nachdem man letzte Jahr mit Polar Bear Club den Kontinent beglückte. Erstaunlicherweise geht die Publikumsbeteiligung noch ein bisschen zurück. Hätte ich nicht für möglich gehalten. Aber hier passiert wirklich gar nichts. Nichtsdestotrotz gehen die fünf Jungs aus New Jersey noch mal mit ein bisschen mehr Enthusiasmus an die Sache heran als ihre Vorgänger. Besagte platzerfüllende Damen sind immer noch an Ort und Stelle, keinen Dezimeter weichen sie vom Bühnenrand. Da sich weder bewegt noch mitgesungen wird, entsteht der Eindruck man hätte sich vor einem Monat auf sein erstes Konzert (Enter Shikari natürlich!) begeben, eine völlig neue Welt für sich entdeckt und nun beschlossen, freche Punk-Göre zu werden. Da sind Your Demise ja wirklich fast schon der nächste Schritt. Ob das Ganze für die Bands ein Kompliment ist oder nicht, darüber lässt sich gewiss streiten. MAN OVERBOARD jedenfalls scheinen sich bewusst zu sein, dass sie damals mit „Real Talk“ ein ziemliches Brett hingelegt haben und greifen so gerne auf dieses Album zurück, so zum Beispiel mit „Septemberism“, oder „Al Sharpton“. Ich bin sicher nicht der Einzige im Raum, der sich gerade an die Zeit erinnert fühlt, als er zum ersten Mal American Pie gesehen hat. Nach einer halben Stunde allerdings wird es mir jedoch schnell wieder zu poppig. Gut, dass man da mit „Love Your Friends, Die Laughing“ nochmal einen guten Abschluss raushaut.

Preisfrage: Wie lang bleiben die vier Mädels wohl vor der Bühne stehen, wenn TRAPPED UNDER ICE mit ihrem Set anfangen? Es dauert wirklich fast einen ganzen Song. Man macht keine Faxen und verschiesst mit „Reality Unfolds“ gleich zu Anfang den vielleicht härtesten Song. Jetzt bebt der Laden gerade zu. Der freie Raum wird jetzt wie zu erwarten war durch moshen genutzt, das nicht zu knapp. Jedoch wird auch bei jedem Song stellenweise mitgesungen, die Band aus Baltimore bekommt eine großartige Resonanz und weiß nach etlichen Touren auf mehreren Kontinenten, wie man die Menge unterhält und mit ihr umgeht. Auch neue Lieder wie „Outcast“, „True Love“ oder „Born to Die“ werden sehr gut aufgenommen, was manch einer sicher bezweifelt hatte. Anstatt sich auf das neueste Output zu stützen, mischen TRAPPED UNDER ICE allerdings gut durch, so dass ältere als auch neuere Fans gut bedient werden. Das Publikum scheint eine ganz leichte Präferenz für die ganz alten Songs zu haben, bei „Half a Person“, „Stay Cold“ oder „Street Lights“ sammelt es sich deutlich vor der Bühne. Schön ist auch zu sehen, wie die Jungs aus Baltimore mit der Menge interagieren. So dürfen zwei Fans einen ganzen Songpart singen – scheinbar ist die Sache, die damals in Essen passiert ist, nun bei den meisten so gut wie gegessen. Nach einem ausgiebigem Set von etwa 35 Minuten wundert es nicht, dass eine Zugabe gefordert und auch gegeben wird. Dabei überlässt Justice Tripp dem Raum die Wahl zwischen „Evelyn“ und „Gemini“. Ersterer Song wird gespielt und gebührend gefeiert.

Wesentlich umstrittener als es Trapped Under Ice schon sind, sind es sicherlich YOUR DEMISE. Die Band driftete nach dem Besetzungswechsel am Mikrofon immer in softere Gefilde ab, den Einen freut es, der Andere ärgert sich schwarz. Fest steht, dass die Südengländer nicht die Ersten sind und auch nicht die Letzten sein werden, die ihren Sound dem Geschmack der Masse anpassen wollen und sich damit so aussehen lassen, als wollten sie das große Geld machen. Nicht umsonst wird man auch zur Werbung für dieses Event in Frankfurt als eine der heißesten, aufstrebenden Bands der Insel bezeichnet. Die Publikumsbeteiligung ist jetzt auf ihrem Höhepunkt angekommen, ein Großteil des Raumes feiert YOUR DEMISE kompromisslos ab. Und die wissen um ihren Stand mit dem neuen Album „The Golden Age“. Gerade erst erschienen, aber es scheint als hätte sich bereits jeder Zuschauer eine Meinung diesbezüglich gebildet. Und die fällt im Gesamten nicht gerade positiv aus, das wissen auch die Akteure auf der Bühne. Es werden viele „ältere“ Songs (vor allem vom Vorgänger-Album, das ja auch schon in eine ähnliche Richtung ging) gespielt, so zum Beispiel „Like a Broken Record“ und „Life of Luxury“. Aber auch Relikte aus der Zeit, als YOUR DEMISE noch „hart“ waren, werden ausgegraben („Nothing Left but Regret“). Die Band zieht ihr Ding wie zu erwarten war durch, ohne sich etwas anmerken zu lassen und präsentiert sogar „These Lights“, über den sich viele Leute im Vorfeld sogar lustig machten. Die Vergleiche mit New Found Glory stören nach eigener Aussage nicht, damit müsse sich wohl jeder abfinden. Ein weiterer neuer Song ist „Forget About Me“. Das letzte Lied des Abends ist dann „The Kids We Used to Be“. Wie auch der Co-Headliner haben Ed und seine Kumpanen die Menge total im Griff, es gibt endlos Stagedives und Sing-A-Longs. Positiv anzumerken ist auch, dass während dem ganzen Set keine stimmliche Verschlechterung bemerkbar ist. Das war ja nicht immer so.

Letztendlich verlasse ich zufrieden das Nachtleben, werde mir „The Golden Age“ aber wahrscheinlich trotzdem nicht reinziehen. Der Abend war meiner Meinung nach besonders wegen den Vorbands lohnend, natürlich wusste ich aber auch schon im Vorfeld dass ich danach so denken würde.

Alte Kommentare

von paul 30.03.2012 10:39

these: „ ... die ihren Sound dem Geschmack der Masse anpassen wollen und sich damit so aussehen lassen, als wollten sie das große Geld machen.” antwort: „... aber es scheint als hätte sich bereits jeder Zuschauer eine Meinung diesbezüglich gebildet. und die fällt im gesamten nicht gerade positiv aus.”

von HAHA, 30.03.2012 11:26

die 4 Mädchen, ich weiß ganz genau welche gemeint sind. :D Die waren schon recht eigen. Das Basement und Man Overboard nicht so gut ankamen hatte ich fast erwartet (MOB waren auch super scheiße). Erwähnentswert wäre noch die ansage vor "These Lights" gewesen und das bei diesem Song fast tote Publikum.

von nilsfromde 02.04.2012 17:50

armes deutschland... berlin schien cooler gewesen zu sein! :)

von PMAlan 10.04.2012 13:24

dass basement keinen song übers wetter gespielt haben, hat mich auch in köln schon gestört. schade fand ichs! :( war trotzdem n guter auftritt. "crickets throw their voice" war da fjeden das highlight. schön ausführlich das review btw!