22.4.2010: Bouncing Souls, Jaakko And Jay - Bremen - Magazinkeller

 

20 Jahre sind eine lange Zeit. Menschen, die Welt, Geschmäcker, das Klima oder Getränkemarken. Alles kann sich innerhalb von 20 Jahren ändern. Nicht aber die Bouncing Souls. Auch nach 2 Dekaden Bandgeschichte bleiben die 4 Jungs aus New Jersey sich und ihrer selbst treu. Dank eines ausgeklügelten Tourplans schafft es die Band sogar vor dem bösen Vulkanausbruch nach Europa und gibt sich in einem Club die Ehre, der wohl inkl. Bar und Backstagebereich zweimal in den Nightliner der Souls passen würde. Fast wie vor 20 Jahren.

Pünktlich nach der Tagesschau eröffnen die bekloppt-sympathischen Finnen Jaakko & Jay den Abend, die schon vor Frank Turner in Hannover mit Schmunzelinfektionen um sich warfen. Wieder prügeln sie ihren trinkfesten Polka-Punk mit reichlich Humor durch den Mixer, garnieren mit einer Scheibe politischem Augenzwinkern und geniessen durch einen Strohhalm aus „Positivity“ und Feierlaune. Mit ihrem ca. 30-minütigen Set kratzen sie allerdings bereits an der Schmerzgrenze, da die fehlende musikalische Abwechslung die Show mit der Zeit leicht langweilig werden lässt. Auch dem Bremer Publikum scheint es nach der halben Stunde zu reichen. Wir sind ja nicht zum Spass hier.

„I´ve met some people along the way, some of them split – some of them stay...“ Nach kurzer Begrüßung hängt Tanzass Greg Attonito - heute mit schicker weißer Krawatte -die Messlatte gleich nach ganz oben. Die Fäuste und Zeigefinger der ersten Reihen sind ihm mit „True Believers“ als Opener sicher. Keine Zäune, keine Security, kein 4m-Graben. Das Herz des Eingefleischten schlägt schneller. Mit „Gasoline“, „Private Radio“, „Johnny X“ oder „The Gold Song“ lässt weder Spannung noch Stimmung im Saal nach. Die Souls wirken durchgehend frisch und energiegeladen, viele Songs des neuen alten „Abonnement-Werkes“ „Ghosts On The Boardwalk“ schaffen es auf die Setlist (u.a. „Never Say Die“, „We All Sing Along“) – und zünden auch live in vollem Umfang. Wie soll man auch ein Set einer Band umgestalten, die fast ausschließlich Singalong-Pillen und Überhit-Spritzen aus dem Arzneikoffer verteilt? Selbst „Anchors Aweigh“ wirkt als kleine Moshpitpause wie die ersten Sonnenstrahlen im winterkalten Gesicht. Gut 75 Minuten ziehen die Souls die Asse aus dem Hut und knallen mit „Manthem“ und „Something Special“ noch die Wünsche aus den ersten Reihen aufs Parkett.
20 Jahre eine Band – und noch nie zuvor eine Show in Bremen. Auch Greg, Michael, Bryan und The Pete können in ihrem Leben also noch nachschöpfen. Und das hoffentlich noch sehr lange. Auf die nächsten 20 Jahre, Jungs! Aber kommt gerne schon vorher wieder auf ein paar solcher Clubshows rum!

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