22.06.2015: The Gaslight Anthem, The Scandals - Rostock – Mau Club

 

Rein in den Mau Club am Rostocker Hafen. Gegen 19:30 Uhr ist Meck-Pomms vielleicht bekanntester Live-Club schon gut gefüllt, trotz saftiger Abendkassen-Preise von 33 €. Wir haben halt nicht mehr 2007 und THE GASLIGHT ANTHEM spielen eben nicht mehr jede Spelunke, sondern Clubs und Hallen mit ordentlich Kapazität. Trotzdem hat der Mau Club etwas erfrischend retromäßiges an sich, denn auch wenn hier gut 600 Leute hineinpassen, ist es im Vergleich zu leicht größenwahnsinnigen Hallenbuchungen im letzten Jahr, fast schon familiär. Es scheint als hätten TGA und Crew gecheckt, dass es für alle Beteiligten cooler ist und mehr Sinn macht, in einem proppevollen Club zu spielen, als in mit Vorhängen verkleinerten charmelosen Event-Garagen (Düsseldorf, Mitsubishi Electric Halle).

Was diesen Abend zusätzlich ein Stück weit erdet, ist die Wahl der Vorband. THE SCANDALS, ebenfalls aus New Jersey, sind Freunde von THE GASLIGHT ANTHEM , spielen recht schnörkellosen Punkrock zwischen Ramones, Blacklist Royals oder Rancid und bestreiten an diesem Abend das letzte Konzert ihrer Tour, die sie teils mit Fallon und Co. und teils alleine absolvierten. „If i learned one thing about Europe, than that everybody is here for the music. It doesn’t matter where you’re from”. Die Jungs wissen wie man sich Freunde macht und knüppeln mit ordentlich Spaß in den Wangen ihr 30-minütiges Set herunter und hinterlassen auch dank der polarisierenden SingSang-Stimme von Sänger Jared Hart bleibenden Eindruck. Kurzzeitig lassen sich sogar Alex Rosamilia und zwei weitere Kumpanen (mit Masken bekleidet) auf der Bühne blicken und trällern mit.

 

 

Nach schier niemals enden wollender Umbaupause schieben sich dann endlich THE GASLIGHT ANTHEM auf die Bühne. „Handwritten“ macht den Anfang, „High Lonesome“ lässt die Fäuste recken und „Drive“ erinnert an alte Zeiten. Dann ein Mikrowechsel, der Brian Fallon zu einer ersten Stand-Up-Einlage hinreißt. Wo denn gestern alle waren, will er wissen. Sie hätten gestern einsam und allein am Hafen gesessen. Leere Straßen und geschlossene Geschäfte überall. Außerdem versichert er, dass die Sache mit dem kaputten Mikro überhaupt kein Ding sei. „Its just a Rock’N'Roll-Show. Cool down, get another beer“ fordert er auch das bisher extrem tanzwütige Publikum auf und drückt einem Zuschauer die passenden 2,70 € in die Hand. Ob man Fallons Gehabe als ätzendes Gelaber von oben herab oder einfach als Teil der Show begreift, bleibt auch an diesem Abend jedem und jeder selbst überlassen. Man liebt oder hasst es. Dann wird „Howl“ in eineinhalb Minuten runtergebrettert, „Mae“ und die Slow-Version von „Great Expectations“ sorgen für Tränen in Knopflöchern und „American Slang“ und „Film Noir“ machten Festival-Stimmung in vier Wänden. Hier und da noch Hits wie „45“ oder „59' Sound“ und dann mit „Backseats“ in Richtung Heimat oder im Falle von THE GASLIGHT ANTHEM nächster Tourstop Schweden. Die Zugabe, erfreulicherweise ohne Gang von der Bühne: „1930“ mit SCANDALS-Sänger als Gast-Shouter, Stagediver und Schütze an der Lametta-Kanone.

 

Starkes Finish einer überdurchschnittlich guten GASLIGHT-Show, die vorallem durch große Spielfreude und ihr Setting (Club und Vorband) punktete.