23.07.2013: The Menzingers, The Arteries - Braunschweig - B58

 

„More Stagedives“ steht auf den PA-Boxen links und rechts der überschaubaren Bühne im B58 zu Braunschweig. Ob die Sticker in guter Hoffnung auf den heutigen Abend angebracht wurden, weiß der adrette Herr mit den langen blonden Haaren nicht zu beantworten. Als Sänger der ARTERIES aus dem Südwesten Englands entschuldigt er pünktlich und förmlich seinen Bassisten Jamie, der wegen diverser Knochenbrüche seinen heutigen Job an Kollege Minty abtreten muss.
Etwas spärlich klingen THE ARTERIES zu viert schon, trotzdem sitzen Songs wie der Opener „Bleed Away“ oder „ Acoustic Associations“ locker und knackig in der Fassung. Die Briten spielen nervösen, melodischen Punk mit einer starren Stimme, die live mehr Durchsetzungsvermögen als auf Konserve liefert und im sympathischen Jugendzentrum bereits zu Badehosenstimmung aufruft. Der Saal ist nicht mal halbvoll, da verdampft das Bier gefühlt in den Flaschen, die später noch anständig in die Höhe gereckt werden sollen. Nämlich bereits kurz nach der Umbaupause und „Don´t Come Around“, mit dem THE ARTERIES sich verabschieden.

Wem es spätestens nach den ersten drei Songs der MENZINGERS aus Scanton, Pennsylvania nicht aus allen Poren tropft, der trägt heute Neopren. Zum eröffnenden „The Obituaries“ in extended version wird getanzt und aufgewacht – der fortgeschrittene Mob in der ersten Reihe fordert sich zwischen den Songs gern wiederholt selbst zu überheblichem (und schnell auch nervtötendem) Jubel auf, der die Frontmänner Tom und Greg anfangs noch schmunzeln lässt. „Is anyone in here having as much fun as this guy does?“
Na klar – schließlich warten mit „Casey“ und „Good Things“ weitere aktuelle und mit „So It Goes“ oder „I Was Born“ eingesessene Songs der MENZINGERS auf ihre Konsumenten. Das Quartett von der US-Ostküste klingt eingespielt und unverkrampft, das Set der Band über seine fünfzig Minuten erprobt und routiniert.

Viel hat sich getan seit „A Lesson In The Abuse Of Information Technology“, was sich bei den MENZINGERS gerade live und bei so differenziertem Sound wie heute bemerkbar macht. Wenige und keinesfalls schwammige Ansagen, keine Ausfälle - fast etwas zu glatt verläuft die Show des Vierers bis zur doppelten Zugabe, bei deren THE LAWRENCE ARMS-Coverversion sich endlich auch ganz andere Gestalten in die vorderen Reihen trauen. Lungenentzündungsrisiko im Anschluss gleich null – denn vor der Tür herrschen mit 29 Grad laut Autothermometer ähnliche Begebenheiten wie in den Räumen, die heute perfekte Rahmenbedingungen für THE MENZINGERS und THE ARTERIES lieferten.
Für Konzertsport wie „More Stagedives“ ist dann im Herbst wieder Zeit.