23.08.2013: Flogging Molly, Radio Dead Ones, The Drowning Men - Herford - X

 


THE DROWNING MEN stehen schon auf der Bühne, als ich das X in Herford betrete. Obwohl es von mir aus nur ein Katzensprung bis zu dieser Diskothek ist, bin ich zum ersten Mal hier.
Das könnte sich in Zukunft ändern, denn das X wird immer öfter für Konzerte genutzt.
Heute Abend gibt es zwei Vorgruppen. Das erklärt auch den frühen Anfang.
Aber zurück zu THE DROWNING MEN. In den letzten zwei Wochen war die Band aus Kalifornien mit CHUCK RAGAN unterwegs. Heute gastiert sie im Vorprogramm von FLOGGING MOLLY.
Die Band spielt Indie-Rock mit Folk-Einschlag. Kommt dieser bei den meisten Bands durch Auswahl der Instrumente zustande, schafft es gerade Sänger Nato Bardeen der Band den Stoß in Richtung Folk zu geben.
Sein Gesang erinnert ein wenig an den vom GOGOL BORDELLO-Frontmann Eugene Hütz. Im Gegensatz zu den Gypsy-Punks vom anderen Ende der USA sind jedoch auch die schnelleren Songs der Band, wie "Rita", eher von konventionellen Rhythmen geprägt.
THE DROWNING MEN bilden einen guten Start in den Abend eines sich langsam füllenden X.

Lauter und chaotischer ist der zweite Support: Die RADIO DEAD ONES. Wenn die Band keine Ansagen machen würden, wäre die Illusion einer Old-School-Punkband des Englands der späten 70er und frühen 80er perfekt. Zu diesem Bild, welches die Band bietet, passt auch die RAMONES-Gedächtnisfrisur von E-Gitarrist Rik.
RADIO DEAD ONES kommen jedoch aus Berlin. Mit Songs wie "Forget 'em", "Racin'" oder "2nd To None" hat die Band das Publikum jedoch gut im Griff. Auch im Vorprogramm von FLOGGING MOLLY sind sie nicht neu. Im Skaters Palace spielten sie 2012 schon als Support und konnten Dave King und co wohl so überzeugen, dass sie in Herford wieder spielen durften.

Der Saal im X ist mittlerweile gerappelt voll, als um viertel vor neun das Licht aus geht und "London Calling" von THE CLASH das Intro für ein fantastisches Irish Folk Punk-Konzert liefert.
Kurz darauf stehen dann auch FLOGGING MOLLY auf der Bühne und man fragt sich, wie sie ihre Hits in 75 Minuten unterbringen wollen. Denn offiziell muss um 22 Uhr Schluss sein für die Disco, die anschließend folgt.
FLOGGING MOLLY stört das anscheinend überhaupt nicht. Mit "Another Bag Of Bricks" und "(No More) Paddy's Lament" legt die Band mit voller Wucht los. Und man sieht gerade Dave King an, dass er Spaß hat diesen, für die Verhältnisse der Band doch recht kleinen Club in ein Meer aus Schweiß, Arm in Arm liegenden Wahl-Iren und einer wogenden Masse Menschen zu verwandeln.
Schon früh spielt die Band ihren Klassiker "Drunken Lullabies". Ab jetzt tanzt auch der letzte Besucher in der Halle des X in Herford.
Publikumshighlights sind neben diesem Song, aber auch "Requiem For A Dying Song", das heiß erwartete "Float" oder "Tobacco Island", welches genau wie "Drunken Lullabies" voll nach vorne geht.
Das sonst ja eher für seine Reserviertheit bekannte ostwestfälische Publikum ist bei FLOGGING MOLLY für zahlreiche Überraschungen gut. Es wird kräftig gepogt, einige Crowdsurfer schaffen es bis nach vorne durchgereicht zu werden und vereinzelt gibt es auch mal eine Wall of Death zu sehen. Grandios.
Auch die Band baut zwischendurch immer mal wieder Verschnaufpausen für das Publikum ein, wie "If I Ever Leave This World Behind".
Ansonsten gibt es nur wenige Ansagen. 90 Minuten sind für das Programm von FLOGGING MOLLY eine verdammt kurze Zeit.
Mit einer weiteren schnellen Nummer, "Seven Deadly Sins", verabschiedet sich die Band um Dave King dann nach 80 Minuten in die Zugabenpause.
Glück gehabt: Obwohl man hätte um Punkt 10 Uhr aufhören müssen, wird jetzt schon überzogen. Ans Aufhören ist jetzt aber noch nicht zu denken. FLOGGING MOLLY kommen noch einmal wieder.
"The Worst Day Since Yesterday" dürfte im Zusammenhang mit diesem Konzert wohl nicht ganz ernst gemeint sein, wird vom Publikum aber dennoch freudig aufgenommen. Ebenso wie die lockeren Securities im Graben, die viel Wasser in den ersten Reihen verteilen und ihren Spaß am Konzert auch sichtlich zeigen.
"Salty Dog" beendet nach 90 Minuten Folk-Punk dann das Konzert um viertel nach zehn.

Zurück bleibt ein glückliches, durchnässtes Publikum, welches ein für Herford wohl ziemlich einmaliges Konzert gesehen hat. Irish Folk Punk funktioniert halt auch in der Metal-Hochburg Ostwestfalens.

Alte Kommentare

von wenn 27.08.2013 07:12

man sonst nix hat, nennt man sich eben Metal-Hochburg Ostwestfalens. lach