23.10.2008: The Bronx, The Heartbreak Motel - Köln - Underground

 

Putting the rock back into hardcore.
THE BRONX aus Los Angeles, exklusiver Deutschland-Gig ohne viel Werbetrara im Vorfeld. Wollen die Leute die Band überhaupt sehen? Präsent war der Fünfer, der mit seinem selbstbetitelten Debüt (das mit den Vampirzähnen und den blutigen THE BRONX-Lettern) im Jahre 2003 eindrucksvoll bewies, dass hyperventilierender Hardcore und abgehangener Rock bequem Hand in Hand gehen können, nicht wirklich in letzter Zeit. Die Fanmeute indes ist treuer als erwartet – und sieht aufgrund einer authentischen und bewegungsintensiven Darbietung auch über Klangdefizite hinweg. Ist ja schließlich irgendwo Punkrock das Ganze.

Zunächst jedoch demonstriert eine adrett gekleidete Kombo aus dem Ruhrpott wie man pathetische Rockgebärden mit theatralisch-aggressiven Hardcore-Posen fusionieren lässt. THE HEARTBREAK MOTEL sind ein clever gewählter Anheizer, die Melange zweier Genres, die auf den ersten Blick nicht wirklich zueinander passen wollen, sorgt für erstes anerkennendes Fußwippen. Die Splitpartner von ZERO MENTALITY spielen gut aufeinander abgestimmt, das Unwort „tight“ trifft es in diesem Fall sehr gut. Für den mit Vorurteilen behafteten Hörer und Zuschauer ist es zudem interessant zu erfahren, dass der Pott nicht zwangsläufig gleichzusetzen ist mit Bollo.

THE BRONX sind vor allem aufgrund des Auftretens von Sänger und Kompaktmensch Matt Caughtran immer wieder ein Genuss. Wie er mit diesem Blick – halb Wahnsinn, halb Euphorie – über die Bühne tapert, dabei den Hals nach vorne und die Schultern nach hinten schnellen lässt, versunken in seiner Musik und stets bereit zum Angriff. Hardcore, das weiß der gute Matt, ist Musik ohne Berührungsängste. 'Knifeman' vom kommenden, unbetitelten (wer hätte das gedacht…) Album erweist sich speziell für Caughtrans spezifische Motorik als perfekter Eingroover: „I wanna be original. I wanna be surrounded by art. But everything is digital the formulas are falling apart.“ Digital ist eben doch nicht zwangsläufig besser. Die Songauswahl der Mannen aus der Metropole der Überheblichkeit ist wohl als exemplarisch zu bezeichnen. Über mehr älteres Material hätten sich die Anwesenden allerdings sichtlich gefreut: die Nervenzusammenbruchsnummer (deswegen die BLACK FLAG Tattoos?!) 'Heart Attack American' ist der frühe Abräumer des Sets dicht gefolgt von 'They Will Kill Us All (With No Mercy)', bei welchem Herr Caughtran beweisen kann, in welchem Musikgenre er seine Frontmannlehre absolviert hat. Mikro in die Menge oder selbst umringt von textsicheren Anhängern in selbige – ohne sich auch nur annähernd aus der Ruhe bringen zu lassen. Fröhliches Monitorboxenumdrehen und das Bad in der Menge suchen ist ebenfalls integraler Bestandteil des Actionrepertoires. Schlagzeuger Jorma Vik wiederum schließt Soundlücken unnachgiebig, sorgt im Verbund mit den Gitarren allerdings auch für das ein oder andere Ohrensausen. Während des Publikum 'Around The Horn' und 'Histories Stranglers' ohrwurmtechnisch und psychomotorisch verdaut, verabschieden sich THE BRONX auch schon wieder. Die Tatsache, dass die Zuschauer nach Ewigkeiten dauernden Zugaberufen enttäuscht werden, kann schließlich zwei plausible Gründe haben. 1. Der Rockanteil überwiegt in den Köpfen der Band und man scheißt auf sein Publikum (eher unwahrscheinlich) oder 2. Man erinnert sich der Anfangstage des Hardcore und verortet Zugaben in der ungeliebten Rubrik „Affektiertes Gehabe für Rockposer“ (eher wahrscheinlich). Ein intensiver Abend war es nichtsdestotrotz.