23. - 26.05.2014: Punk Rock Bowling - Downtown Las Vegas, NV

 

"When shit gets weird, it usually gets weird at Punk Rock Bowling..."meint "Stammkunde" Pete Curtis (A GLOBAL THREAT).
Das jaehrliche Event in Las Vegas waechst mit seinem Alter. Urspruenglich wurde das Festival als eine Art Kaffeekraenzchen fuer Musiker, Promoter, Mitarbeiter von Plattenfirmen, Bookingagenturen und weiteren Involvierten ins Leben gerufen. Nicht nur der Zuspruch am musikalischen Part des Weekenders nahm rasch zu - auch der "sportliche" Hintergrund wurde von Fans und Freunden zahlreicher und zahlreicher verschlungen.

Die sechzehnte Ausgabe findet wie immer am "Memorial Day"-Wochenende Ende Mai statt und mimt neben gut gemeinten Aussentemperaturen eine weitere Veraenderung: Waehrend das krude Festivalgelaende nur einige Meter verschoben auf einem Parkplatzgelaende nahe der Fremont Street und somit direkt im Stadtzentrum liegt, dauert die Anreise zu einer der Bowlingbahnen seine Zeit. In ganzen vier Bowlingcentern, die ueber Las Vegas verteilt in den Hotelanlagen liegen, finden ab Samstagmittag die Playoffs statt. Das ist kompliziert zu ueberblicken und zeitlich kaum unter einen Hut zu bekommen, obgleich man den Weg als als Zuschauer oder Teilnehmer auf sich nehmen moechte. Somit erfaehrt der Wettbewerbshintergrund weniger Aufmerksamkeit als noch vor einigen Jahren - wo Bowling-Contest und Punkrockfestival an ein und der selben Location untergebracht werden konnten.






Der grobe Anblick in Downtown Las Vegas, im Normalfall und an jeglichen anderen Wochenenden des Jahres von ueberschwaenglichen Touristen aus aller Welt bevoelkert, jagt bereits dem unwissendem Rentnerehepaar im Hotelfahrstuhl einen Schrecken ein: Woher kommen bloss all diese "Punker" - und was ist der Grund fuer die Ansammlung? Genauso aber freuen sich die aelteren Herrschaften ueber das laute, bunte und mitunter betrunkene Getuemmel, welches sich ab dem spaeten Nachmittag um einige Blocks aus der Touristenmeile hinaus verlagert. Wer puenktlich kommt (und dem Bowling-Geschehen weniger Aufmerksamkeit zuspricht), wird mit BLACK MARKET SYNDICATE oder den aus Los Angeles angereisten GENERATORS belohnt. Langsam und erst mit dem fruehen Abend fuellt sich das karge Gelaende direkt neben dem Freeway - mit den Brtiten der ANGELIC UPSTARTS oder PETER & THE TEST TUBE BABIES allerdings pellt sich der Kern aus den Hotelzimmern und Poker-Bars und formt das mit Abstand reifeste Publikum des Wochenendes. Das laesst sich mit den SLACKERS aus New York zu einem gigantischen lauen Tanz-Kloss formen, der erst spaeter mit dem zweiten Teil der britischen Oi!-/Streetpunk-/Hardcorewalze wieder auseinanderfindet: COCK SPARRER machen nach einem etwas zu hibbeligen Set der ANTI-NOWHERE LEAGUE den Sack dicht und heben den ersten Abend des PUNK ROCK BOWLING 2014 mit "Working", "Riot Squad" und natuerlich "Take Em All" vom Festivalgelaende in die Bars der Seitenstrassen.
Hier bilden sich lange Schlangen vor den zahlreichen (restlos ausverkauften) Clubshows, die mit ALL, H20, JUDGE oder GANG GREEN die halbe Nacht ueber Hochkaraeter in intimer Atmosphaere bieten - leider jedoch nicht fuer das zu spontan angereiste Autorenteam.






Der folgende Sonntag muss das Bowlingfinale ab dem fruehen Morgen gegen eines der raren Screenings von "Filmage: The Story of Descendents/ALL" eintauschen. Neben knapp vierhundert Gleichgesinnten darf man sich in der bruetenden Mittagshitze Nevadas anstellen, um mit viel zu viel Glueck aus der letzten Reihe und im Stehen die wunderbare Doku ueber Bill Stevenson, Karl Alvarez, Milo, Chad Price und Co. zu begutachten. Da das Personal der "Backstage Bar" wohl eher mit einem "menschenleeren bis halbvollen" Saal gerechnet hat, verschlingt der spaete Beginn des Filmes die wenige Meter weiter stattfindene Poolparty, bei der Vic Ruggiero von den SLACKERS sowie AGGROLITES-Frontmann Jesse Wagner sicher alles geben. Verschobene Plaene, die Mittagessen und vor allem ausreichende Hydration beinhalten, verbieten die Ankunft auf dem Festivalgelaende vor den letzten Toenen der Posaunenpunks von LA PLEBE, fuer die sich ebenso wie fuer die darauffolgenden MASKED INTRUDER ein voellig anderes Klientel als am Vortag eingefunden hat. "Vorsicht, dieser Cop hier weiss wie man feiert!" droht Front-Intruder Blue, bevor seine Band mit "The Most Beautiful Girl", "Crime Spree" und "Weirdo" ein Trio neuer Songs des Albums "M.I." zum Besten gibt. Leichte Kost - und somit genau das richtige fuer die noch immer anhaltende Hitze, die SNFU aus Kanada mit ihren weissen Baerten und noch weisseren Maehnen kein Stueck zu schaffen macht. Mit knackigem, dynamischen Sound und niemals abklingender Skatepunkreligion in ihren Songs wie "Cannibal Cafe" oder "Drunk On A Bike" sieht ein Teil des Quintetts zwar aus wie besoffene Weihnachtsmaenner - spielt sich dafuer jedoch umso unerbittlicher in die Top 5 der Liveacts an diesem Wochenende.




Feiern koennen ebenso die tollwuetigen ADICTS - dieser Fakt braucht spaetestens nach ihrem 2012er Stop beim PUNK ROCK BOWLING keinerlei Beweise mehr. Dennoch kommen die Briten heute ebenso wie die DWARVES insgesamt eher muede und nur mit Stammgastbonus ins Ziel, der wohl weniger dem fortgeschrittenen Abends zugeschrieben werden kann. FACE TO FACE sind bis eben noch "PUNK ROCK BOWLING virgins" gewesen, wissen sich aber mit "You've Done Nothing", "1-2-3 Drop" oder "Complicated" schnell zu etablieren. Der staemmige Calipunk passt perfekt in den Sonnenuntergang und sorgt mit Hilfe eines sympathischen Trevor Keith fuer ein erfolgreiches "cherry popping" - wie es der juengst nach Nashville gezogene Saenger nennt. Nicht bloss nach dem vormittaglichen Kneipenkino gibt es fuer viele Besucher an diesem Wochenende nur einen einzigen "wichtigen" Headliner, der momentan die ganze Welt auf der Suche nach gut situierten Festivalslots zu bereisen scheint. Milo, Bill Stevenson, Stephen Egerton und Karl Alvarez sind und waren eigentlich immer die DESCENDENTS. Neben ihnen zaehlen vielleicht noch "Pervert", "Clean Shees", "Bikeage" oder "I'm Not A Loser" - schon wird Las Vegas zu einer Art Open Air-Museum. Milo-Tattoos jeglicher Art und Groesse, Bandshirts aus sicher zwanzig Jahren DESCENDENTS-/ALL-Historie sowie eine beinahe unheimliche Textsicherheit - nur heute fuehlt sich das PUNK ROCK BOWLING wirklich ausverkauft und positiv ueberhitzt an. Der Weg zurueck ins Hotelzimmer laedt ein zum Strassenschnack mit Gesichtern aus aller Welt. Waehrend THE DWARVES-Chef Blag Dahlia mit seinen DJ-Qualitaeten auf der offiziellen Aftershowparty sogar aufgetakelte Collegedamen auf die Tanzflaeche lockt, schwaermen Mitglieder von RISE AGAINST, den BOUNCING SOULS, OFF WITH THEIR HEADS oder COCK SPARRER noch auf einen Drink aus. Letztere mimen spontan den Special Guest in der einen, waehrend die RIVERBOAT GAMBLERS fuenfzig Meter weiter eine zweite Bar zerlegen. Ein neuer Abend endet in hitzigen Diskussionen ueber nicht im Vorverkauf erworbene Eintrittskarten - verstummt aber ebenso schnell nach einem Absacker im Casino, in dem zerschlissene Nietenkutten neben gebuegelten Hawaiihemden sitzen und auf den bierbringenden Gewinn hoffen.





Schon am fruehen Montagmittag zeigt das Thermometer zweiunddreissig Grad. Ausser der Poolparty mit DJ Eric Melvin - oder jener mit den POOL BOYS - lohnen sich keinerlei Planungen, bis das eigentliche Festival sein Tore zum finalen Tag oeffnet. Mit einer Wasserrutsche durchs Haifischbecken, Kuehlboxen voller Dosenbier und der "Allstar"-Formation THE POOL BOYS (u.a. Mitglieder der RIVERBOAT GAMBLERS, ADICTS, TSOL, DWARVES und OLD MAN MARKLEY) erinnern die Poolanlagen des "Golden Nugget" sowie des "Plaza Hotel" an den Auftakt zum FEST in Gainesville: Skateboards, Bierduschen, Singalongs, Bikini- und Badehosen-Stagedives - so geht Feiertag in Vegas. Zum Glueck (...) ist - wie alles an diesem Wochenende - auch dieser Teil der Veranstaltung mit einem verlaesslichen Zeitfenster versehen - so dass getrost der Weg zu BAD COP/BAD COP aufgesucht werden kann, die vor ca. 300 schwitzenden Besuchern mit schwammigem Sound zu kaempfen haben. Diesen in Griff zu bekommen scheint auch bei CEREBRAL BALLZY nicht sofort moeglich - so erlangen die Skatepunker aus Brooklyn erst mit ihrem zweiten Song die Stimme von Frontmann Honor Titus. Dennoch wissen die New Yorker, wie man auch eine grosse Buehne zerlegt - naemlich nicht mit trockenen Ansagen und fehlenden Anstachelungen, sondern energischer Hardcoreshow und pausenloser Publikumsinteraktion. Noch einen Hauch besser beherrschen OFF! dieses Paket und fallen somit nach den handwerklich tollen aber sehr nuechternen GOOD RIDDANCE deutlich ins Gewicht. Gepaart mit den Entertainerqualitaeten von Keith Morris ergibt das nach "Hypnotized", "Void You Out" oder "I Got News For You" ein viel zu puenktliches Finale, welches die Kalifornier direkt an LEFTOVER CRACK durchschieben. "One Dead Cop", "Crack City Rockers" und vor allem CHOKING VICTIMs "Born To Die" kratzen alle Reserven aus dem Moshpit im mittlerweile knapp vierzig Grad heissen Las Vegas. Zu schade fuer die zahlreichen Ausfaelle (eingeschlafene, unzurechnungsfaehige oder sich uebergebende Besucher) - die auch das erstklassige Set von AGAINST ME! nicht erleben. Zum ersten Mal am heutigen Montag stimmen alle Details wie Songauswahl, Stimmung und druckvoller Sound, dazu spielen sich Laura Jane Grace, Atom Willard, James Bowman und Inge Johansson durch alle Hits, die in eine Dreiviertelstunde passen. Neben "Pints Of Guiness Make You Strong", "I Was A Teenage Anarchist" und "Black Me Out" passen nicht mal Danksagungen oder Ansagen, die mehr als ein knappes "Thanks" beinhalten - immerhin haelt die Frontfrau heute ein stetiges Grinsen bereit. Noch vor dem Beginn des Headliners NOFX sind auch die Veranstalter von der Wetterentwicklung ueberwaeltigt und gezwungen, die nahegelegene Tankstelle komplett um ihre Trinkwaserreserven zu erleichtern. Knappe dreihundert Plastikflaschen wechseln den Besitzer und bleiben neben den energischen Zeilen von "Sink, Florida, Sink" der letzte Eindruck vor der naechtlichen Fahrt nach Hause - die aus logistischen Gruenden noch vor dem eigentlichen Ende angetreten werden muss. Sich auf NOFX als wuerdigsten Abschluss des PUNK ROCK BOWLING 2014 zu verlassen fiel allerdings nie leichter.