23.03.2016: TURBOSTAAT, HEY RUIN - Wiesbaden - Schlachthof

 

„CDU wählen und TURBOSTAAT hören - Tut das Not?“ – HEY RUIN

An diesem Abend, zumindest letzteres, auf jeden Fall! TURBOSTAAT und HEY RUIN laden nach Wiesbaden, in den Schlachthof und erstmals nicht in die, mittlerweile dem Erdboden gleichgemachte, Räucherkammer. Nix mehr kleine Clubshow, groooß und  ist das neue Zauberwort, auch wenn Teile der Halle abgehängt und die Bühne noch vorne versetzt  wurde, um das Club-Feeling (zumindest ein wenig) in die Halle zu übertragen.

Als Vorband haben sich TURBOSTAAT die Jungs von HEY RUIN eingeladen – stark! Insgesamt sind die Vorband Slots auf der kompletten Abalonia-Tour extrem gut besetzt. FREIBURG, KRANK, KAFVKA,… und in Wiesbaden eben HEY RUIN. Da lohnt sich die Anreise schon allein der Vorband wegen. Leider scheint der Großteil der Zuschauer nicht so zu denken, denn zu dem Zeitpunkt, als HEY RUIN die Bühne betreten, ist der Schlachthof nur vereinzelt gefüllt. Egal. Über den Zuschauerraum auf die Bühne, Instrumente umgeschnallt und los geht’s. Mit ihrem Sound, der hier und da auch an TURBOSTAAT erinnert, passen HEY RUIN perfekt ins Vorprogramm der Husumer. Laut, deutsch(sprachig), nach vorne gehend. Passt.

Live fällt vor allem eines auf, was auf der Platte gar nicht so sehr ins Gewicht fällt. Die Gesangsparts werden brüderlich geteilt. Sogar gedrittelt. Wer eine Mütze auf hat darf singen und das haben in diesem Fall alle, bis auf den Mann hinter dem Schlagzeug.
HEY RUIN liefern eine wirklich gute Show ab, wenn auch nicht ganz so professionell und abgebrüht wie TURBOSTAAT. Aber wir sind ja auch auf einem Punk Konzert! Da ist das Fell der Base Drum eben nicht schön bedruckt, sondern nur mit einem, mit Tape geklebten, FCK AFD Schriftzug versehen. Da wird der Text halt mal am Mikro vorbei gebrüllt, da man beim Akkordwechsel auf die Gitarre schauen muss. Da rutscht der Mikrofonständer halt mal in Richtung Bauchnabel und es wird trotzdem, sich komplett nach vorne gelehnt, weiter gesungen. Und da bleibt halt auch mal kurz die Stimme weg, wenn voller Inbrunst ins Mikrofon gebrüllt wird. Hey, das ist Punk! Deshalb sind wir doch alle hier!

Trotzdem will der Funke nie so ganz, auf das noch relativ verhaltene Publikum, überspringen. Hier und da wird mitgewippt, der Kopf leicht nach oben und unten bewegt und am Ende des Songs mal mehr, mal weniger frenetisch applaudiert. Schade, denn die aus Trier und Köln stammende Band macht ihr Ding gut und hätte durchaus einen wärmeren Empfang verdient gehabt. Aber zumindest eins schaffen HEY RUIN - sie spielen den Laden nicht leer, sondern voll. Am Ende des rund 35 Minuten langen Sets hat sich der Schlachthof gut gefüllt und es wird langsam aber sicher kuschelig.

Und spätestens um 21:00 Uhr, passend zu TURBOSTAAT, ist es, zumindest in den ersten Reihen, auch schon schön kuschelig. Zu Beginn wird sich, wie es sich bei HEY RUIN schon angedeutet hat, noch etwas geziert, aber mit jeder vergehenden Sekunde verfliegt die Anspannung ein klein bisschen mehr und schon kurz darauf fühlt man sich zurück, an die Räucherkammer, erinnert. Zwar ist die Decke etwas höher und der Raum etwas größer, aber wenn man nur nach vorne schaut fällt einem das gar nicht auf. Es ist klein, eng und schwitzig. Wellenbrecher? Gibt es nicht und auch die Bühne wurde extra tief angesetzt. Das tut der Stimmung gut. Es wird mitgesungen, sich bewegt und vor allem, für ein Punk-Konzert, das nicht das Zertifikat „CDU- und Stadionrocktauglich“ ala DIE TOTEN HOSEN innehat, extrem oft mitgeklatscht.

TURBOSTAAT ziehen ihr Ding von vorne bis hinten (ohne jegliche Kompromisse) durch. Es gibt wenige bis gar keine Punk-Bands die ihr Set so professionell und souverän runterspielen wie TURBOSTAAT und dabei trotzdem dem Zuschauer vermitteln „Wir haben auch nach 16 Jahren noch genau so viel Spaß wie am ersten Tag“.

Die Set List ist eine Mischung aus alt und neu, laut und leise, schnell und langsam und bietet somit für jeden Fan irgendein Highlight. Sowohl den Alten, als auch den Neuen, auch wenn man festhalten muss dass die alten Songs noch immer am besten funktionieren.
Und so wird sich auch mit „Schwan“, einem der älteren Lieder, in die Nacht verabschiedet. Eine wirklich schöne Mischung, die keine Wünsche offen ließ.