24.03.2011: Megadeth, The Sorrow, Slayer - Stechert Arena - Bamberg

 

Bevor Slayer und Megadeth Mitte des Jahre im Rahmen der Big-4 Show in Gelsenkirchen zusammen mit Antharx und Metallica auf der Bühne stehen werden brachten sie die aus den USA bekannte Carnage Co-Headliner Tour nach Europa und spielten in deren Rahmen ein einziges Deutschland Konzert in Bamberg. Die Stechert-Arena war zwar nicht ausverkauft aber dennoch sehr gut mit einem Publikum quer durch alle Altersgruppen gefüllt.

Neben Slayer und Megadeth wurden vom lokalen Veranstalter noch The Sorrow als Opener gebucht. Die Jungs waren natürlich in einer undankbaren Situation weil sie trotz sehr guter Show, druckvollem Sound und viel Engagement vom Publikum völlig ignoriert wurden. Der Großteil der Sorrow Setlist bestand aus Songs des aktuellen Albums, welches auch live voll überzeugen konnte. Nach gut 30 Minuten beendeten The Sorrow ihren Auftritt unter Anstandsapplaus. Schade, die Jungs hätten mit ihrer Performance durchaus mehr Zuspruch verdient gehabt aber man muss anerkennen, dass sie das beste aus der Situation herausgeholt haben.

Ganz andere Szenen spielten sich kurz darauf vor der Bühne ab als Megadeth mit „Trust“ die Bühne betraten. Vor allem Dave Mustaine, der die ersten Songs mit einer ziemlich heissen Dean Double Neck Gitarre bestritt, erntete viel Applaus. Megadeth spielten im Verlauf der folgenden 90 Minuten eine komplette Headliner Show, mit voller Lightshow, sehr sattem Sound und so weiter. Die Setlist kann man als Best-Of plus ein paar Songs von der aktuellen und sehr guten Scheibe Endgame beschreiben. So gab es zu Beginn des Konzert erst einmal vier Songs der Alben „Cryptic Writings“ (Trust), „So Far, So Good,… So What“ (In My Darkest Hour), „Rust In Peace“ (Hangar 18) und„Youthanasia“ (A Tout Le Monde) bevor mit Head Crusher und How the Story Ends zwei Songs von „Endgame“ auf dem Programm standen. Natürlich durfte im weiteren Verlauf des Konzerts die Megadeth Standards „Symphony Of Destruction“, „Peace Sells“ oder „Sweating Bullets“ nicht fehlen.
Megadeth konnten während des Auftritts mächtig Eindruck hinterlassen. Die Band ist hervorragend eingespielt und spielte die technisch anspruchsvollen Thrash-Songs mit der Genauigkeit eines Uhrwerkes ohne dabei jedoch den Draht zum Publikum zu verlieren. Insbesondere Chris Roderick, der über Jag Panzer und Nevermore zu Megadeth kam, erweist sich als absoluter Glücksgriff von Dave Mustaine. Die beiden harmonieren auf der Bühne hervorragend miteinander und lieferten sich auf höchstem technischen Level beeindruckende Solo-Duelle.
Leider hätte man der Band ein besseres Publikum wünschen dürfen. Die Leute gingen zwar mit, waren aber dennoch verhältnismässig reserviert was Dave zu dem Spruch „we are having a tea party here“ brachte. Nix für ungut Bamberg, aber da wäre mehr drin gewesen.
Alles in allem muss man festhalten, dass Megadeth die Latte für Slayer an diesem Abend sehr hoch gelegt hatten. Interessant ist vor allem die Art und Weise wie sich die Band vom Publikum verabschiedet hat: mit keinem Wort wurde erwähnt dass jetzt noch ne Band spielt .. Dave wünschte dem Publikum eine sichere Heimreise. So viel zum Selbstverständnis, das im Hause Megadeth herrscht.

Die Frage lautet nun, was machen Slayer mit der Latte, die Megadeth so hoch gelegt hatten? Ich nehm es vorweg: sie sind unten durch gekrochen. Slayer traten dieses Mal ohne Jeff Haneman auf weil dieser sich bei einem Spinnen-Biss so verletzt hat, dass er nicht Gitarre Spielen kann. Für würdigen Ersatz sorgte Exodus Shred-Master Gary Holt, der sich die Freiheit nahm die Hanneman Soli selbst zu interpretieren. Slayer legten los mit „World Painted Blood“ und schon beim ersten Song wurde man den Eindruck los, dass heute nur Dienst nach Vorschrift angesagt ist. Die Herren Arraya, King und Lombardo wirkten völlig lustlos. Einzig Gary Holt erweckte den Eindruck, dass er irgendwie Bock auf das Konzert hatte. Natürlich sprang der Funke auch nicht aufs Publikum über, der Moshpit vor der Bühne war überschaubar und ab der 10. Reihe besonn sich das Publikum primär auf die Disziplinen Biertrinken und Zuschauen. Die Setlist war eine 08 / 15 Standard Setlist, wie man sie schon zig-mal live hören konnte. Natürlich gab es „War Ensemble“, selbstverständlich wurden „Raining Blood“, „Postmortem“, „Dead Skin Mask“, „South Of Heaven“ oder „Seasons In The Abyss“ gespielt. Und - welch Überraschung - „Angel Of Death“ war wie immer letzter Song der Setlist. Sogar die Ansagen haben sich in den letzten 15 Jahren, in denen ich auf Slayer Shows gehe, nicht verändert.
Leider muss man festhalten, dass Slayer an diesem Abend primär einen Vertrag erfüllt haben. Sie haben technsich gut gespielt und der geneigte Kunde wird sicher zufrieden nach Hause gehen aber irgendwie wird man den Eindruck nicht los, dass die Band das Feuer, das sie noch vor Jahren bei ihren Konzerten entfachen konnte einfach nicht mehr wiederfindet. Zumindest an diesem Abend hat die Band jeglichen Draht zum Publikum verloren.
„Man soll gehen wenns am schönsten ist“. Schön war das gestern und auch bei den letzten 2-3 Slayer Konzerten nicht mehr wirklich was insbesondere dann schade ist wenn ne Band wie Slayer einen solchen riesen Fundus an Songs hat mit dem man mal wirklich coole, spannenden Setlists bauen kann um die Fans auch mal ein bisschen zu fordern. An Stelle dessen besinnen sich Slayer auf „Dienstleistung am Kunden“. Schade.