24.04.2012: Off With Their Heads, Subwaste - Bei Chez Heinz, Hannover

 

Filzt man den Duden nach Schlagworten wie „unscheinbar“ oder „beinahe ausdruckslos“, mag durchaus ein Bild der Livevisage von Ryan Young neben der Erläuterung auftauchen. Trotz ansehnlicher Anzahl gespannter Besucher und vorsommerlicher Temperaturen im kleinen Kellersalon spielt Young inmitten seiner Band OFF WITH THEIR HEADS wunderbar gelassen, unspektakulär und in Zügen beinahe teilnahmslos.

Nicht, dass die Band aus Minneapolis Mühen scheut oder musikalisch neben der Spur liegt – der Druck, den Young heute zusammen mit Drummer Mikey Erg und der ebenso zurückhaltenden Saitenfraktion aufbaut, bringt Songs wie „My Episode“, „Fuck This, I´m Out“ oder das grantige „I Am You“ ohne Zimpern und Rumdrucksen ans Ziel – genau wie zuvor die Schweden von SUBWASTE ihren Streetpunksongs die Sporen geben: „Warehouse“ und „Umbrella“ werden mit tatkräftigen Chören und Role-Model-Iro von Schlagzeugerseite entsandt, dass der Weg von San Francisco nach London wie ein Katzensprung erscheint.
OFF WITH THEIR HEADS hingegen entscheiden sich gegen ausschweifende Ansagen, ins Gesicht geschriebene Emotionen oder einen zu überheblichen Eindruck von Spielspaß: Weniger ist mehr, so erklären die wunderbar rau gerotzten Vocals trotzdem pausenlos Songs von „In Desolation“ oder „From The Bottom“ so, dass es enorme Freude macht. Die Setlist der Mannen mit Dauerrotation im Line-Up lässt nur Zeit für Stimmpausen, wenn wirklich nötig und hat bloß verpuffende Fragezeichen für überhebliche bis fragwürdige Tanzgestaltungen innerhalb des Raumes im Angebot.




„Profipunkrocker“ quasi - nahe dem zehnjährigen Jubiläum, wenn man so will. Soll sich doch jemand anderes um den ganzen nebensächlichen Krams kümmern. OFF WITH THEIR HEADS sind nicht unterwegs, um zu diskutieren. Oder zu belehren. Dann hätte Hannover selber heute alle Wände eingerissen. So tun dies die vier Mid-West-Punks und ihr selbstzerstörerischer und mit allen (Regen-)Wassern gewaschener Geist der „City Of Lakes“. „I'm everything you swore you'd never be...“ Jetzt aber mal halblang, Ryan. Morgen ist gerade mal Mittwoch.