24.08.2010: Agnostic Front - Hannover - Bei Chez Heinz

 

New York Hardcore 2010: Während im prallgefüllten Heinz-Keller schon die Amps und Stimmbänder der Supportband warmlaufen, wird im Nightliner der New Yorker noch dekadent im Liegesessel Fußball geguckt. Zeiten ändern sich eben und lassen auch gestandene Legenden altern. Ha.
Im Keller selbst dagegen bewegen die 4 bulligen Herrschaften von My Burning City aus Amsterdam die „Frühaufsteher“ im Publikum mit einem kraftvollen Gemisch aus schnellem Old School Geknüppel und quäkenden Metalriffs. Das Paket alá No Turning Back vs. Pantera mag Hand und Fuß haben und sogar den ein oder anderen Besucher zu dem Versuch bewegen, sich vor der Bühne selbst den Arm auszukugeln - jedoch gibt sich das Quartett nach den ersten Songs bereits recht eintönig und überheblich und spielt sich neben der musikalischen Darbietung zusätzlich mit fraglichen T-Shirt-Sprüchen wie „I´m just here for the violence“ oder „Breaking Faces, breaking hearts“ gegen die Wand. Wem dann auch noch das Angeben der Endorsements (als Hardcore-Band?) in seiner Bandbio wichtig erscheint, darf wohl auch so was witzig finden. Ich persönlich mache auf meiner Liste ein Häkchen hinter My Burning City: Gehört, gesehen, gelangweilt.

Pompöse Intro-Töne entlassen schliesslich die 5 New Yorker Bulldoggen aus dem Buskäfig auf die Bühne. Ein schöner Moment, allein den freundlich-quirligen Roger Miret oder den bekloppten Vinnie Stigma mal wieder „in Echt“ erleben zu dürfen entpuppt sich direkt als Genuss. Obgleich graue Haare, gar keine Haare oder nicht mal Achselhaare reckt Hannover Faust und Kehle gen Bühne, „Crucified“, „Public Assistance“ oder „For My Family“ müssen schliesslich einfach mitgegröhlt und –gelebt werden. Der Mix auf der Setlist des Abends liest sich fast wie ein AF-Best-Of-Tape, so kommen auch das neuere „Warriors“ und natürlich „Gotta Go“ nicht zu kurz. Roger himself nutzt jede (noch so kurze) Pause zwischen den Songs für Danksagungen und übergibt das Mikro nicht nur einmal an Tourmanager oder Crew. Für´s Häkchen-Protokoll halte man fest: Sympathie, Energie & schlicht gute Manieren. Für´s Konsumprotokoll hingegen: Es fehlt im AF-Shop natürlich weder an Basketballshorts, -trikots oder Unterhemden - noch an Patches oder Vinyl. New York Hardcore der ersten Stunde mit Herz und Hirn. Musikalisch bügeln Agnostic Front wie erwartet in leider nur knapp 50 Minuten (bei 17,- Euro Eintritt...) alle Ecken und Kanten glatt, so sei es ihnen verziehen, sich direkt mit dem letzten Ton und dem darauffolgenden Outro wieder in den Liegesessel zu begeben. Der Keller spuckt den komplett nassgeschwitzten Besucher in die regnerische Nacht, die sich nach dem Wandel fast wie Brooklyn anfühlt. Zumindest mit „From the Eastcoast to the Westcoast...“ im Ohr.

Ca. 450 Besucher (Leider wieder keine Pics – Sommerloch bei den Photographen!)