24.10.2006: Samiam, The Draft - Bremen - Tower

 

SAMIAM noch einmal live zu erleben, doch als man zum Release eines neuen Albums auch noch Livedaten verkündete war die Vorfreude perfekt. Die großen Hallen und die paar Shows mit BILLY TALENT, KAISER CHIEFS, THE SUBWAYS und THE SOUNDS musste ich mir nicht wirklich geben aber die Clubtour mit dem HOT WATER MUSIC Nachfolger THE DRAFT schien einfach perfekt. Ich war mir nicht sicher, wie viele Leute SAMIAM mit “Whatever´s Got You Down”, einem doch sehr rauen Album, und ihrer mehrjährigen Abstinenz noch ziehen können, und als das Konzert in Bremen kurzfristig vom Schlachthof in den kleineren Tower verlegt wurde, hatte ich bereits ein ungutes Gefühl.

Pünktlich ging es also gen Hansestadt und als wir gegen 20:00 Uhr eintrafen war der Club auch schon gut gefüllt. Ein Blick in die Crowd und es war schnell ersichtlich, dass die angereisten Leute SAMIAM schon von ihren frühen Veröffentlichungen kannten. Entsprechend hatten die Leute keine Probleme 18 Euro für dieses Event zu berappen, was mir ein wenig hoch erscheint. Aber auf die Eintrittspreise hat die Band ja bekanntlich recht wenig Einfluss. Auch am Merch Stand war es ein ähnliches Bild und die Shirtpreise lagen bei 14 Euro.

Nun aber zum musikalischen Teil des Abends. Denn bereits um kurz nach 20:30 Uhr betraten THE DRAFT die Bühne. Aus der Asche von HOT WATER MUSIC entstanden, wissen die Jungs wie man eine Bühne rockt. Chris Wollard hat sich als alleiniger Frontmann etabliert und liefert mit seinen Kollegen ein unglaublich energetisches Set ab, bei dem natürlich die Songs von "In A Million Pieces" gebracht werden. Die Präsenz ist da und das gut gefüllte Haus feiert die Jungs vom ersten Song ab. Leider zeigt sich Chris ein wenig unkommunikativ und über ein „hi, we’re THE DRAFT from Gainsville“ kommt er eigentlich nicht hinaus. Dafür geht er sichtlich in seinen Songs auf und vor der Bühne geht verhaltenes Gepoge los. Endlich muss man mal nicht aufpassen, dass man einen blitzblanken neuen Trainingsschuh ins Gesicht bekommt, denn hier wird primär genossen und ein wenig rumgeschubst. Aber auch dies scheint dem merkwürdigen Security Menschen, der sich genau vor mir positioniert hat nicht zu gefallen. Beim kleinsten Schubser schnappt er sich den „Unruhestifter“ und droht ihm mit Rausschmiss. Gleich mehre Leute werden angemahnt und zur Ruhe gebracht. Wo sind wir denn hier? Es handelt sich doch immer noch um ein Punkkonzert. Vielleicht sollte man nächste Mal Sitzplätze verteilen, damit die Veranstalter zufrieden sind. Die Band kann natürlich nichts dafür und beendet ihr Set unter stürmischem Applaus. Die geforderte Zugabe bekommt man leider nicht und generell hätte ich ein wenig mehr Interaktion erwartet. Erst kürzlich wurde mit in einem Interview gesagt, wie sehr den Jungs doch das Touren fehlt, aber an diesem Abend hat man sich eigentlich nur routiniert gezeigt und sich lediglich auf das Pflichtprogramm beschränkt.

Dann wurde es auch Zeit für die Headliner des Abends und SAMIAM betraten bereits um 21:30 Uhr die Bühne. Der Security Typ hatte plötzlich kein Interesse mehr vor der Bühne rumzupöbeln und ward nicht mehr gesehen. Mit Mütze auf dem Kopf und einer schon fast leeren Weinpulle in der Hand kam Frontmann Jason Beebout zuletzt auf der Bühne an und mit dem ersten "Astray" Hit "Sunshine" legen die San Francisco Bay Area Helden los und zeigen ganz klar, dass sie das Publikum beglücken wollen. Da waren sie wieder, die unglaublichen Melodien, die einen bewegen und mitreißen. Die Crowd ist sichtlich angetan, singt mit und feiert ihre Helden. Leider wird der Gesang häufig von der Rhytmusfraktion übertönt und gerade bei den sehr melodischen Klassikern wie "Mexico" hat Jason sichtlich Probleme. Natürlich genießt man jede Sekunde der Show, die jedoch den Erwartungen jedoch nicht ganz gerecht werden kann. Wenn es jedoch um die schrofferen Töne der aktuellen Langrille geht, dann sind SAMIAM wieder oben auf. Auch plauscht man ein wenig mit dem Publikum, welches begeistert jeden Kommentar aufnimmt. Die musikalische Mischung an diesem Abend ist jedenfalls äußerst gelungen und gerade das großartige "Astray" bekommt mit "Mud Hill" oder "Dull" weitere Beachtung bei der die Hälfte des Publikums lautstark mitsingt. Auch auf "Clumsy" Matrerial wie "Capsized" wird nicht verzichtet und so kommt wohl Jedermann auf seine Kosten. Es ist schön zu sehen, dass die Zugabe nicht eingeplant war und lediglich kam, weil die Crowd sie so nachhaltig gefordert hat, also wird lautstark intern diskutiert, was man denn noch spielen könnte und nebenbei ein weiterer Schluck vom Rotwein genommen. Ein sehr schöner Abend endet bereits um 22:30 Uhr. Bei SAMIAM überwiegt die Freude den Fakt, dass der Gesang echt häufig zu leise war oder nicht gestimmt hat und man muss sich dennoch die Frage stellen, ob die Band ihren Zenith nicht schon längst überschritten hat.