24.10.2013: Mad Caddies, New Found Glory, H2O - The Observatory & Constellation Room - Santa Ana, CA

 

Warped Tour für Arme, wenn man so will... Das südkalifornische Doppelvenue wird heute von gleich vier alteingesessenen Speerspitzen heimgesucht, die teilweise sicher auch im Alleingang (und bereits vor einem Jahrzehnt) das "Sold Out"-Schildchen in den Einlassbereich gezaubert hätten. H20, mittlerweile selbst beinahe Kalifornier, räumen ab 20 Uhr besonders in den vorderen Reihen des Observatory auf. "Guilty By Association" und "Nothing To Prove" sorgen - gepaart mit dem Humor und der Energie der New Yorker - für leichtes Spiel, obwohl kaum ein aufgetakeltes Punkrock-Girlie heute ihretwegen den Weg nach Santa Ana auf sich genommen zu haben scheint. Bekannte Die-Hard-Fans mit MADBALL-Shirts, MINOR THREAT- und natürlich H20-Tattoos treffen im Moshpit auf junge Poppunkkids und Trunkenbolde - Toby Morse erklärt währenddessen die wichtigsten Tätowierregeln: Keine Tinte in die Achselhöhle - zumindest nicht am ersten Tourtag. Autsch. Das Raunen schlägt um in Chöre, sobald die ersten Töne von "5 Year Plan" erklingen. Vor und nach "Still Here" oder "What Happened?" (heute natürlich mit Matt Skiba am Mikro) gibt es reichlich Ideal-Propaganda, Danksagungen und Ansprachen an Publikum, Szene und Bandbilling. H20 liefern ab und könnten so früh am Abend kaum spritziger und ansteckender sein.




Mit buntem Bühnenbild und einem durchgestylten Jordan Pundik am Mikrofon beginnen NEW FOUND GLORY ihr Set, welches heute sehr der Playlist ihres neuen Livealbums "Kill It Live" ähnelt. "All Downhill From Here", "It´s Not Your Fault" und "Don´t Let Her Pull You Down" reihen sich wunderbar ungezwungen und dynamisch zwischen die Coverversionen von "Kiss Me" und "I Don´t Wanna Miss A Thing", zu dem es heute die wahre Entstehungsgeschichte von Gitarrist Chad Gilbert zu hören gibt. Noch immer wie "dieselben Collegekids" fühlen sich die fünf Wahlkalifornier laut Eigenaussage, und man möchte ihnen trotz fehlender Interaktion auf der Bühne fast Glauben schenken. "Hit Or Miss" sorgt für mächtig Abriss im jungen Moshpit, "Understatement" für einen endlosen Hüpf- und Mitklatschmarathon. Während den sechzig Minuten ihres Sets verschwenden NEW FOUND GLORY kaum einen Moment für überflüssige Kommentare oder Pausen sondern reihen fehlerfrei Hit an Hit. Trotzdem wirkt die Band - wenn nicht gerade persönliche Freunde im Publikum erspäht werden - oft wie ein schlicht funktionierendes Produkt.




Wie anders es auch nach Jahren innerhalb desselben Bandgespanns aussehen kann, beweisen nach knapp bemessenem Raumwechsel die MAD CADDIES aus Santa Barbara. Haben sich die Dixieland-Reggae-Punkrocker auch bedeckt gehalten in letzter Zeit, so quillen bereits die ersten Takte von "Backyard" und "Weird Beird" über vor Spielfreude und fein geschultem Handwerk. Chuck Robertson kommt aus dem Grinsen kaum noch heraus und bemerkt schnell: "It smells veeerryy nice here in Santa Ana". Daran dürften die verdächtigen Rauchschwaden in den ersten Reihen des prallvollen Venues beteiligt sein, die die CADDIES zunächst mit "State Of Mind" und "Lay Your Head Down" in vollen Zügen geniessen. "Monkeys" freut sich dann über das komplett anwesende Septett inklusive der feierfreudigen Bläserfraktion um Ed Hernandez und Keith Douglas, "Leavin" und "Contraband" kitzeln sogar Stagediving und Circlepits aus dem Donnerstagabend.
Rundherum "komplett" klingt die Band mit der punktierten Orgel, dem flüssig-slackenden Gitarrenspiel Sascha Lazors und dem exakten Trommelhandwerk von Todd Rosenberg. Beinahe vergessen schienen "Road Rash" oder " a love song for every single one of us - it´s about alcohol" ("Drinking For 11"). Während sich nebenan das ALKALINE TRIO abmüht ("Fuck them!", scherzt Lazor mit glasigem Blick) , freuen sich die MAD CADDIES über den randvollen Saal, in dem mittlerweile kein Kopf mehr bewegungslos in Richtung Bühne starrt - und belohnen mit guten Neuigkeiten: Die Aufnahmen zum neuen Album seien bereits fast fertig - als Vorgeschmack folgt direkt ein neuer Song "about the weather". Jenseits der Sechzig-Minuten-Marke reisst die aktualisierte Version von "Distress" noch immer haarscharf mit, bevor es für die sieben heimlichen Gewinner in den Feierabend geht. Randvoller Parkplatz, ein Meer aus Nightlinern, endlose Merchandisemeile. Dazu Ticketpreise zwischen 13 (MAD CADDIES) und 30 (ALKALINE TRIO, NEW FOUND GLORY, H20) Dollar. Warped Tour-Wind genug für einen einzelnen Donnerstag.