24.10.2014: Tyna, Delilahs - Hamburg - Kleiner Donner

 



Freitagabend. Wenn da in einem Club bereits um 19h Einlass ist, ist irgendetwas verkehrt. Zumindest in der Großstadt. Doch man möchte sich ja nicht unnötig verunsichern lassen und ist pünktlich an Ort und Stelle. Es geht auch wirklich recht früh zur Sache. Das wäre schonein perfekter Abend, wenn man morgen noch arbeiten müsste. So ist man zusätzlich ein wenig verwirrt.
TYNA treten heute als Support der Schweizer DELILAHS auf. Und eigentlich möchte man bereits beim ersten Song lieber wieder rausgehen, eine Runde um den Block rauchen und dann zur Hauptband wiederkommen. Es ist wirklich nicht schön. Rock´n´Rollmachogehabe neben Sängerin kommt nur bedingt gut. Musikalisch erinnern TYNA eher an einen Abklatsch zwischen JENNIFER ROSTOCK und SILBERMOND. Die Nackenhaare stellen sich auf. Ja, Gitarren müssen tief hängen, das heißt aber noch lange nicht, dass das was dabei raus kommt, auch gut oder gar cool ist. Vorhersehbare Riffs, wenig Überraschendes, pseudopathetische Texte, die sicherlich in den jüngeren Altersklassen funktionieren, aber nicht hier. Schade. Doch wenigstens haben sich TYNA den hauseigenen Fanclub mitgebracht. Eigentlich kommen TYNA ja aus Hamburg, freuen sich aber dennoch über Menschen, die aus dem gleichen hessischen Dorf kommen. Ja was denn nun? Am Ende bleibt der Ausspruch eines Zuhörers: "Doch, ja, die waren ganz putzig."
Schwer erleichtert ist man da, als die DELILAHS auf die Bühne treten und sofort mit feinstem Rotzröhrenrock loslegen, ohne dabei lächerlich zu wirken. Ehrliche Texte, ehrliche Riffs, gute Beats aus vollem Herzen mit voller Kehle. Die Gitarren hängen auch hier tief, doch braucht es kein Gepose um zu punkten. MELISSA AUF DER MAUR würde das sicherlich auch gefallen. Und die DELILAHS freuen sich, ehrlich.



Die unfassbar charismatische Sängerin hat den TYNA Fanclub schnell auch auf ihre Seite gezogen und dazu noch viele mehr. Es wird getanzt und genickt, dass es eine Freude ist. Und so können die DELILAJS auch nur schwerlich zu einem ruhigeren Stück greifen, sondern rocken ihr Set komplett durch. Bei "Wasteland" darf auch mal kurz der Computer mit ran, aber sonst ist das alles beste Handarbeit. Leider ist der Sound streckenweise sehr basslastig und es ist unfassbar laut. Dabei hätten die DELILAHS das überhaupt nicht nötig. Definitiv beweisen sie an diesem Abend, dass sie live noch mehr Pfeffer im Hintern haben als auf Platte und das freut einen doch, auch wenn man dieses Musikerlebnis so nicht beliebig oft haben kann. Aber das macht ja auch den Reiz eines Livekonzerts aus. Alles andere kann nur Dosenfutter sein.
So kann man sich doch recht befriedigt in den Hamburger Nieselregen begeben, den weiteren Abend in Angriff nehmen und das Gefühl haben, dass eine maue Vorband noch kein gutes Konzerterlebnis zu zerstören vermag.