25.05.2007 - 27.05.2007: Rock Hard Festival - Gelsenkirchen - Amphitheater - Alle Tage

 

lauschen erwartete mich bei dem mittlerweile fünften Rock Hard Festival eine gehörige Ladung Heavy-, Thrash- und Black-Metal, die einen in längst vergangene Zeiten zurückversetzte, in denen man noch zum Wacken Open Air gepilgert ist. Zwar war in diesem Jahr das Line-Up zugegebenermaßen etwas schwächer bei dem Rock Hard Festival, aber das lag weniger an den Organisationsteam, dass aus der Rock Hard Redaktion bestand, als viel mehr an der Tatsache, dass manche Künstler mittlerweile einen Gefallen an Knebelverträgen mit einem speziellen Konzertmogul gefunden haben. Dennoch konnte sich das zusammengestellte Line-Up sehen lassen, denn mit AMON AMARTH, DEATH ANGEL und HEAVEN SHALL BURN war eine große Anzahl an metallischen Highlights aufgefahren worden. Natürlich war bei mir persönlich auch die Kulisse ausschlaggebend, denn das Gelsenkirchener Amphitheater am Rhein-Herne Kanal ist seit dem allerersten Rock Hard Festival ein Garant für eine traumhafte, wie ebenso geeignete Kulisse für das bunte Treiben an jedem Pfingstwochenende.

1. Tag:

Nachdem wir uns am ersten Festivaltag mit den öffentlichen Verkehrsmitteln durch die Verbotene Stadt schlängelten, steigt bereits die Vorfreude auf das Festival, denn die Bilder und die Meinungen von Fans und Fanzine-Kollegen der letzten Jahren sprachen bereits immer von einem der besten Festivals in der Republik, dass vollkommen zu recht den Titel „Von Fans für Fans“ innehat. Natürlich hatten wir dadurch eine große Erwartungshaltung als wir schließlich Freitags gegen 15 Uhr und begleitet von schwüler Hitze vor den Toren des Amphitheaters standen. Das diese Erwartungen aber ohne Probleme erfüllt werden konnten kann sich wahrscheinlich jeder denken. Die Location erwies sich beim ersten Betrachten als wirklich schick und vor allem geeignet. Denn neben dem eigentlichen Hauptprogramm, dass auf der von einem Zelt überdachten Bühne stattfinden sollte, gab es auf dem Gelände noch allerhand Merch- und Essensstände zu entdecken, wie auch den altbekannten Metalmarkt, der nicht nur Raritätensammler zu sich lockte. Des weiteren gab es noch einen breit angelegten Biergarten, in dem wir uns erstmal die Zeit vertrieben bis zum ersten Act des Tages: BULLET.

Da das Amphitheater leider keinerlei Schatten auf die Ränge spendete, ging der Weg schnell direkt vor die Bühne, um die ersten metallischen Riffs der Open-Air Saison in den Ohren erklingen zu lassen. Im Programmheft wurden BULLET als „Schwedens Antwort auf Accept“ bezeichnet und nach den ersten Klängen der fünfköpfigen Band konnte man dem nur zustimmen. Die Band klang aber nicht nur wie 20 Jahre zu spät, sie sah auch dementsprechend aus. Vor allem der moshende Bassist mit Halbglatze sorgte bei mir für ein breites Grinsen. Rein musikalisch betrachtet boten BULLET ziemliche Standardkost, die an die genannten Accept und AC/DC erinnerte. Ein angenehmer Start für das Festival, auch wenn die Band mich schnell langweilte. Eines muss man der Band jedoch lassen: Sie haben gekonnt das repräsentiert, was man unter METAL versteht! Dem Publikum schien es zu gefallen und langsam aber sicher füllten sich die Ränge des Theaters.

Nach einer Dreiviertelstunde verließen die fünf Schweden die Bühne und machten für die nächsten Act den Platz frei, der ebenfalls aus dem fernen Skandinavien nach Gelsenkirchen gereist ist. Wahrscheinlich haben sich ein paar wenige Besucher gewundert warum CRUCIFIED BARBARA, eine All-Girl Group, nach dem letztjährigen Auftritt erneut auf dem Festival spielen durfte, aber bevor Spekulationen aufkamen, erklärte RH-Chef Götz Kühnemund den Anwesenden den Grund: Da die Band im vergangenen Jahr als Opner am Sonntag von vielen verpasst wurde, sollte die Band eine neue Chance im Jahr 2007 erhalten. Diesmal wurden die Mädels als zweites auf die Bühne geschickt und zeigten sich von Beginn an rotzig und rockend. Die Musik kann man als straighten Rock bezeichnen und dieser machte sogar kurzweilig Spaß, da er flott und solide runtergespielt wurde. Natürlich merkte man, dass die meisten Leute auf die später folgenden Headliner wie HEAVEN SHALL BURN, GRAVE DIGGER und HAMMERFALL warteten. Dennoch konnten sich CRUCIFED BARBARA an ca. 1000 anwesenden Metallern erfreuen. Die Grundsolide Musik der vier Mädels ging insgesamt in Ordnung, aber wirklich begeistern konnten sie mich nicht.

Im gewohnten Festivalrythmus ging es weiter und nach dem CRUCIFED BARBARA ihr Equipment abgebaut hatten, kamen die Metalcore-Helden aus der Schweiz, CATARACT zum Zug, um ihr Stelldichein beim Rock Hard Festival zu geben. Die Schweizer gingen direkt druckvoll nach vorne und knüppelten gnadenlos ihr Set runter, dass einige musikalische Highlights bot und manch einem den Schmalz aus den Ohren pustete. Die Jungs haben sich trotz ihres Statutes eine Metalcore-Band zu sein viele Fans bei den Old-School Metallern erspielen können, die mit ihren Matten für eine ordentliche optische Begleitung des Sets sorgten.

Nach CATARACT wurde es dann Zeit für das deutsche Aushängeschild #1 des Metalcore auf die Bühne des Amphitheaters zu gehen. Wie nicht anders zu erwarten war konnten die fünf Thüringer von HEAVEN SHALL BURN von Beginn an überzeugen und ballerten einen Hit nach dem nächsten raus. Druckvoller Sound und sympathische, wie auch hilflos gesächselte Ansagen („…und trinkt nicht ganz so viel…“) umrahmten den Auftritt. Musikalisch entbehren sich HEAVEN SHALL BURN eh jeglicher Kritik und so kann man nur von einem ruhmreichen und schönen Auftritt sprechen, der erneut beweisen konnte, dass HEAVEN SHALL BURN vor Metallern und HC-Kids gleichermaßen gut funktionieren.

Eine kurze Umbau- und Verschnaufpause später betrat eines der Urgesteine des Ruhrpott-Metals die heiligen Bretter des Rock Hard Festivals: GRAVE DIGGER! Die Band zählt zwar nicht zu jedermanns Liebling aber live sind sie immer wieder ein Erlebnis. Gekonnte Ansagen wie „Der Ruhrpott muss brennen!“ trafen auf stimmungsgewaltige Musik, die ihre Wurzeln im klassischen Heavy Metal hat und jeden Metaller binnen Sekunden fesselte und für tausende schwingende Matten sorgte. Über eine Stunde später erblickte man fast nur noch glückliche und grinsende Gesichter und gewann die Erkenntnis, dass klassischer Metal einfach niemals totzukriegen ist.

Doch bei GARVE DIGGER sollte die Reise zu den Wurzeln des Heavy Metals nicht enden, denn als nächstes standen die oft belächelten, aber immens erfolgreichen HAMMERFALL in den Startlöchern. Wie es sich für eine Band diesen Ausmaßes gehört, wurde ordentlich Equipment aufgefahren und so durfte man sich an einer prolligen Backline und Pyros erfreuen, die das Märchenmetal-Feeling bis zum Höhepunkt steigerten. Zwar waren nicht mehr so viele Menschen anwesend wie bei dem vermeintlichen Nebenact GRAVE DIGGER, aber der Stimmung tat das keinen Abbruch! Erneut durfte gemosht und mitgegröhlt werden, was der stark alkoholisierte Zustand manch eines Metallers noch hergab. Nach knapp einanderhalb pompösen, aber zugegebermaßen unterhaltsamen Stunden, verließen HAMMERFALL die Bühne und machten den Weg frei für die legendäre Abyss-Party in dem partyzelt, die noch bis in den frühen Morgen hinein für eine ausgelassene Stimmung sorgen sollte. Mit der traumhaften Kulisse im Hinterkopf und großer Vorfreude auf den zweiten Tag, ging es dann zurück mit Bus und Bahn gen Bett.

Bilder Tag 1:

15.45 - 16.30: Bullet
16.50 - 17.35: Crucified Barbara
17.55 - 18.40: Cataract
19.10 - 20.10: Heaven Shall Burn
20.40 - 21.55: Grave Digger
22.25 - 23.55: Hammerfall

2. Tag:

Nach dem wir uns von dem ersten Tag gut erholt hatten, ging es am Samstag gegen Mittag erneut nach Gelsenkirchen, um erneut feinsten Metal-Klängen zu lauschen, die uns an diesem Tag unter anderem von den polnischen Death-Metal Königen VADER, den Helden von AMON MARTH und den legendären Bay-Area Thrashern von DEATH ANGEL präsentiert werden sollten.Da es die Deutsche Bahn nicht so genau mit der Pünktlichkeit nimmt und sich dadurch unsere Anreise etwas verzögerte, verpassten wir leider den Opener des Tages METAL INQUISITOR. Zum Glück reisten wir aber noch pünktlich genug an, um der letzten halben Stunde von MAROON zu lauschen, die mit ihrem brachialen Metalcore den letzten Rest Schlafsand aus jedermanns Augen pusteten und sehr viel Lust auf ihr neues Album, dass bald via Century Media erscheinen wird, gemacht haben. Zwar hat der nächtliche Regen den campierenden Metallern ein wenig zu gesetzt, aber dennoch fanden sich bereits gegen ein Uhr Mittags die ersten moshenden Jungs und Mädels vor der Bühne ein. Kurz nach zwei verließen dann MAROON die Bühne und machten Platz für ein wenig Viking-Metal, der den Namen TURISAS trug.

Diese konnten bei mir, angesichts des ungewohnten Gebrauchs von Kunstblut, Fellen und Tarnfarbe für ein erfreutes Grinsen sorgen. Als dann die ersten Töne erschallten, bot sich einem Viking-Metal vom feinsten, der ein wenig an Finntroll erinnerte und das Publikum zum ausrasten brachte. Die ersten Reihen waren komplett eingenommen von der Musik der sechs Bandmitglieder und gaben sich dem Crowdsurfen und moshen hin. Von weiter hinten betrachtet sorgte der Sound der Band für gute Laune, trotz des eher bescheidenen Wetters. Nach gut einer Stunde war der Spul vorbei und obwohl eine Band wie TURISAS mal so gar nicht meine Baustelle ist, war ich sehr angetan von der Band und ihrem Energiegeladenen Set.
Im Anschluss an TURISAS ertönten dann etwas fröhlichere Klänge, diesmal von den finnischen KORPIKLAANI, die im Allgemeinen auch als Highlight des Humppa-Metal gelten und von dem ersten Akkord an für gute Laune und Stimmung sorgten. Es gab massig Crowdsurfer zu beobachten und das versammelte Publikum gab sich der guten Stimmung hin und legte diverse Tanzeinlagen auf das Parkett. Mittlerweile füllten sich die Ränge des Amphitheaters und die Sonne blitzte das eine oder andere Mal durch, was der allgemeinen Laune nur gut tat. Neben der finnischen Fahne, die wild geschwenkt wurde, durfte man noch vielen spontanen Luftgitarren-Einlagen Zeuge werden. Eine unterhaltsame Stunde später wurde dann das bunte Treiben beendet und die Zeichen standen gut für ROSS THE BOSS, dem ehemaligen Manowar-Gitarristen.

Genau der sollte nämlich an diesem wunderschönen Samstag für ein wenig True-Metal Feeling sorgen, da er ankündigte seine alten Manowar-Songs mit seiner Band zum Besten zu geben. Vor der Bühne postierten sich bereits früh die ersten True-Metaller, die bewaffnet mit T-Shirts, der lautesten Band der Welt sehnsüchtig auf die längst vergangenen Hits von Manowar warteten. Gegen 17:00 Uhr betrat ROSS THE BOSS plus zusammengewürfelter Band die Bühne und sorgte mit Hits, wie ‚Hail and Kill’ und ‚Kings Of Metal’ für ein wenig Poser-Gefühl unter den halbwüchsigen Metallern. Knapp eine Stunde wurde der alternde Herr abgefeiert und seine Leistung ging mehr als in Ordnung. Den im Programmheft beschriebenen „klirrenden Schwertersound“ hab ich dennoch nicht so wirklich vernommen. Vielleicht bin ich aber auch nicht true genug um so was zu hören…

Nach ROSS THE BOSS kamen endlich die Death-Metaller unter dem Publikum zu Zuge, denn das polnische Flagschiff, was rasiermesserscharfen Thrash-/Death-Sound garantiert, VADER, machte sich bereit das Amphitheater in Schutt und Asche zu legen. Bereits mit den ersten Riffs nahm das Unheil seinen Lauf und der Moshpit war durch bangende Metaller dominiert, die VADER vollkommen zu recht huldigten. Eine Stunde lang gab es voll auf die Fresse und als zum Abschluss des Sets dann das wohlbekannte ‚Raining Blood’ Cover von Slayer ertönte gab es kein Halten mehr und eine enorme Anzahl an Metallern stürmte vor die Bühne. Saufett – Anders lässt sich dieser Auftritt nicht in Worte fassen. VADER sind immer und überall gut! Punkt. Aus. Alle richtig gemacht, was man richtig machen konnte und ich freu mich jetzt schon auf den nächsten Auftritt von VADER in meiner Nähe!

Lange war es ruhig um den nächsten, groß angekündigten Act, denn ARMORED SAINT bleiben lange diversen Festivals fern. Eigentlich schade, denn der ehemalige Frontmann von Anthrax, John Bush, und seine Highschool-Kollegen haben wahre Meilensteine des Metal aufgenommen. Doch zum Glück konnten die RH-Mitarbeiter die Band überreden auf dem diesjährigen Rock Hard Festival zu spielen und so versammelten sich früh die ersten Fans vor der Bühne. Als das Set dann los ging gab es erneut kein Halten und Pommesgabeln dominierten den Luftraum vor der Bühne. Mit Hits wie „Raising Fear“ sicherten sich ARMORED SAINT die Gunst der Fans und legten ein sehr tightes Set hin das riesigen Spaß vermittelte und Lust auf mehr machte. John Bush strotze nur so vor Energie und auch der Rest Band muss sich mit der geleisteten Performance nicht verstecken. Einanderhalb Stunden später war auch der Letzte Nörgler überzeugt und ARMORED SAINT waren bis dato das absolute Highlight des Festival in meinen Augen!

Letztendlich war aber klar, dass dieses Gefühl nicht so lange anhalten würde, denn als nächstes stand niemand geringeres als Bay-Area Thrash Legende DEATH ANGEL in den Starlöchern. Trotz einsetzenden Nieselregens füllte sich das Amphitheater und bot eine herrliche Kulisse, als gegen 22:00 Uhr DEATH ANGEL die Bühne betraten und für euphorische Reaktionen im Publikum sorgten. Die band spielte ein extrem agiles und energisches Set, dass von der ersten Minute an zu überzeugen wusste. Seit nunmehr zwanzig Jahren sind DEATH ANGEL eine hohe Hausnummer in der bunten, respektive dunklen, Welt des Metal und der Auftritt lässt darauf hoffen, dass sich das nicht so schnell ändern wird. Leider setzte ab der Hälfte des Sets ein dermaßen starkes Unwetter ein, dass man es dann doch vorzog sich schnell irgendwo unterzustellen. Hier wurde auch das Manko der Location deutlich, denn es gab außer dem direkten Platz vor der Bühne kaum überdachte Stellen auf dem Gelände. Dadurch verpassten wir auch die andere Hälfte des Sets, worüber man sich wahrlich schwarz ärgern kann, denn DEATH ANGEL konnten einiges an diesem verregneten Festivalabend. Nach neunzig Minuten verließen diese die Bühne und wir dürfen alle nur staunen, wie man auch im gehobeneren Alter noch so dermaßen tight das Metal-Geschehen bestimmen kann.

Als krönender Abschluss des Samstags, folgte nun der Auftritt der Wikinger von AMON AMARTH, die sich in Sachen fiesen DAETH METAL einiges an Kredit unter den Metallern erspielt haben. Wie nicht anders zu erwarten war stürmten die Nordmänner begleitet von Blitz und Regen und unter der Hilfe von Odin die Bühne und legten ein wirklich fettes Set hin, dass zum Abschluss des Tages noch mal jeden wach pustete. Der Soundmann hatte zwischenzeitlich auch den Lautstärkeregler gefunden und so kam es, dass der Auftritt von AMON AMARTH einem Inferno gleichkam, aber nicht ganz den erhofften Abriss darstellte. Nichtsdestotrotz hat die Band erneut unter Beweis stellen können, warum sie derzeit in aller Munde sind! Gegen 1 Uhr in den frühen Morgenstunden war dann der Auftritt zu Ende und die durchnässten und frierenden (Pardon – Metaller frieren nicht!) rotteten sich zu ihren Zelten in der Hoffnung auf besseres Wetter am letzten Festivaltag und einer fulminanten Abschlusssause, die bereits am Samstag ihren Anfang nahm.

Bilder Tag 2:

12.15-13.00: METAL INQUISITOR
13.20-14.05: MAROON
14.25-15.10: Turisas
15.35-16.35: Korpiklaani
17.00-18.00: Ross The Boss
18.30-19.30: Vader
20.00-21.15: Armored Saint
21.45-23.00: Death Angel
23.30-1.00: Amon Amarth

3. Tag:

Entspannt und erholt, aber dennoch ein wenig ermüdet von den vorangegangenen zwei Tagen auf dem Rock Hard Festival, ging es ein letztes Mal nach Gelsenkirchen in das Amphitheater. Da uns das Wetter nicht sonderlich zusagte, entschlossen wir uns den Opener des Tages, SABATON, zu Beginn nicht anzusehen. Das erwies sich augenscheinlich als gute Entscheidung, denn das Publikum schien ebenfalls am verregneten Sonntagmorgen lieber länger im Zelt auszuharren. Dies änderte sich jedoch recht schnell, als sich die schwedische Glam-Rock Combo HARDCORE SUPERSTAR auf der Bühne des Geländes ankündigte.

Die Truppe zeigte von Beginn an ein starkes und sehr abwechselungsreiches Set, dass einem das Feeling der 80er im modernen Gewand näher brachte und sogar zwischenzeitlich das schlechte Wetter vergessen machte. Die Band präsentierte sich recht agil und konnte bei dem verschlafenen Publikum einiges an Kredit erspielen, was man allein an der Tatsache erkannte, dass ihr poser-mäßiger Hardrock sehr gut ankam. Ich sah es als sehr angenehme Abwechselung zum restlichen Programm des Festivals an das vor allem am Samstag durch Bands der härteren Gangart repräsentiert wurde. So geschah es auch recht unerwartet, dass die Jungs von HARDCORE SUPERSTAR wieder von der Bühne mussten und einem die gespielte Dreiviertelstunde wie im Flug vorbeirauschte. Insgesamt ein schöner Auftritt, der positive Erinnerungen zurücklässt.

Als nächstes machten sich die Nordlichter von DEW SCENTED bereit, die als kurzfristiger Ersatz für NAGLAFAR eingesprungen sind. Die Band ist sicherlich kein unbekanntes Gesicht im Metalzirkus und supportet demnächst Machine Head auf ihrer anstehenden Mini-Tour durch die deutschen Clubs. DEW SCENTED zeigten wie bereits zu erwarten war ein grundsolides Set, dass mir persönlich ein wenig zu unabwechselungsreich und monoton klang. Nichtsdestotrotz gestaltete sich der morgendliche Schlag in die Fresse durch die band als bessere Alternative zum allmorgendlichen Kaffee. Rückblickend betrachtet bot die Band einen passablen Auftritt, der sicherlich noch Luft nach oben innehatte. Mal sehen wie sich die Jungs nach ihrer Tour mit Machine Head entwickeln werden. Die zwischenzeitlich aufblitzende Sonne sorgte gegen Ende des Sets noch mal für gute Stimmung und ließ einen den folgenden Auftritt mit gemischten Gefühlen entgegenblicken.

Warum? Ganz einfach, eine Black-Metal Band funktioniert bei Tag und vor allem bei Sonne gar nicht. Die düstere Stimmung und das beständige Gefühl des Unwohlseins, stehen einfach zu sehr im Kontrast zu Sommer, Sonne und vor allem tageslicht. Das bewies auch der Auftritt von DARK FUNERAL, die wie Pandas aussahen und sich eigentlich selbst parodierten. Die Musik der fünf Jungs ging meiner Meinung nach komplett unter und so gut DARK FUNERAL auch in ihrem Genre sind, am heutigen Sonntagnachmittag konnte die Band einfach nichts reißen. Eine Stunde später reift die Erkenntnis, dass man Black-Metal nun mal nicht am Nachmittag platziert sollte. Der Auftritt von IMMORTAL vor vier Jahren auf dem Wacken Open Air hat das schon einmal bewiesen. Null Wirkung und einfach nur lächerlich!

Nach dem eher lächerlichen Auftritt von DARK FUNERAL wurde es wieder Zeit für ein wenig Spaß-Metal, denn die Schluckspechte von TANKARD durften natürlich bei dem fünfjährigen Jubiläum des Rock Hard Festivals nicht fehlen! Immer dann, wenn man denkt es kann nicht peinlicher und niveauloser werden, belehren einen TANKARD mit ihrem übergewichtigen Frontmann eines Besseren. Mit derben Sprüchen und durchschnittlicher Musik durfte ordentlich gefeiert werden. Dass ab und an die wahre Plautze des Todes durchschimmerte, empfand niemand als schlimm, sondern eher als kleines Show-Highlight inmitten von Hits rund um Sex, Drugs and Rock’n’Roll. Zwar wurde der Aufforderung nach Freibier nicht ganz nachgekommen, dennoch hatten die Fans ihren Spaß und entschlossen sich nicht für Krawalle nach dem Auftritt. Eine Stunde dauerte das bunte Treiben an und jede Minute wurde dankbar entgegenkommen. Vielleicht sind TANKARD nicht gerade die filigransten und besten Musiker der Welt, aber sie sind definitiv allesamt verdammt lustige Leute, die wissen wie man eine Party zu feiern hat.

Zu meinem persönlichen Abschluss des diesjährigen Rock Hard Festivals avancierte dann gegen 18:30 Uhr der ehemalige Iron Maiden-Frontmann PAUL DI ANNO, der mit tatkräftiger Unterstützung der deutschen Band Revision für ein wenig Maiden-Feeling im Amphitheater sorgte. Sicherlich gibt es einige die Bruce Dickinson für den Maiden-Frontmann schlechthin handeln, aber Fakt ist das der eigentliche Kultstatus der Helden des NWOBHM eng mit den ersten zwei Alben verbunden ist, auf denen eben jener PAUL DI ANNO für die scheinbar perfekte Symbiose aus Heavy Metal und Punk steht. PAUL DI ANNO ließ seinen guten Willen an diesem frühen Sonntagabend walten und präsentierte den anwesenden Massen ausschließlich und exklusiv die besten Lieder der ersten beiden Iron Maiden Alben. Das Set beinhaltete fast nur Hits, wie ‚Wrathchild’, ‚Killers’ und ‚Running Free’. Die gesamte Band zeigte sich sehr sympathisch und sorgte für eine unvergleichliche Stimmung in Gelsenkirchen, die sich in euphorischen Publikumsreaktionen wiederspiegelte. Das Ramons-Cover von ‚Blitzkrieg Bop’ sorgte gegen Ende des Sets noch mal für Partylaune unter den Anwesenden und es verwunderte nicht als PAUL DI ANNO nach eine knappen Stunde noch mal zur Zugabe hinausgebeten wurde. Astreiner Auftritt einer Legende, die sich verdammt gut gehalten hat und sich nicht wie ein Schatten vergangener Tage präsentierte.

Mit diesem großen Highlight des Festival-Sonntags endete mein erstes Rock Hard Festival und letztendlich kann ich mich nur den vielen Meinungen der vergangenen Jahre anschließen: Geniale Location, nette Securities, super Stimmung, saubere Organisation und einfach nur erstklassige Fans werden auch im nächsten Jahr einen Besuch von meiner Seite aus auf dem Rock Hard Festival garantieren. Vielleicht ist dann Petrus dem Metal-Publikum auch ein wenig zugeneigter und lässt einen nicht so oft im Regen stehen, aber dass kann nun wahrlich niemand vorausahnen...

Bilder Tag 3:

12.15-13.00: SABATON
13.20-14.05: Hardcore Superstar
14.25-15.10: Dew Scented
15.35-16.35: Dark Funeral
17.00-18.00: Tankard
18.30-19.30: Paul Di Anno
20.00-21.15: Spocks Beard
21.45-23.00: Axel Rudi Pell
23.30-1.00: Thin Lizzy

Dario & Nina