25.05.2014: Merauder, War Charge, Diversion, Strike Back - Karlsruhe - Alte Hackerei

 



Return of the Master Killer! Nach einer gecancelten Europa-Tour im letzten Jahr sind MERAUDER aus New York, die in den 90ern wesentlich zur Formung des Genres Metalcore beitrugen, 2014 endlich zurück.

Zu diesem Anlass laden die lokalen Veranstalter aus Karlsruhe, die ihres Zeichens auch für das durchaus etablierte New Noise Festival verantwortlich sind, außerdem drei Support-Bands ein. STRIKE BACK läuten also den gemütlichen Sonntagnachmittag ein. Der Laden ist angesichts der Uhrzeit schon gut und angemessen gefüllt, im Laufe des Konzertes sollten es nicht wesentlich mehr Besucher werden. Zwar merkt man schon ein wenig, dass die oldschoolige Hardcore-Mucke der fünf Jungs noch etwas in den Kinderschuhen steckt, dennoch kann man für die fünfte Show nicht großartig meckern. Die Leute im Alten Schlachthof ein wenig anzuheizen, das gelingt STRIKE BACK nämlich. Erste 2-Steps und Side-to-Side-Tanzeinlagen lassen vermuten, dass Karlsruhe heute Bock hat. Da ist es auch nicht weiter schlimm, wenn der Drummer beim letzten Song mal für einige Sekunden raus kommt. Allseits werden kleine Schönheitsfehler wie dieser mit einem Lächeln weggesteckt, die Stimmung ist gut. Die ersten ordentlichen Aufnahmen von STRIKE BACK werden den Ansagen zufolge später im Jahr dann im EP-Format erscheinen. Die Karlsruher Jungs passen angesichts ihrer leichten Metal-Einflüsse (hier und da einige eingestreute Soli) sehr gut ins heutige Line-Up, kann man also dann ruhig mal auschecken wenn die EP soweit ist!

Gleich im Anschluss sind die ebenfalls lokalen DIVERSION an der Reihe, die sich Bandmitglieder mit STRIKE BACK teilen, allerdings schon einige Shows mehr auf dem Kerbholz haben. Das lässt sich zumindest daraus schließen, dass die Kapelle schon fast drei Jahre existiert. Und auch der Sound klingt um einiges dichter, die Lieder sind um einiges tighter vorgetragen als noch bei der Opener-Band. DIVERSION legen eine gewaltige Schippe Härte drauf und lassen dem Moshpit somit keine Verschnaufpause. Die Musik des Fünfers lässt sich sehr gut unter Zuhilfenahme ihrer eigens angegeben Einflussquellen bei Facebook beschreiben: Irgendwo zwischen NYHC-mäßigen Klängen à la Terror oder Death Before Dishonor (jap, ich weiß die sind beide nicht aus New York) und stumpferen Kollegen wie Final Prayer oder Folsom. Trotz der kompromisslosen Wut ihrer Musik machen DIVERSION, insbesondere Fronter Patrick während des ganzen Auftrittes durchweg einen sympathischen und authentischen Eindruck. Wie auch ihren Freunden von STRIKE BACK merkt man der Band an, dass es eine Ehre für sie ist, heute mit MERAUDER die Bühne zu teilen. Auch DIVERSION erweisen sich also keinesfalls als Fehlgriff und fügen sich gut in den Nachmittag.

Mit WAR CHARGE aus Schottland wird es dann allerdings international. Die junge Band, gerade erst auf Europatour mit Forsaken und Grim gewesen, ist dieses Wochenende für das Return to Strength Festival und den heutigen Merauder-Gig wieder auf europäischem Festland zu Gast. Das ständige Konzertespielen merkt man der Band sofort an, gerade die „neuen“ Songs der „New World Justice“ EP, die alle ihren Weg in die Setlist finden, schlagen live ein wie eine Bombe und werden lupenrein vorgetragen. Dass die Reaktion der Crowd dabei dennoch etwas spärlich ausfällt beirrt Sänger Robbie King und seine drei Bandmates nicht im Geringsten. WAR CHARGE machen das Beste draus und bekunden durch mehrere Ansagen, dass sie verdammt Bock auf Merauder haben. Der Sonntagnachmittag hat sich für die Schotten also so oder so gelohnt. Einige Konzertbesucher sind jedoch durchweg im Moshpit zugange, einen besonderen Gruß schicken WAR CHARGE dabei auch an die drei Jungs in den Forsaken-Shirts raus. Sing-a-long-mäßig ist da jedoch wesentlich mehr drin. Es bleibt zu hoffen, dass die Schotten durch die baldige Veröffentlichung ihrer Split-EP (Partner noch unbekannt) weiter an Popularität in Deutschland gewinnen. Zurück sind WAR CHARGE auf jeden Fall schon diesen Spätsommer mit Bent Life aus Amerika.

150 Besucher hätten in den recht engen Laden reingepasst, dennoch muss nicht mal ansatzweise gequetscht werden, als MERAUDER dann schließlich die Bühne betreten. Frontmann Jorge Rosado ist ein wahrer Entertainer und weiß nicht nur während den Songs die Leute bei der Stange zu halten. Kaum eine Pause zwischen den Liedern lässt er ungenutzt, um ein Paar lockere Witzchen vom Stapel zu lassen. Auch lobt er die Vorbands, insbesondere War Charge und erwähnt sogar die Vorband eines anderen Tages (In Other Climes aus Frankreich). Gemessen an meinen Erwartung ist bei MERAUDER dann ziemlich wenig los, aber die etwas älteren Herren machen trotzdem den Anschein, als hätten sie einen Heidenspaß daran. Hat durchaus was inspirierendes, wenn man daran denkt wie manch andere Bands mit „Legendenstatus“ sich hierzulande abfeiern lassen. Zwei Hand voll älterer Konzertbesucher, zwei Hand voll Youngster und die 4 Jungs von War Charge schreien Songs wie „Life Is Pain“ oder „Downfall of Christ“ mit. Der Schwerpunkt liegt klar auf dem fast schon 20 Jahre alten Album „Master Killer“, welches MERAUDER seinerzeit definitiv zu dem Status verhalfen, den sie auch heute noch innerhalb der Hardcore- und Metalszene haben. Zurecht – es handelt sich schließlich um Riffs und Ideen, die den Begriff Metalcore in den Neunzigern mit definierten und die Grundlage dafür bildeten, dass dieses Genre heute mehr en vogue denn je ist und Tausender-Hallen ausverkauft. Ich bin schon ein wenig verblüfft, als dann nach etwas mehr als einer halben Stunde das Set mit dem Titeltrack des Albums (und auch dem Höhepunkt der Live-Show) schon vorbei zu sein scheint. Zwar gibt es dann nach einigen Minuten doch noch eine Zugabe, einige Konzertbesucher haben die Alte Hackerei jedoch schon in dem Glauben verlassen, dass das Konzert zu Ende sei. Daher nimmt diese Matinee-Show ein sehr ruhiges Ende.

Alte Kommentare

von sad but true 28.05.2014 18:18

Ne halbe Stunde als Headliner, fast nur Songs vom Debüt und von der nur noch der Sänger übrig ist, der übrigens keinen einzigen Song mitgeschrieben hat. Wird Zeit, die Band auflösen, ist nur noch traurig, was Jorge da abliefert.

von @sad but True 28.05.2014 18:51

...hast recht.Obwoh die "God is I" Platte n ordentliches Brett war sollte Jorge der geschichte n anderen Namen geben.Ohne Vinnie Vitale,Athony Muccini und den leider schon verstorbenen Javier SOB Carpio,die für den Sound verantwortlich waren hat die Nummer irgendwie was von ner Coverband.

von @@sadbuttrue 31.05.2014 08:57

Word, zummal er ja auch nach der "GodisI" das komplette Line-Up gewechselt hat. Gerüchteweise plant er tatäschlich die "Masterkiller" mit anderen Musikern und jeweils wechselnden Sängern neu einzuspielen,wäre wirklich schwach soetwas.