25.10.2011: Thees Uhlmann - Köln - Live Music Hall

 



Thees Uhlmann betrügt Tomte mit sich selbst und wächst dabei über sich hinaus. Wie das Ganze klingt, kann man schon seit einiger Zeit auf seinem selbstbetitelten Soloalbum hören. Oder eben in der Kölner Live Music Hall.

„Ich bin heute an der Lanxess-Arena vorbeigefahren, habe gesagte ne, heute leider nicht, heute spiele ich in der Live Music Hall“, erzählt Thees Uhlmann. Eigentlich sollte er im Bürgerhaus Stollwerck auftreten. Doch die Nachfrage war groß, so groß, dass sein Konzert in die Live Music Hall verlegt wurde. Dort steht er auf der Bühne in seiner bekannten Arbeitskleidung: der blauen Jeans, dem weißen T-Shirt und der schwarzen Lederjacke. Er scheint redefreudig gestimmt, erzählt Anekdoten und flache Witze. Und Geschichten. Die aber nicht nur mit gesprochenen Worten, sondern vor allem mit den Gesungenen. Thees Uhlmann, der Geschichtenerzähler. Beispielsweise wenn er mit seinem Song Lat: 53.7 Lon: 9.11667, den er auf der Bühne nur mit „Hier komm ich her, hier bin ich geboren“ ankündigt, vom Aufwachsen in seiner Heimat Hemmoor berichtet. Und dann brüllt: „Wir kommen doch alle aus verschissenen Dörfern.“
Thees Uhlmann spielt sich mit seiner Band durch das gesamte Album. Dabei scheint er Tomte nicht ganz vergessen zu können, spielt er doch die zwei Songs „New York“ und „Das hier ist Fußball“. Ohne Tomte klingt er losgelöster, freier. Als hätte er sich mit Tomte immer selbst Grenzen auferlegt, die er jetzt durchbricht. Seinen Song „& Jay-Z singt und ein Lied“ widmet er Casper und singt auch gleich Teile von dessen Part mit. Gänsehaut-Feeling kommt bei „Die Toten auf dem Rücksitz“ auf und seine Wahrheit in „17 Worten“ kann die ganze Live Music Hall lauthals mitsingen.„Zum Laichen und Sterben ziehen die Lachse den Fluss hinauf“ wird an diesem Abend „wie es sonst eigentlich nur Schülerbands machen“, zweimal gespielt wird. Europas ältester Newcomer kann es sich das aber erlauben. Denn auch beim zweiten Mal singt das dichtgedrängte Publikum lauthals seine in Songtext gefasste und gern zitierte Lebensweisheit „das Leben ist wie Feuer, es brennt und es wärmt“ mit. Bevor der die Bühne verlässt, kommentiert er noch den Abschluss-Applaus, den es für ihn und Band gibt: „Fühlt sich an als hätten wir den Sparkassenpreis der Stadtsparkasse Frechen gewonnen.“

Alte Kommentare

von Hipster 19.11.2011 00:57

Bionaderock vom Feinsten! Konzert nur mit 'nem Latte Macchiato in der Hand genießen während man dabei mit dem iPhone über Facebook seine hippen Friends auf dem Laufenden hält.

von surecamp 22.11.2011 11:30

Ohne Tomte klingt er losgelöster, freier. Als hätte er sich mit Tomte immer selbst Grenzen auferlegt, die er jetzt durchbricht. ach ja?!