26.02.2009: Enter Shikari, Pdex, Teef - London - The Borderline

 


Ob es sich bei der Zeitangabe „7pm“ um den Einlassbeginn oder den Beginn des Konzertes handelt, ist schwer zu sagen. Fakt ist aber, wer im Vorfeld nicht genau informiert war, hatte wenig Chancen die heutige Record Release Show von ENTER SHIKARI zu sehen. Die knapp 200 Tickets des Clubs „The Borderline“ waren in kürzester Zeit ausverkauft, die Informationen die seitens ENTER SHIKARI über das Konzert verbreitet wurden waren spärlich.

Es stellt sich schnell heraus, dass es sich bei 7pm lediglich um den Einlassbeginn handelt. Es ist also nicht weiter schlimm, dass der ersten Support des Abends bereits auf der Bühne steht als ich den Club um 20 Uhr erreiche. Zwei Kerle mit wilder Reggae-Matte, Plattenspielern, Keyboard und Synthesizer haben die kleine Bühne des Borderline betreten. Sie schimpfen sich TEEF und vergreifen sich an Songs von The Prodigy, Bloodhound Gang oder den White Strips, welche sie mit Reggae-Tones und miesen Elektro-Beats unterlegen. Dazu gibt es Beatboxing und Sprechgesang. Das Londoner Publikum können sie damit teilweise für sich gewinnen. Besonders der männliche Ü18 Anteil der Besucher, der übrigens nur mit Unterschrift der Eltern am Türsteher vorbei kam, jubelt den beiden kräftig zu. Und als TEEF nach 30 Minuten plus Zugabe endlich die Bühne verlassen, bin ich niemals zuvor so dankbar gewesen das eine Vorband endlich Platz macht für den nächsten Act.

Dieser betritt im fliegenden Wechsel und großen Geschrei die Bühne. „Pdex, Pdex, Pdex“ schallt es von überall her. Bei PDEX handelt es sich um einen schmalen, blonder Kerl mit Doktorkittel der ebenfalls kräftig an den Plattenteller dreht. Jedoch ist seine Darbietung ertragbarer als die von TEEF. Er spielt einen soliden Mix aus Drum n' Base, hat aber ebenfalls merklich Reggae Einflüsse in seinen Tracks. Wenigstens handelt es sich bei denen meist um eigene Stücke und Remixe. PDEX, der der Bruder eines der ENTER SHIKARI Mitglieder ist, beglückt das scheinbar nicht sehr anspruchsvolle Publikum ca. eine halbe Stunde lang mit seinen Beats. Drei Zugaben werden von ihm gefordert und PDEX geht dieser Forderung gerne nach. Trotz allem Zuspruch und Jubelrufen sollten ENTER SHIKARI vielleicht das nächste mal die Blicke wieder ins Saarland schweifen lassen, wenn sie nach einen geeigneten Support suchen.

Nun presst sich eine Fotografenmeute vor die Bühne und schiebt das großteils wie erwartet sehr junge Publikum einigen Zentimeter nach hinten. Eine Rangelei um die besten Plätze bricht aus. Jeder vierte Konzertbesucher scheint sein Geld in eine Spiegelreflexkamera umgesetzt zu haben. Das Licht geht aus, das Intro an und ENTER SHIKARI betreten die Bühne. „Solidarity“ ist der erste Song den sie performen. Und vom ersten Augenblick an gibt es kein Halten mehr im Publikum. Anders als in Deutschland wird hier allerdings weniger darauf geachtet das nicht irgendwas zu Bruch geht. Und so kommt es das die in den ersten Reihen stehenden, die Monitorboxen Richtung Band verschieben und sämtliche Kable aus Buchsen und Instrumenten reißen. Gut das wenigstens die Lichtanlage nicht dran glauben kann, sie besteht lediglich aus einer langen, blauen Lichterkette über den Köpfen des Publikums. Eigens von ENTER SHIKARI dort angebracht. Beim Tag zuvor im Radio veröffentlichten Song „Antwerpen“ wird schon kräftig mitgesungen. obgleich dieser zu den Tracks der neuen Platte zählt ist das Publikum schon textsicher. Es folgen ältere Stücke aber auch „Havoc B“ und „Hectric“ die auf der neuen Platte zu finden seien werden. In ihnen verzichten ENTER SHIKARI zunehmend auf Shoutings und richten ihren Songs gen Sprechgesang aus. Sänger Rou verbringt mehr Zeit damit sich unter die Menge zu mischen als auf der Bühne zu stehen. Bei „Sorry You're Not A Winner“ wird ihm das scheinbar zum Verhängnis, denn er geht komplett in der Menschenmasse, die üben und auf ihn springt, unter. Was jedoch kein Grund ist aufzuhören zu singen. Er trägt es gelassen und lässt sich von den überforderten Clubangestellten aus der Menge ziehen, grinst und verkrümelt sich wieder vor seine Synthies an denen er „We Can Breath In Space, They Just Don't Want Us To Escape“ anspielt. Dieser Track wurde im letzten Jahr neu aufgenommen und erfreut sich nun völlig neuer Lyrics. Ein Teil des Londoner Publikums hat der weilen die Bühne erklommen. Dieses mal musste ein Fußpedal der Effektgeräte des Gitarristen dran glauben. Doch wenigstens das kann die Crew von ENTER SHIKARI schnell wieder richten. Als Belohnung gibt es „Roadie“ Jubelrufe, ehe selbiger als „Brian“ vorgestellt wird. Der letzte Song des Abends ist, wie sollte es auch anders sein, „Ok, Time For Plan B“. Und wie es sich gehört wird hier nochmal kräftigst abgefeiert und der komplette Borderline Club inklusive Thekenpersonal, ist total aus dem Häuschen. ENTER SHIKARI bedanken sich mehrmals bei den Konzertbesuchern und sind scheinbar ganz angetan von ihren Fans. Lange wird es nicht dauern, dann dürfen auch die Fans in Deutschland sich das neue Album, welches an diesen Abend übrigens noch nicht verkauft wurde, zu Gemüte führen. Die Tourdates stehen bereits.

Setlist Enter Shikari:
Solidarity
No Sssweat
Antwerpen
Labyrinth
Step Up
Mothership
The Jester
Return To Energiser
Hovoc B
Hectic
Sorry You're Not A Winner
We Can Breath In Space...
Enter Shikari
Ok, Time For Plan B