26.04.2014: Of Mice And Men, Issues, Beartooth - Köln - Underground

 

Eine press-ausverkaufte Location, eine schwüle Hitze drinnen und Platzregen draußen bieten den Rahmen für einen kurzweiligen Abend in Köln.
Eins vorneweg: Die Erwartungen bei BEARTOOTH waren hoch. Vor über einem halben Jahr entschloss sich die Band aus Ohio ihre EP als kostenlosen Download anzubieten und seitdem wurde die Band von vielen als frisches Blut und verheißungsvolle Newcomer gehandelt.
Um Punk 18:30 Uhr geht es im bereits vollgepackten Underground los, die Band betritt die Bühne und schleudert die ersten Akkorde in die Menge. Die vornehmlich jungen Fans rücken die Köpfchen und schnell entsteht ein Pit, einige scheinen vor allem wegen Beartooth da zu sein und zeigen sich auch sehr textsicher. Die fünf Jungs aus Columbus auf der Bühne sind sehr sympathisch und geben in der dunstigen Schweißwolke im Underground wirklich alles und spielen mit großem Elan.Und nicht zuletzt Caleb Shomos Stimme, die auf Platte so schön rotzig klingt, weiß live auch manchmal nicht, wo sie eigentlich hin will.
Ebenfalls wie Beartooth gründeten sich auch ISSUES aus Georgia erst 2012. In den USA tourten sie bereits als Vorband von Bring Me The Horizon und The Devil Wears Prada und wurden für die größten Festivals in den USA und UK dieses Jahr bestätigt. Der Hype ist also groß und manch einer mag es als böses Ohmen empfinden, wenn man zeitweilig die Band vor lauter hochgestreckten filmenden Handys nicht sehen kann, als (laut Band-eigener Aussage) Metalcore auf R&B trifft. Aber über Geschmack lässt sich schließlich streiten und trotzdem überraschen Issues positiv. Die beiden Sänger beweisen, dass sie nicht nur gut aussehen können, sondern auch mit Hingabe und Genauigkeit ihre Vocals abliefern. Ihr Gitarrist wirkt wie die verdammt coole Mischung aus Tingeltangel Bob und Slash auf Reggea. Mindestens genauso interessant und lobenswert ist es, dass die Band ihren eigenen DJ mit dabei hat, der live Samples mischt und scratched. Bei all dem wirkt die Band auf dem Boden geblieben, spielt ein gutes und solides Set. Ebenfalls sympathisch: Die einzelnen Bandmember nehmen sich nach der Show noch auf dem Gelände des Undergrounds wirklich Zeit für ihre vorrangig jungen Fans.
Spannend ist auch das Publikum an diesem Abend: Dass der Altersdurchschnitt vergleichsweise niedrig ist, wurde ja schon bei den Spielzeiten (18:30 bis 21:45 Uhr) klar. Umso größer ist jedoch meine Überraschung, als ich irgendwann feststelle, dass die Mehrheit im Publikum Frauen sind – so etwas habe ich persönlich ja schon lange nicht mehr auf –core Shows gesehen. Und so schieben sich, wie um den Durchschnittscharakter zu betonen, ein paar Fangirlies vor mich. Durch ihre Handykameras (der Startbildschirm ist übrigens Austin Carlile) sehe ich die ersten paar Sekunden des Auftritts der Band aus Kalifornien. Im Publikum fängt es an zu summen wie in einem riesigen Bienenstock und mit den ersten Tönen ist auch sofort die Begeisterung der Menge da. Die Band und besonders Carlile sind sich ihrer Wirkung bei ihren Fans bewusst: Da wird gelächelt, zugezwinkert, Händeberührt, an den Lichtaufhängungen gehangelt und sich ins Publikum hereingelehnt. Wie Puppenspieler kontrollieren sie die Emotionen der Menge. Das Set ist trotz fast einer Stunde Spielzeit sehr kurzweilig, es wird zwischen härteren und poppigeren Songs gewechselt und das Publikum hüpft im Takt. Die Band ist gut drauf und legt eine gute, beanstandungslose Performance an den Tag, auch wenn man nie überrascht wird. Gerade vom neuen Album „Restoring Force“ wurde viel gespielt, was die neuen Fans begeistert hat, aber einige, die OM&M schon länger verfolgen, enttäuscht haben mag. Man kann davon halten was man will, der Plan der Band scheint aufgegangen zu sein .