26.07.2007: Freakstock Festival - Gotha – Sidestage

 

Die Sonne brannte und die Anfahrt war angenehm. Kleiner und familiärer sollte Freakstock werden. Dafür wurde auch viel getan. Zum Beispiel war die Mainstage dieses Jahr kleiner, es gab keinen Rocket Club mehr und das Marquee wurde ebenfalls durch eine kleinere Bühne, die Sidestage, ersetzt. Hier wo sich das Booking auf europäische und eher unbekanntere Bands fokussierte, lag auch mein Hauptaugenmerk. Eine weitere Erneuerung, welche die knapp 2200 Besucher erfrischte, war der Getränkewagen nähe des Campingplatzes, der mit frisch gekühltem Bier für 35 Cent aufwartete. Man wollte den Besuchern wohl die Fahrt zum lokalen Aldi abnehmen und, da es dort neben dem Sprit auch Wasser und Saft für günstige Preise gab, der Volkskrankheit Dehydration entgegenwirken. Wen der Eintrittspreis von 65 Euro nicht störte, der bekam ein familiäres, angenehmes und Stress freies Festival mit netten Leuten, und rund-um Programm geboten.

Aber werfen wir ein Blick auf das Line Up der Sidestage. Dort warteten am Donnerstag Abend neben SUSPEKT (Punk/Berlin), HOPE OF A BLIND MAN (Hardcore/Witten), RAINCOAT 34 (Punkrock/CZE) auch der Headliner des Tages OPPOSITION OF ONE (Hardcore/Stuttgart). Doch bevor wir uns der Sidestage widmen schauen wir zunächst einmal auf die Mainstage, wo PREACHER (Hardcore-Punk/Hamburg) den Abend anstimmten. Das von mir zum persönlichen Highlight ernannte Trio prügelte in einem ordentlichen Tempo ihre Variante von Hardcore mit einer Priese Crust hier und Punkrock dort von der Mainstage in das Publikum. Jenes war am frühen Abend noch etwas träge doch hier und da wurde angenehm berührt von der klingenden Musica mit dem Kopfe genickt. Die Show von PREACHER war gleichzeitig ihre CD Release Party des gleichnamigen Debüts. Die PREACHER Show gefiel mir sehr gut, was an ihrer Interpretation von schneller, energischer Musik lag und nicht zuletzt auch ein Verdienst ihrer kritischen Texte sowie Ehrlichkeit zu sich und ihrer Überzeugungen.

Auf zur Sidestage: Begonnen haben HOPE OF A BLIND MAN. Die fünf mit weiblicher Stimme spielten ein schweres im Midtempo gehaltenes Hardcore Brett, welches sich öfter als einmal beim großen Roadrunner Vorbild aus den USA bediente. Macht aber nichts, denn es klang satt, sauber und rockte amtlich. Gleich nach HOPE OF A BLIND MAN kamen RAINCOAT34 aus Tschechien. Ebenfalls mit weiblichem Gesang spielten RAINCOAT34 Skatepunkrock a lá Anti Flag und ein wenig MxPx. Den Gesang empfand ich als etwas dünn, aber was soll es. Die Show war in Ordnung und RAINCOAT34 machten sich definitiv neue Freunde. Nach Punkrock aus Tschechien folgte Punkrock aus arm-und-sexy-Berlin.

SUSPEKT begannen sich zu formieren. Als es letztes Jahr noch die überaus praktischen Programmhefte gab (Anmerkung: Ein oder zwei Seiten mehr in dem diesjährigen Songheft hätte auch noch gepasst, um zumindest noch Bands und Bandbeschreibungen hinein zu setzen...) standen SUSPEKT unter dem Genre „Scheiße / Shit“, welches sie sich selbst zu teilten. Geboten wurde rotziger Punk mitten ins Gesicht mit einer Zunft leck-mich-da-wo-die-Sonne- nicht-scheint-Attitüde. Viel Bewegung auf und vor der Bühne war garantiert und SUSPEKT fanden viele neue Sympathisanten, nicht zuletzt wegen, genau, der Frontfrau. Persönlich überzeugte der Bassist durch handfeste Performance und Action mit und ohne Bass.

Nach Suspekt enterte mein zweites persönliches Highlight an diesem Abend die Bühne. OPPOSITION OF ONE aus Stuttgart. Mit ihrem neuen Album „Screaming Without Lungs“ im Gepäck spielten die fünf Schwaben ein sattes Moshcore Brett von der überdachten Sidestage herunter und der Staub sowie Fäuste wirbelten auf. Angefangen mit dem Opener des neuen Albums spielten OPPOSITION OF ONE eine gute Mischung aus alten und neuen Tracks, wobei die Songs vom vorhergegangenen Album „In The Line Of Change“ frenetischer abgefeiert wurden. Die Stimmung war absolut gigantisch. Auf der Bühne wie davor wurde mächtig Energie frei und neben massig Sing-a-longs und dem ein oder anderen Circle Pit gab es noch ein paar Ansagen seitens der Bühne für das Staub fressende Publikum. Nach geschätzten zwei Kubikmeter Sand und Staub intus war das Konzert gelaufen. Glücklich und zufrieden, jedoch etwas enttäuscht über den teilweise schlechten Sound ging es nach einer kalten Dusche und einem Glas Milch ins warme und (noch) trockene Zelt.