26.06.2016: AUGUST BURNS RED, SILVERSTEIN, BEARTOOTH - Hannover - Capitol

 

Sonntagabend, kurz nach 19 Uhr. Während die meisten wohl zuhause auf dem Sofa sitzend bereits an den ungeliebten Montag dachten, drehten sich die Gedanken der Menschen die sich vor dem Capitol eingefunden hatten um etwas anderes: Metalcore!

Mit BEARTOOTH, SILVERSTEIN und AUGUST BURNS RED wurde eine wunderbare Kombination geliefert. Der Einlass verlief überraschend zügig, drinnen angekommen kehrten die meisten erst einmal beim Merch ein oder versorgten sich an den erstaunlich vielen Bars im Capitol mit Getränken. Nach und nach wurde deutlich dass das Konzert zwar gut besucht sein würde, jedoch lange nicht ausverkauft. Schade für die Bands und den Veranstalter, für die Besucher war die Personenanzahl aber genau richtig damit eine gute Stimmung aufkommt, man jedoch nicht unfreiwillig mit dem Nebenmann kuscheln muss.

Um 20 Uhr starteten BEARTOOTH das Programm. Die Gruppe aus Ohio ist eine der besten Newcomer-Bands 2015/2016. Gegründet haben sie sich schon 2012, nachdem Sänger Caleb Shomo seine vorherige Band ATTACK ATTACK! (nicht zu verwechseln mit der Band ATTACK!ATTACK! aus UK.. das war ja schon immer verwirrend.) verlassen hatte. Die meisten deutschen Fans haben die Band aber wohl durch die Support-Slots bei der Tour mit BRING ME THE HORIZON 2015 kennengelernt.

BEARTOOTH haben gerade ihr neues Album "Aggressive" veröffentlicht und spielten davon unter anderem "Hated" und "Always Dead". Aber auch Songs vom Vorgängeralbum "Agressive" wie der Hit "Bodybag" fanden Platz auf der Setlist. Über den Auftritt von BEARTOOTH kann man nur positives sagen: eine gute Bühnenenergie, die Bandmitglieder kommen alle sehr sympathisch rüber und die Songs machen es einem unmöglich still zu stehen. Auch stimmlich konnte Shomo durchweg überzeugen. Eine Band, die man unbedingt im Auge behalten sollte!

Als nächsten folgten SILVERSTEIN aus Kanada. Mit 16 Jahren Bandgeschichte gehören SILVERSTEIN schon zum "alten Eisen" im Metalcore und sieht man sich die Herren an, wird klar dass sie sich in all den Jahren deutlich weiterentwickelt haben. Die Emo-Frisuren von vor 10 Jahren sind modischen Kurzhaarschnitten gewichen und insgesamt wirken die fünf einfach sehr normal und erwachsen. Dass sie jedoch keinesfalls an Energie verloren haben wurde in Hannover deutlich. Die Auswahl der Songs fiel durchweg auf uptempo Nummern,  auf Balladen (und davon haben SILVERSTEIN einige sehr schöne) wartete man vergeblich. "Sacrifice", "Milestone" und "Smashed Into Pieces" sind nur einige der Songs, die SILVERSTEIN während ihrer ca. 30 Minuten gespielt haben. Für "My Sacrifice" betrat dann auch noch einmal Caleb Shomo die Bühne und unterstützte Shane Told mit sichtlich Freude. Und natürlich durfte als letzter Song "My Heroine" nicht fehlen, bei dem das Publikum den Großteil des Gesanges übernahm. Nachdem Silverstein die Bühne verlassen hatten folgten viele "Zugabe"-Rufe, jedoch schien der Zeitplan dies nicht zuzulassen.

Als Headliner standen dann gegen 22 Uhr AUGUST BURNS RED auf der Bühne. Die Gruppe um Sänger Jake Luhrs heizte das bereits gut gelaunte Publikum ab der ersten Minute noch mehr an. Circle Pits und Crowdsurfing zogen sich durch das gesamte Set. Gute Gitarrenriffs und starke Breakdowns machen den Sound von AUGUST BURNS RED aus. Luhrs zeigte sich stimmgewaltig, einziges Manko war dass im oberen Bereich bzw. der Empore des Capitols immer mal wieder die Lautsprecher ausfielen. Auch eine Seltenheit: Gitarrist JB Brubaker stand in Flip Flops auf der Bühne, dies hielt ihn jedoch keineswegs von wilder Bewegung ab. Die amerikanische Band, die es nun immerhin schon seit 13 Jahren gibt, zeigte einen abwechslungsreichen Mix ihrer Alben, unter anderem spielten sie "Identity" vom 2015er Album "Found In Far Away Places" und "Provision" vom Vorgängeralbum "Rescue & Restore". Luhrs zeigt auf der Bühne auch in der Gestik seinen ganz eigenen Stil, schaffte es jedoch während der etwas mehr als 60 Minuten Showtime das Publikum komplett in seinen Bann zu ziehen.

Fazit: man kann einen Sonntagabend nicht schöner verbingen. Ein Konzert mit "alten Hasen" und fantastischen Newcomern der Szene, bei dem bis auf die wenigen technischen Störungen einfach alles gepasst hat.