27.01.2014: Defeater, Caspian, Landscapes, Goodtime Boys - Berlin - Bi Nuu

 


Defeater sind auf Europatour! Mit ihrem aktuellen Album „Letters Home“ sind sie zur Zeit auf dem Festland und dem United Kingdom unterwegs und haben ihre Genre-Kollegen Landscapes und Goodtime Boys dabei. Die vierte Band im Bunde, Caspian, sticht mit ihrer Post-Rock/Instrumental – Musik etwas heraus, aber dazu später mehr.

Vergangenen Montag war das Paket also in Berlin-Kreuzberg im Bi Nuu angekommen.
Einlass war um 19 Uhr, Spielbeginn genau eine Stunde später.
Und noch bevor man überhaupt reinging, hatte man den Anschein, dass es ein gutes Konzert werden sollte. Das Bi Nuu füllte sich mehr und mehr, schon bei der ersten Band Goodtime Boys stand jeder eng an eng.
G ist eine 5-köpfige „Emo Punk Band“ (wie sie selber auf ihrer Facebook-Seite sagen) aus „all over UK“. Man war gespannt, was sie ablieferten und nach ihrer gut 30-minütigen Perfomance stellt man fest: Die Jungs sind hochmotiviert! Die Musik geht nach vorne, die Bühne wird voll und ganz genutzt, aber der gewisse Funke springt nicht über. Na gut, beim Opener ist das auch eher selten der Fall. Wir sind gespannt, was man von dieser Band in Zukunft noch hören wird.

Kurze Umbaupause, an die Bar und weiter ging es mit Landscapes. Für alle die auf dreckige Gitarren, verzweifelte Shouts, schwarz/weiß-deprimierende Atmosphäre stehen, ist diese Band genau das Richtige. Landscapes hat erst vor ein paar Monaten im Berliner Magnet Club als Vorband für The Amity Affliction. Vielleicht ist so eine etwas kleinere Location geeigneter für das Quintett – ebenfalls aus UK – als das gut 500 Leute fassende Bi Nuu.
Natürlich hat Shouter Shaun alles gegeben, sich die Seele aus dem Hals und die Fans vor der Bühne angeschrien. Doch die Menge wurde nicht richtig mit der verzerrten Musik, dem Wechsel zwischen ruhig und hart, den aggressiven Shouts und spoken words warm. Gegenwärtige Energieladungen wie „No Love“, „Disdain“ oder „Epilogy“ klangen dank gut gemischtem Sound gut, aber kamen beim Endkonsument Konzertbesucher nicht an. Schade drum, denn dass Landscapes-Shows besser aussehen können, haben sie auf jeden Fall schon bewiesen!

Jetzt wurde es interessant – Caspian war an der Reihe. Manch einer an dem Abend hat bislang noch nie von der Band gehört und auch für die Band selbst ist es wohl eine komplett neue Erfahrung, auf so einer Tour mitzufahren. Manch einer hört die Band vielleicht auch nur zu Hause zum Abschalten, kann sich die 6 Musiker aus Beverly, Massachusetts niemals live vorstellen. Manch einer ist wegen eben genau dieser Band dort gewesen.
Dass die Jungs ihre Instrumente beherrschen, sollte klar sein. Nach ihrem Erfolgsalbum „Waking Season“ aus dem Jahre 2012 haben sie mit der EP „Hymn For The Greatest Generation“ aus dem letzten Jahr wiedermal gezeigt, dass sie in ihrem aufkommenden Genre Post-Rock/Instrumental/wie auch immer ganz weit vorne sind.
Der Kontrast zu den anderen Bands wurde schnell deutlich. Nichts gesagt auf der Bühne, nur gespielt. Der Sound hat die Leute regelrecht umgeworfen, alle standen gespannt dort und erlebten die Perfomance. Dazu kam noch das Licht, dass die Fülle an Klang aufnahm und mit voller Kraft vom hinteren Ende der Bühne heraus auf die Menge feuerte.
45 Minuten lang musikalische Erlebnisreise in ein Land bestehend aus Stille, leisen Geräuschen, vielen Trance-Momenten und letztendlich tausend Energiebündel, die endlich losgelassen werden.
Zum Schluss spielen sie alle zusammen an den Drums und enden in Perfektion ihre Perfomance mit den Worten „We are Caspian, thank you.“

Und dann kam die Band, auf die alle gewartet haben – Defeater!
Es war zu dem Zeitpunkt kein Geheimnis mehr, dass Sänger Derek Archambault an der Hüfte angeschlagen war und immer noch ist. Wie würde er auftreten? Kann er alles geben?
Im stilvollen Outfit aus Cargo-Hemd und Franzosenmütze machte sich Derek mit seinem Gespann auf zum Gefecht.
Ihr neues Album beginnt mit dem Song „Bastards“ - so tut es auch ihre Show an diesem Abend. Es war kein Halten mehr. Dieser Song gilt als inoffizieller Favorit der Fans, aber darüber lässt sich ja mehr als genug streiten.
Nach Caspian war auf jeden Fall genug angestaute Ladung da, die sich nun im Moshpit entfalten musste. Gesagt, getan und die Meute tobte!
Nachdem das erste Lied vorbei war, machte Archambault auf seine Verletzung aufmerksam: „Please, do not run behind me! If I fall down, chances are that I will never be able to stand up again.“ Diese Warnung war deutlich genug, man hat ihm auch sichtlich angemerkt, dass er zu kämpfen hatte.
Unverständlicher Weise, aber leider dennoch real, ließen sich ein paar wenige Konzertbesucher trotz dieser Worte während der nächsten härteren Songs nicht davon abhalten und stage-divten, was das Zeug hält. Sie rannten vor Derek, hinter Derek oder rannten erst gar nicht und katapultierten sich gleich wieder zurück.
„No stage dive anymore, thanks to one guy for ruining it for everybody.“ Dies war Aufforderung genug von Derek für seine Kollegen im Backstagen, sich vor den Bühnenrand zu stellen und aufzupassen, dass keiner mehr sich auf die Bühne verirrt.
Zum Glück ist das Defeater-Publikum positiv genug, um sich von sowas nicht unterkriegen zu lassen und weiterhin das Lungenorgan voll und ganz den Lyrics von „No Shame“, „No Hope“, „Hopeless Again“ und und und zu widmen.
Zwischendurch nahmen sich die Bandmitglieder heraus und ließen Derek akkustisch spielen. Nur er und die Gitarre, dazu Mitsing-Songs, in diesem Fall „I Don´t Mind“ und „Dear Feather“ - Gänsehaut!
Danach ging es wieder zur Sache und so ging es noch eine ganze Weile. Man hatte das Gefühl, dass sowohl Band als Fans nicht genug voneinander kriegen können. Die thankful attitude ist bei Defeater waschecht, das kann nach dem Konzert keiner leugnen und Derek hat es sogar fast 90 Minuten unter Schmerzen ausgehalten, sich musikalisch durch seine Stimme auszukotzen.

Ein entspannter Abend mit guter Musik, eine passende Location, die stets gut gefüllt war und eine Stimmung, die zeigt, dass hier Musiker und Zuhörer zueinander passen.
Gerne wieder!