27.08.2012: Nations Afire, Superbutt - Bei Chez Heinz, Hannover

 

Knarz. Ächz. Wieder sägt jemand zu später Stunde an ungeschriebenen Gesetzen. Heute auf der Werkbank: Coversongs, die verboten gehören (sollten). REFUSED? Obacht! „Country Roads“? Aargh. Nik Hill und seine Band NATIONS AFIRE bleiben in ihrer Homezone: SOCIAL DISTORTION und „Don´t Drag Me Down“. Der Montag schluchzt, Hill (ehemals IGNITE) ist Feuer und Flamme, den Track von „White Light, White Light, White Trash“ würdig und gesalzen vorzutragen. So haben er und seine Bühnenkollegen, die zuvor Arbeitgebern wie DEATH BY STEREO oder RISE AGAINST den Rücken kehrten, es heute mit allen Zeilen der Setlist vor: Nur wenig Material gibt es von der „The Uprising“ EP – klar im Fokus stehen „One Perfect Day“ oder „The Legacy We Leave“ vom neuen Album „The Ghosts We Will Become“, die live präzise und dynamisch durch den spärlich besuchten Keller dröhnen.

Wo zu Beginn des Abends Arena-Metal und Doublebass-Folter auf dem Fahrplan von SUPERBUTT aus Budapest standen, klebt Hill jetzt inklusive extrovertierter Schauspielkünste am Mikrofon: Blicke wandern, die schweißnassen Haare werden mit maßloser Hingabe im Minutentakt in Position gebracht. „Nine Lives“ jedenfalls leidet nicht darunter, „Occams Razor“ und die zahlreichen „really appreciate“ - Ansagen schütteln so sympathisch die Hände wie SUPERBUTT-Glatzkopf und –Sänger András Vörös am Bühnenrand die Mädels zum Tanz. Etwas plump und doch brachial ehrlich haben die Ungarn mit Geriffe und Gegrunze den Saal angestachelt, jetzt ist es an NATIONS AFIRE, die Rock-Fahne im Wind zu halten.

Dabei helfen SMASHING PUMPKINS-Interlude und die freundliche Aura von Drummer Todd Hennig, der trotz Spielfreude nicht vergisst, wie Felle und Bleche behandelt werden wollen - um auch live Richtung 30 SECONDS TO MARS oder FOO FIGHTERS´ sche Stadionfinesse zu pushen. Den breiten Sound, auf den NATIONS AFIRE auf ihrem Debütalbum zielen, schieben die vier Musiker aus Orange County auch auf der Bühne mitsamt Halleffekten und Publikumsinteraktion durch das knapp fünfzigminütige Set. Dann ist Mike Ness´ Solo ehrenvoll eingetütet und „I Am An Army“ mimt den Ohrwurm für den Weg nach Hause.
Der „Hannover-Halbkreis“ vor der Bühne, berüchtigt Dank seiner montäglichen Durchschlagskraft, zerstreut sich. Während „Superarsch“ (Eigenaussage!) schon länger voller Vorfreude dem Dienstag im belgischen Aarschoot entgegentrinken, kann Hill endlich Stimmbänder und Gesichtsmuskulatur entspannen. Direkt neben den sponsorenverzierten Bandshirts, der mit 20,- Euro doch etwas happig kalkulierten Vinyl-LP und der „Tipping Is Not A Town In China“–Plakette inmitten des Merch-Kiosks von NATIONS AFIRE wäre noch ein Plätzchen frei...