27.11.2007: The Weakerthans - Köln - Bürgerhaus Stollwerck

 

Die chronisch schlecht gelaunten Kölner Verkehrsbetriebe hatten eine zündende Idee: für interessierte und zugleich genervte Bahnfahrerinnen und Bahnfahrer in Köln besteht seit kurzem die Option sich in einer der Leitstellen leuchtend gelbe Karten zu besorgen, welche bei Bedarf biertrinkenden, über ihre Handyboxen schlechten R n´B (wahlweise auch deutschsprachigen Hip Hop) hörenden oder einfach nur rumpöbelnden Fahrgästen vorgezeigt werden können, um diese zur Räson zu bringen.

Der positive Effekt, den diese Aktion haben soll, ist noch nicht empirisch erhoben worden, dennoch schlage ich an dieser Stelle eine weitere Methode vor, die (auch längere) Bahnfahrten durch die Domstadt zu einer sehr entspannten Angelegenheit machen sollte: stellt Euch zuhause einfach eine Playlist (Mixtape, Mix-Cd, etc…) mit Songs sämtlicher Schaffensphasen der hochsympathischen kanadischen Band THE WEAKERTHANS zusammen, schließt die Augen und dreht Eure Runden durch den Kölner Untergrund. Dabei stellt Ihr Euch darüber hinaus vor, wie ein glänzend aufgelegter, dabei jedoch stets zurückhaltend agierender John K. Samson in ein rotes T-Shirt gehüllt das Publikum eines prall gefüllten Konzertsaals (sagen wir mal des Bügerhaus Stollwercks) mit simplen aber ergreifenden Songs in seinen Bann zieht. Es könnte sein, dass die Band dabei Stücke wie 'Psalm For The Elks Lodge Last Call', 'Plea From A Cat Named Virtute', 'Pamphleteer', 'Aside' und jede Menge Songs ihres neuen Albums ('Civil Twilight', 'Hymn For The Medical Oddity', 'Night Windows' und 'Sun In An Empty Room') darbietet, der gute John K. dabei reichlich Rotwein schlürft und der Rest der Band sich zu der ein oder anderen Rock n´Roll-Pose hinreisen lässt, die von der begeisterten Menge (völlig zu recht) abgefeiert wird.
Gegen Ende des Sets soll gar der 'Bigfoot!' in den altehrwürdigen Gemäuern des Bürgerhauses gesichtet worden sein.
Probiert es einfach mal aus. Es funktioniert. Und lasst beim nächsten Mal bloß diese komischen gelben Karten stecken. Das gibt nur Ärger…

Zum Schluss fällt mir in meiner Funktion als Klugscheisser noch folgendes Zitat des russisch- amerikanischen Dichters Joseph Brodsky ein, welches das musikalische Schaffen der Kanadier sehr treffend beschreibt: "Kultur ist nicht der Versuch, der Realität zu entfliehen, sondern das Gegenteil: ein Versuch sie zu beseelen." Seele hatte dieser sehr gelungene Abend mit den WEAKERTHANS definitiv.