27.05.2015: TAYMIR, ARKELLS - Stuttgart - ZwölfZehn

 

Das ZwölZehn in Stuttgart war bis in die letzte Ecke vollgestopft. Den Kanadiern von den ARKELLS eilt ihr Ruf als grandiose Live-Band voraus und brachte viele tanzwütige Zuschauer. Die Niederländer von TAYMIR durften den Abend eröffnen und brachten eine überraschend gute Stimmung zustande.

In Holland sind die vier Jungs längst keine Unbekannten mehr, in Deutschland hingegen schon. Äußerlich stark an Oasis erinnernd, performen sie auf der kleinen Bühne wie große Stars. Musikalisch zeigen sie einen Mix aus britischem Beat und den Arctic Monkeys. Sie wirken ein bisschen wie aus einer anderen Zeit, aber sind dennoch nicht fehl am Platz. Die Kombination aus Rhythmus und eingehenden Melodien lädt zum mittanzen ein. Wer noch Platz hat sich im ZwölfZehn zu bewegen, tut das auch. Es entsteht eine noch etwas verhaltene im Takt wippende Masse. Die Temperatur und Laune steigen. Zeit, dass die ARKELLS die Bühne betreten.

Die Euphorie steigt schon allein von der Anwesenheit der Kanadier. Die Erwartungshaltung ist hoch. Erst im März gewannen sie zwei Juno Awards, ein Musikpreis in Kanada. Den ersten für die Gruppe des Jahres, den zweiten für das Album des Jahres. Die fünf Jungs aus Hamilton in Ontario sind so gut wie ständig auf Tour. Diese Erfahrung merkt man ihnen an. Unglaublich nah am Publikum und immer nach Blicken suchend interagiert der Sänger Max Kerman mit den Anwesenden. Mit dazu gehört das Vor- und Nachsingen von Ohhs und Ahhs und gegen später auch, etwas anspruchsvoller, „turn all the lights down low“, ein Teil des Songs Agent Zero, der fast schon eine Live-Hymne der ARKELLS ist. An dieser Stelle begibt sich der Sänger zum wiederholten Mal ins Publikum und singt ohne Mikro, läuft hin und her, klatscht. Er geht in der Musik auf und will alle anderen mit in den Bann ziehen. Die ARKELLS leben was sie lieben und das sieht man. Jedes Mitglied scheint in seiner eigenen Welt der Musik zu  verschwinden – ohne an Bühnenpräsenz zu verlieren. Durch die mitreißenden Melodien blüht das Publikum auf, lässt sich gehen. Fast schon therapeutisch wirkt dann die Aufforderung von Kerman seine Augen zu schließen und so zu tanzen als ob niemand zuschauen würde. Man soll sich wohl fühlen. Glücklich sein. Dazu tragen auch die Erzählungen von der Tour bei, die von den Zuschauern mit schallendem Gelächter kommentiert werden. Die Atmosphäre ist entspannt. Irgendwie befindet man sich in einer heilen Welt, wo alle dauer-high von den Einflüssen der ARKELLS sind. Man gönnt ihnen eine größere Bühne, mehr Zuhörer – oder ist das gar nicht wünschenswert? Ohne die Nähe zum Publikum, ohne diese Verbindung die entsteht, wäre der Zauber wahrscheinlich nur halb so präsent. Und die Band scheint auch von dem „wir sind eins“- Gefühl zu leben und es zu genießen. Als der letzte Ton verklungen ist, bleibt nur ein Trost: Nach der Tour ist vor der Tour. Die ARKELLS kommen zurück. Ganz bestimmt.