28.07.2009: Cryptopsy, But We Try It - Köln - Underground

 


Es ist immer ärgerlich, wenn man äußere Umstände nicht beeinflussen kann. Erst recht dann wenn eigentlich pünktlich bei einem Konzert aufschlagen wollte. Aber Bus, Bahn und Freunde stellen sich da gern' mal quer und so erreiche ich erst weit nach Einlass das Underground. Der Biergarten ist gut gefüllt mit munteren Leuten, die die letzten Sonnenstrahlen bei deinem kühlen Bier genießen. Bleibt zu abzuwarten wie es im Underground ausschaut. Dort spielen heute Cryptopsy aus Montreal.

By Brute Force haben ca. eine Stunde vor meiner Ankunft den Abend eingeläutet. Jetzt stehen die Jungs von But We Try It auf der Bühne. Zwei oder drei Songs haben sie schon gespielt, dann war auf einmal der Strom weg. Relativ hilflos aber es mit Fassung tragend stehen die Fünf auf der Bühne und können wenig ausrichten. Da aber wohl Probleme mit der Sicherung im Underground schon öfters vorgekommen sind, weiß man wo der Fehler zu suchen ist. Nach einigen Minuten ist wieder genügend Saft auf der Leitung und But We Try It starten einen zweiten Anlauf. Die Kölner liefern einen gelungenen Mix aus Deathmetal und Hardcore. Sänger Jörn schafft es dabei in zwei völlig unterschiedlichen Stimmlagen zu shouten was den Eindruck erwecken könnte, hier wären zwei Sänger auf der Bühne. Und obgleich auf der Bühne schon das Schlagzeug für Cryptopsy aufgebaut ist, finden But We Try It genug Platz für ein paar wilde Moves. Leider ist die Halle alles andere als gut gefüllt. Nur knapp 40 Leute haben das heimische Sofa, den Rheinspaziergang oder Biergartenbesuch gegen das heutige Konzert eingetauscht. Trotz Allem wird am Ende lautstark eine Zugabe eingefordert. Doch dazu reicht die Zeit nicht. Schade eigentlich. Doch wer aus dem Kölner Raum kommt und die Herren bald nochmal live sehen möchte, der sollte sich den 4. September rot im Kalender markieren. Dann spielen die Fünf mit Final Prayer in der Werkstatt, nur wenige Meter vom Underground entfernt.

Der Umbau geht rasend schnell von statten. Da bleibt kaum Zeit zum Verschnaufen. Genug Zeit zum Ausruhen hatten Cryptopsy auf jeden Fall. Sie haben tags zuvor im nur wenige hundert Kilometer entfernten Tilburg, Niederlande gespielt. Ehe es morgen weiter gen Osnabrück geht machen sie jedoch Halt in Köln. Eine so mäßige Resonanz hätte ich trotz des guten Wetters nicht erwartet. Wenigstens etwas voller scheint es geworden zu sein und das Publikum ist sogar näher Richtung Bühne gerückt. Die wahren Fans der Band sind schnell ausgemacht. Und während sich einige weibliche Konzertbesucher vor Gitarrist Chris Donaldson postieren, ob beabsichtigt oder nicht sei mal dahin gestellt, lässt die männliche Fanfraktion die langen Haare kreisen. Mehr Haupthaar hat da nur Sänger Matt McGachy zu bieten. Seine Mähne reicht ihm fast bis zu den Kniekehlen. Ca. 50 Minuten lang bieten Cryptopsy ihre Tracks dar. Unter anderem spielen sie Titel wie Graves Of The Fathers, Open Face Surgery und Worship Your Demons. Letzterer Song wird von der Menge scheinbar textsicher mitgesungen. Obgleich es für den Laien schwer erscheinen mag die einzelnen Titel zu unterscheiden oder Wortfetzen des Gesangs zu verstehen. Eindeutig, die heutige Show richtet sich insbesondere an die treuen Fans der Band. Fakt ist, dass die Herren aus Kanada merklich Spaß haben. Auch die Kommunikation von Band und Publikum stimmt. Nur das Strobolicht ist Cryptopsy nicht ganz genehm. Nicht weiter verwunderlich, denn anders als hin und wieder im Underground der Fall, ist heute ein sehr engagierter Lichttechniker am Werk. Was But We Try It nicht konnten oder durfen, setzten Cryptopsy kurz vor Schluss um: Die heiß umjubelte Zugabe.