28.08. 2011: Rise Against, NoFx, Yellowcard - Telekom Extreme Playgrounds, Pinneberg- Wasserskiarena

 



Es schien die Sonne in Hamburg als man sich mutigerweise am frühen Nachmittag für Chucks statt Gummistiefel entschied und auf den Weg nach Pinneberg zu den Telekom Extreme Playgrounds machte. Dass das nicht die klügste Entscheidung war, merkt man später, also zumindest das mit den Chucks. Zunächst heißt es einmal ankommen, Gelände und Publikum sichten, bevor der Anstoß beginnt. Playground passt ganz gut. Das Publikum besucht vermutlich die SEK 2 des örtlichen Gymnasiums. Die Knutschgitterdichte ist recht hoch. Klamotten werden offensichtlich beim Skaterausstatter der Gegend gekauft und Mutti bügelte morgens noch die Röhre glatt. Aber auch diese Generation verdient eine anständige subkulturelle Sozialisation. Was das nun mit Magenta zu tun hat, weiß ich nur immer noch nicht so genau. Definitiv brüllt einem diese Farbe und die entsprechenden Werbebanner einem über das gesamte Festivalgelände penetrant und direkt ins Gesicht. Wakeboard- und BMX- Contests werden meinem Erlebnishorizont hinzugefügt. Zu sagen bleibt: das hier ist Pinneberg und nicht Hamburg und ich bin eigentlich wegen der Bands hier.

YELLOWCARD betreten pünktlich um 15h und nach dem ersten heftigen Regenguss die Bühne. Die Gänge dorthin um den See sind schmal und es schiebt sich. Ebenso ist die Fläche vor der Bühne nicht gerade großzügig vermessen, zumindest nicht für das, was ich hier heute noch erwarte. YELLOWCARD sah ich jedenfalls das erste und letzte Mal in einem spärlich besuchten Kölner Underground auf ihrer ersten Europatournee. Hätte man mir damals die Ohren abgeschraubt, so hätten sich meine Mundwinkel am Hinterkopf die Hand geben können. So bin ich gespannt ob das nun auch Open Air vor 8.500 Zuschauern (ausverkauft) funktionieren kann. Und es klappt. Der Opener sitzt, der Sound wird nachjustiert und dann geht es richtig los. YELLOWCARD funktionieren auch in groß, auch in Pinneberg. Alte Songs gehen besser über die Ladentheke, das junge Publikum erfreut sich an Mitklatschsessions a la Musikantenstadl und einem zaghaften angeleiteten Circle Pit. Ebenso werden Lektionen der Band in Punkto Headbangen dankbar angenommen. YELLOWCARD scheinen flexibel, was die Bespaßung des Publikums angeht und so haben alle ihren Spaß. „Ocean Avenue“ darf nicht fehlen und so bleibt man befriedigt und mit nassen Füßen zurück. Auf dem Weg an ein trockenes Plätzchen darf man noch das ein oder andere Zitat mit auf den Weg nehmen. Hier mein persönlicher Favorit: „Und was soll das mit dem Typen mit der Scheißgeige? Gehört der zur Band?“ Geige heißt nunmal nicht unbedingt Klassik und Emopunk geht auch mit irisch angehauchten Gefiddle, jawohl!

Es ist auf dieser Veranstaltung, definitiv zu eng, zu voll und zu magenta. Schafft man es bis zur Pipe, so kann man sich die Zauberkunststückchen der Jungs ansehen (warum hier nur Jungs rumdüsen sei mal so dahingestellt).

NOFX betreten um 18h pöbelnd die Bühne und schmeißen erstmal ordentlich mit altbekannten fiesen Offbeats in die Menge. Man bittet ums nicht Mitklatschen und es folgt ein ganzer Stoß schärfste Ironie, welche von einem Großteil des Publikums nicht verstanden wird und die Frage von Fat Mike nach sich zieht, ob das Publikum überhaupt Englisch sprechen würde. Das Publikum schweigt und damit ist eigentlich alles gesagt. Somit kann Fat Mike von einer Bühne, umrahmt von Werbung, bester Dinge gegen den Kommerz wettern und sich freuen. Es ist die letzte Show der Tour und hörbar macht sich Stimmmüdigkeit breit. Es wird fast genauso viel gequatscht wie Musik gemacht. Trotz mangelnder Englischkenntnisse in der SEK 2 des Pinneberger Gymnasiums werden die Songs aber erstaunlich sicher mitgegröhlt. NOFX lassen sich „enthusiastic“ (!) abfeiern. Für alle Kids unter 40 gibt es natürlich noch „Fuck The Kids“ und dann ist es irgendwie doch zu schnell vorbei.

Die Füße sind und bleiben nass, Pommes rot sorgen Ende August von Innen für Wärme und die letzten Kämpfe werden auf dem Wasser und in der Pipe ausgetragen. Doch alles scheint zu RISE AGAINST zu strömen. Diese lassen gefühlt auf sich warten. Trotz Pünktlichkeit wirkt das Publikum schon vorher ziemlich aufgekratzt und ungeduldig. Mit einem Donnerschlag treten sie dann auf die Bühne. Und es wird.... schnell. RISE AGAINST prügeln ihr Programm durch, als hätten sie heute noch das heißeste Date des Jahres. Das Tempo in den Songs, lässt beim Mitsingen kaum Zeit zum Luft holen. Die Zwischenansagen verkommen zum sinnentleerten Blabla... best shows in Germany...blabla...shit on MTV Video Music Awards (ja, die werden heute verliehen)...blabla...just wanna play this wonderful show by a lake...blabla. Unglaubwürdigkeit breitet sich in die Nacht aus. Schade. Vor dem Storboskoplicht wurden Schwangere und Epileptiker bereits am Einlass gewarnt. Dessen Einsatz hetzt die Show optisch nun noch mehr. Ich habe definitiv schon bessere RISE AGAINST- Shows mit mehr Herz gesehen. Zum Gesamtkonzept der Veranstaltung passt es jedenfalls.

Vermutlich beeinflussen die äußeren Umstände ein Konzerterlebnis doch mehr als einem lieb ist. YELLOWCARD haben die passende Größe bewiesen und funktionieren auch außerhalb der kleinen Cluvs. NOFX hatten einen berechtigten Grund zum amüsanten Lästern und RISE AGAINST waren für dieses Mal vielleicht einfach nur durch. Es hätte eine schöne Beachparty werden können. Aber es gab zuviel Regen und keine Punks....

Alte Kommentare

von dreamer 09.09.2011 10:47

nice!

von sten 09.09.2011 14:07

habe ich alles ähnlich wahrgenommen. guter artikel

von Brainbug 09.09.2011 17:59

Erinnert mich frappierend an die Extreme Playgrounds Veranstaltung die ich mal in Herten besucht hab (mit Boysetsfire). Unglaublich unangenehmes Event und das lag nicht an den bands.

von blaaaaa 12.09.2011 01:46

jaja immer lästern und beklagen aber die kohlen abgreifen. alte säcke