29.09.2010: Hell On Earth - Frankfurt - Batschkapp

 



Hier der Bericht von Tobias:


Da es schon zwei Berichte über die diesjährige Hell on Earth Tour gibt und sich meine Meinung so ziemlich mit Manuels Review deckt, werde ich zumindest versuchen ein paar Infos zu liefern die man nicht auch aus den anderen Reviews schon bekommen konnte, wer also ein komplett objektives herunterbeten des Abends inklusive Set Lists erwartet, braucht das Review erst gar nicht zu lesen.

Mit Vera Cruz, Thick As Blood, Down To Nothing, The Acacia Strain, All Shall Perish, Every Time I Die und zu guter letzt Terror gehörte die Hell On Earth Tour sicherlich zu einem der Highlights der diesjährigen Hardcore Shows.

Bei dem Frankfurter Tourstop fand das ganze Spektakel in der für Hardcoreshows nicht unbedingt prädestinierten Batschkapp statt. Wer auf Floorshows steht, hat mit der hüfthohen Bühne der Batschkapp sicherlich keine Freude, wenigstens hat man dann beim Stagedive mehr Spass.

Dass an diesem Abend irgendwie alle nur wegen Terror gekommen ließ sich nicht nur daran feststellen, dass der Elan des Publikums, bei den anderen Bands Spass zu haben fast gleich Null war sondern auch daran, dass circa jeder zweite ein Terrorshirt an hatte. Zwischendurch ließ sich das Publikum zwar zu etwas mehr Bewegung und Anteilnahme an der Show begeistern aber ein wirkliches Eigenleben entwickelte sich leider, abgesehen von den 10 gleichen Kids, welche die ganze Zeit versuchten ihre Arme im Pit auszukugeln, nicht.



Den Stimmungstechnisch traurigen Tiefenpunkt des Abends wurde schließlich bei der vorletzten Band des Abends erreicht, Every Time I Die. An der Band lag es bestimmt nicht, denn sie lieferten trotz der extrem bescheidenen Reaktion des Publikums eine super Show ab. Eigentlich ist es eine Schande, dass bei einer Band die in den Staaten und in Großbritannien die Massen auf ihre Konzerte zieht und Co-Headliner der Tour ist, weniger vor der Bühne los ist, als bei der ersten Band des Abends. Spätestens nachdem auch das letzte Windmühlenkid festgestellt hat, dass man auf Southern Rock/ Hardcore nicht die Arme wild um sich schwingen kann, war es vor der Bühne so leer als wäre Florian Silbereisen himself auf der Bühne.

Für M.A.D Tourbooking mögen ETID eine nette Abwechslung im sonst recht homogenen Lineup gewesen sein, doch zumindest in Frankfurt ging diese Idee gewaltig in die Hose, wenigstens konnte man dann gemütlich an der Bühne Fotos machen.



Um auf Acacia Strain zu sprechen zu kommen, musiktechnisch möchte ich die Band gar nicht kritisieren aber es ist mir ein Rätsel wie das Publikum, das zu 70% aus maximal 17 jährigen Jugendlichen bestand, eine so misanthropische und negative Band feiern kann? Klar muss es nicht immer um die Aussage eines Songs gehen und so manch einer erfreut sich auch nur an den megatief gestimmten Gitarren und Breakdowns aber man sollte schon etwas darüber nachdenken bevor man kollektiv zum zehnten menschenfeindlichen und gewaltverherrlichenden Spruch jubelt. Zumal es unwahrscheinlich ist, dass ein Großteil des Publikums, in seinem doch noch recht jungen Leben Erfahrungen gemacht hat, die einen zum einem solch negativen Weltbild jubeln lassen.



Für Terror füllte sich die Batschkapp endlich richtig und so konnte der rege Durchgangsverkehr mit anschließenden Stagedives, der von Scott Vogel vehement gefordert wurde, endlich ermöglich werden. Irgendwann predigte Scott Vogel, der durch seine aktuelle Figur etwas dekadent wirkt, dann auch noch die gute alte HC Attitüde, á la „scheiß auf Frisuren, T-Shirts, Musikgeschmack – die Welt da drausen ist eh scheiße und nur die Gemeinschaft hier und die Musik hält uns am Leben“, gepredigt. Man könnte jetzt behaupten, dass das mittlerweile nur noch Show ist, aber dem guten Herren nimmt man das wirklich ab.

Als Fazit des Abends kann man festhalten, dass das Publikum bis zum Terror Auftritt scheiße war und dass Hardcore Shows auch gegen den DIY-Ethos im großen Rahmen funktionieren können.


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Hier der Bericht von Fabian W.:


Wie bereits 2008 verschlägt es mich wieder in die Batschkapp. Wie schon in den letzten Jahren macht die Hell on Earth Tour heute in der Metropole am Main halt. Die Batschkapp scheint mir dafür grad der richtige Ort zu sein, da die Venue doch etwas größer ist durch ihre Bühne allerdings genug Platz für reichlich Stagedives bietet und wer wünscht sich das nicht , wenn Terror im oberen Bereich des Billings steht.

An der Tür wiederholt sich der Eindruck der letzten Jahre. Schon vor der Venue kann man sehen dass das Publikum heute einen bunten Querschnitt aus allen Altersklassen bietet. Hier gesellen sich Altrocker zu jungen Hardcorekiddies was bei dem Lineup heute Abend nicht allzu verwunderlich scheint. Denn auch dieses präsentiert sich bunt gemischt von den eher rockigen Vera Cruz bis zu den brachialen Jungs von All Shall Perish ist heute nämlich alles vertreten, so dass jeder auf seine Kosten kommen könnte.

Erstere Band verpassen wir leider als wir die Batschkapp erreichen. 23 € an der Abendkasse soll es heute kosten, was ich persönlich zwar reichlich finde, für eine Tour über M.a.d jedoch nicht verwunderlich scheint.

Thick as Blood beginnen nun mit ihrem Set. Es mag an dem frühen Slot oder auch an dem fehlenden Originalfrontmann liegen, denn heute Abend findet man nach 5 Songs die alle durchweg Breakdown geladen sind und den Leuten in der vorderen Reihe genug Gelegenheit bieten um die Fäuste zu schwingen, ein überraschend frühes Ende. Mir kommt das alles zwar sehr abwechslungsarm und monoton entgegen, aber durch die gute Aushilfe am Mikrofon und den hervorragenden Sound in der Batschkapp kann die Band aus Miami durchaus unterhalten. als letzter Song spielt man "Raising Hell" zu dem die Band ein gleichnamiges Video aufgenommen hat, dass genauso wie die Bühnenperformance der Band recht prollig ist. Im Publikum finden sich erwartungsgemäß viele Fans die auf das Ganze stehen.

Mit Down to Nothing schlägt man nun eine komplett andere Richtung ein. Nachdem die Band aus Richmond letztes Jahr bereits für 2 kleine Dates mit Bane Europa besuchte, spielt man nun mit den engen Freunden von Terror auf der Tour. Leider geht bei weitem nicht so viel wie bei der vorigen Band vor der Bühne ab. Auch hier merkt man, dass viele Leute die DTN sehen wollen von den 23 € Eintrittspreis abgeschreckt werden. Hier liegt das eigentliche Problem solcher Mega Touren, wie eben der Hell on Earth Tour , die versucht mit einem möglich weitem Spektrum aus Hardcore und Metal eine besonders große Anzahl Besucher anzulocken. Bands wie Down to Nothing funktionieren nun mal am Besten in kleinen Venues. Auf der Setlist heute Abend stehen überraschend viele alte Songs und mit "Pipeline" wird nur ein einziger Song der neuen Ep " All my Sons " gespielt. Ansonsten beschränkt man sich auf die letzten beiden Longplayer die mit Songs wie "Conquer the World" oder "Smash it" gut ausgeschlachtet werden. Auch David Wood der ja bekanntlich schon seit einiger Zeit bei Terror aktiv ist, und seine Mannen haben durchaus Spaß auf der Bühne, den sie bewegungsreich versuchen ans Publikum weiterzugeben. Leider springt der Funke heut Abend nicht ganz über. Außer ein paar gestreckten Fäusten am Rand und gelegentlichen 2-Steps bleibt das Verhalten eher verlegen. Der Gesamteindruck bestätigt jedoch das DTN eine verdammt gute Liveband bleiben, die auch ohne dazugehöriges Publikum versuchen alles zu geben, warum kann das nicht immer so sein?!

Als nächstes Acacia Strain, Metalcore aus Massachusetts, USA. Ich muss ja ganz ehrlich zugeben dass ich nicht den besten Eindruck von der Band habe. Der Frontmann hat schon in einem damaligen Interview mit der Fuze bewiesen dass seine Ansichten zu manchen Bereichen der Hardcoreszene nicht ganz so cool sind und eher seine Unzulänglichkeit wiederspiegeln. Trotzdem bin ich gespannt ob mich die Band noch überraschen kann. Doch auch das ist heut Abend nicht der Fall. Geboten bekommt man soliden Metalcore größtenteils im Midtempobereich mit gelegentlichen Breakdowngewitter und manchen Frickelparts. Alles schon mal gesehen und für mich nach kurzer Zeit eher beliebig. Im Publikum hingegen ist weite Zustimmung zu vernehmen. Die Batschkapp hat sich mittlerweile gut gefüllt und auch der ziemlich große Pit vor der Bühne wütet so vor sich dahin. Doch die reichlich blöden Ansagen der Band und das dazugehörige noch dümmer wirkende Merch bestätigen meinen vorherigen Eindruck. Man muss ja nicht jede Band gut finden, die viel Scheiße labert und mittelmäßigen Metalcore fabriziert.

Mit All Shall Perish ist heute die erste Band dran die eine Menge Publikum angezogen hat. Das ist nicht zuletzt an dem großen Merchaufgebot heute Abend zu erkennen. Nach einigen Jahren auf Tour mit einer Menge Auftritten in Europa hat sich die Band mittlerweile zum Flaggschiff des Death- affinen Metalcore etabliert. Das merkt man sofort wenn der Fünfer aus Oakland loslegt. Die facettenreiche Stimme des Frontmanns der von Growls zu Pig Squeal so ziemlich alles hervorbringt gepaart mit dem professionellen Gitarrenspiel haben nicht ohne Grund den Status den man momentan vorweisen kann. Zu all diesen Parts gesellt sich die Soundwand aus gelegentlichen Breakdowns und Doublebass. Nach einer guten halben Stunde ist dann auch dieses Set am Ende.

Nun ist der Co- Headliner der Hell on Earth Tour an der Reihe mit Every Time I die schlägt das Ruder nun nochmal in eine komplett andere Richtung. Schade dass die Band vorher leider immer an mir vorbeigegangen. Ist denn bereits als Every Time I die die Bühne betreten merkt man wie viel Potenzial im Metalcore mit öfteren Cleanvocals steckt. Die Jungs wirken zu keinem Zeitpunkt des halbstündigen Slots müde, rennen über die Bühne oder schwingen die Gitarren, um dabei noch so astrein zu spielen dass es einem die Sprache verschlägt. Mit der nächsten Band sicherlich das Highlight für mich heut Abend, in dem sonst eher mauen Line-Up.

Nur habe ich bis jetzt noch nicht mit Terror gerechnet die rund 20 Minuten danach die Bühne betreten. Mit „Keepers of the Faith“ hat man soeben ein neues Album rausgebracht , was bereits Monate bevor durch eine Menge Promotion beworben wurde. Auch das Intro am heutigen Abend wird dem neuen Material gewidmet. Mit “your Enemies are Mine” betritt man die Bühne. Bereits beim ersten Breakdown kommt so viel Bewegung auf wie selten an diesem Abend. Was soll man auch noch großartig zu Terror sagen jeder der die Band einmal gesehen hat weiß , dass man sich mittlerweile als feste Institution breitgemacht hat. Auch heute ist von Müdigkeit nichts zu spüren. Die Band zockt sich tight wie eh und je durch ein Set das keine Wünsche offen lässt. Eine Menge “Vogelisms” auf der Bühne und maßig Stagedives von den Monitorboxen. Zu keinem Zeitpunkt kommt heute wirklich Langeweile auf, da verkraftet man es auch schnell, dass die Band eine geforderte Zugabe auslässt und verlässt zufrieden die Batschkapp.

Setlist Terror:
Your Enemies Are Mine
Overcome
One With The Underdogs
Betrayer
Last Of The Diehard
Stick Tight
Life & Death
Out Of My Face
Keepers Of The Faith
Always The Hard Way
Voice Of The Damned
Push It Away
Return To Strength
Spit My Rage
Keep Your Mouth Shut
Never Alone

Alte Kommentare

von Donnerbar 11.10.2010 14:31

"...abgesehen von den 10 gleichen Kids, welche die ganze Zeit versuchten ihre Arme im Pit auszukugeln..." wie ich lachen musste als ich das gelesen habe ^^ Aber irgendwie kann ichs echt nich glauben, dass so GAR NIX bei der bühne los war als Every Time I Die gespielt hat.

von basti 11.10.2010 18:40

juhu offensichtlich 100 euro gespart =)

von war auch da 11.10.2010 22:28

Review triffts ganz gut, dass mit den mangelnden Publikumsreaktionen lag für mich eher daran dass gerade Bands wie The Acacia Strain und Everytime I die einfach gnadenlos überbewertet sind. Terror und Down to nothing waren die einzigen interessanten Bands für mich.

von haha 11.10.2010 23:44

Terror braucht kein Mensch, scheiß Hardcorespacken.

von @ich war auch da... 12.10.2010 02:53

was soll dieses blöde rumgelaber von wegen überbewertet? ob dir eine band gefällt oder nicht sagt rein garnichts über ihre wertigkeit aus. aussagen wie deine sind eher ein anzeichen mangelnder kompetenz!

von musikexperte 12.10.2010 10:02

ich kann mir sehr wohl vorstellen dass bei every time i suck nix los war, die können live nämlich mal garnüscht

von hm 14.10.2010 16:38

irrgentwie beschissene zusammensetztung und schade dass es bands wie down to nothing nur gelingt mit so tours nach europa zu kommen. dann mussten se auchnoch als 3 spielen obwohl se auch gut und gern später spielen hät können und ich hab se auchnoch verpasst.=( dafür zieh ich mir heut abend popstars rein=)

von 19.10.2010 00:35