29.02.2016: FJORT, WE NEVER LEARNED TO LIVE - Frankfurt - elfer

 

29. Februar – ein Tag wie es ihn nur selten gibt. Und das liegt nicht nur daran dass wir uns in einem Schaltjahr befinden, sondern auch an FJORT und WE NEVER LEARNED TO LIVE, die am heutigen Tage zusammen nach Frankfurt einladen.
Draußen ist es kalt und windig - hier und da nieselt es. Insgesamt gesehen ziemlich unangenehmes Wetter, wie es sich kaum einer wünscht. Doch sobald die ersten Treppen, runter, in Richtung elfer, genommen sind, sieht die Welt schon ganz anders aus. Es riecht nach Qualm, nach Menschen und es ist warm. Sehr warm. Alle möglichen Aufwärmphasen werden somit irrelevant. Sowohl auf, als auch vor der Bühne.

WE NEVER LEARNED TO LIVE geben direkt Vollgas und schaffen es bereits während des ersten Songs das Mikro zu zerlegen, wieder zusammenzubauen und mit Hilfe von FJORT Bassist David, auch noch zu tapen. Die 5 Englänger aus Brighton funktionieren wunderbar als Vorgruppe von FJORT. 2 Gitarren, 1 Bass, 1 Schlagzeug und 1 Sänger weißen die Richtung. Packender Post-Rock-Hardcore dessen einzelnen Parts fließend ineinander übergehen. Hier passt jedes Puzzleteil auf Anhieb zusammen. Vom Hardcore-Gaballer zu seichten Gitarrenklängen, vom Headbangen zum gespannten Zuhören. Immer gepaart mit der wirklich exzellenten Stimme des Sängers. WE NEVER LEARNED TO LIVE könnten es ohne Probleme mit den großen der Szene aufnehmen. Hammer Sound, hammer Performance.

Nach knapp einer halben Stunde folgen auf die harten Riffs wieder seichtere Klänge, als aus den Boxen des elfers klassische Klavier Musik dröhnt, um die Umbaupause zu überbrücken. Schlagzeug, Effektgeräte,… alles wird von der Bühne geräumt und macht Platz für die 3 Aachener.

Ungläubig betreten die 3 die Bühne. Während vor ein paar Jahren gerade einmal 20 Leute zu ihrem Konzert nach Frankfurt kamen heißt es heute „AUSVERKAUFT“. Nichts geht mehr. Alle Karten (schon im Vorverkauf) weg. Im Internet werden kurz vor dem Konzert noch die letzten Tickets von krank-gewordenen oder kurzfristig-verhinderten gehandelt - der Großteil (der noch Suchenden) geht jedoch leer aus. Schade, denn was nun (rund 90 Minuten lang) folgt ist ganz großes Kino. Der Bass, der bei WE NEVER LEARNED TO LIVE, zwischen den beiden Gitarren, noch etwas unterging, sucht sich jetzt schonungslos seinen Weg nach vorne. Die Gitarre wird aufgenommen, geloopt bzw. gedoppelt und macht es FJORT somit möglich sich mit jeder 5- oder 6-Mann Kapelle zu messen. Musikalisch ist das ganz großes Kino, was FJORT hier abspulen. Wobei abspulen das falsche Wort ist, denn abgespult wird hier gar nichts. Songs werden ausgeweitet, gehen ineinander über, selbst die Ansagen werden mit der Gitarre begleitet. Hier ist von vorne bis hinten alles durchdacht, ohne dabei auswendig gelernt oder, wie bereits gesagt, abgespult zu wirken. FJORT wissen genau was Sie tun. Das ist professionell, durchdacht und das merkt man. Zumindest solange nichts Unerwartetes passiert, wie bei Davids Ausflug ins Publikum, bei dem er (ausversehen) den Albumtitel „Kontakt“ zu wörtlich nimmt und mit seinem Bass die Nase eines Zuschauers erwischt, der im Folgenden mit jeder Menge Wasser und Kühlpacks versorgt wird. Sichtlich unangenehm/peinlich berührt wird sich von allen Seiten entschuldigt und gekümmert. Ansonsten bleibt es vor der Bühne jedoch etwas ruhiger als erwartet. Zwar wird immer wieder gepogt, mitgebangt, mitgrbeüllt und sich bewegt – die totale Extase bleibt jedoch, wie schon bei ADAM ANGST im letzten Jahr, aus. Im elfer mag man es eher gemütlich. Macht aber nichts, denn auch so bietet das Konzert genügend Höhepunkte.

Der nächste 29. Februar darf gerne genauso sein.