29.10.2015: DONOTS, BUNNY GANG - Karlsruhe - Substage

 

Es ist Donnerstag Abend, ich habe Urlaub und die DONOTS spielen in Karlsruhe. Was will man eigentlich mehr?

Den Abend eröffnen, auf die Minute genau, um 20:00 Uhr die BUNNY GANG. Die 4 Jungs aus Los Angeles liefern eine Mischung aus Punk, Reggea und Rock und versuchen damit die Menge auf Betriebstemperatur zu bringen. Hier und da wird aufmerksam zugehört, mit genickt und  links vor der Bühne auch mal mit gesprungen, aber so wirklich aufgewärmt ist zu den DONOTS keiner. Besagend dafür ist der Stagedive-Versuch von Frontmann Nathen Maxwel, der zwischen den Liedern versucht über die Massse hinweg zu surfen, stattdessen allerdings nur die Masse, die nicht schnell genug zur Seite gehen konnte, unter sich begräbt.

Zwar sind die Jungs durchweg sympathisch und machen auch (mit Sicherheit) keine schlechte Mucke, jedoch ist jene eher für gemütliches mitnicken, als zum ausrasten geeignet. Ich ärgere mich ein wenig, da in anderen Städten grandiose Acts wie THE BABOON SHOW, PASCOW oder TIM VANTOL den Abend eröffnen, freue mich dann allerdings auf die DONOTS, die eine Stunde später, ähnlich pünktlich, die Bühne entern.

Und obwohl der erste Song des Sets "Ich mach nicht mehr mit" heißt, machen sofort alle mit. Egal ob alt, jung, groß oder klein. Jetzt ist Bewegung angesagt, schließlich muss man die fehlende Aufwärmphase schnellstmöglich wieder wett machen. Und den passenden Stoff dazu liefern die DONOTS im Minutentakt - so wird es auch direkt bei Song 2 politisch. "Ohne Mich" ist ein Song gegen all die besorgten Bürger, AFD-Wähler und Nazis, die sich jeden Montag in Dresden versammeln, um dort um die Wette zu hetzen. Die DONOTS und auch ihr Publikum, haben da etwas dagegen und so verwandelt sich die SUBSTAGE in Karlsruhe zur Gegendemo. "Refugees Welcome"-Fahnen werden geschwenkt, Nazis raus Rufe angestimmt und vor allem eins - kräftig mitgesungen. Passend dazu wird später zusätzlich noch ein Spenden-Circle-Pit für "Kein Bock Auf Nazis" und "Viva Con Agua" gestartet, bei dem in anderen Städten schon beachtliche Summen gesammelt wurden. Die DONOTS gehören einfach zu den Guten.

Alte, englische Songs, wechseln sich mit neuen, deutschen Songs ab(, wobei beachtlich viel Neues gespielt wird). Und Karlsruhe ist textsicher. Vor allem bei den neuen Liedern, bei denen ich noch einiges an Nachholbedarf vorzuweisen habe, kann beinahe das komplette Publikum mit singen. Ohne Hänger. Wirklich beeindruckend, fordern die Fans normalerweise doch eher die alten Songs. Genau wie ein pöbelnder Pforzheimer, der kurzerhand zum Band-Trainer ernannt wird und von nun an immer wieder mit Zwischenrufen für Erheiterung, aber irgendwann auch genervte Gesichter sorgt. "Jetzt spielt mal ein paar Hits", "Geb ma Bier",... Aber man kann sagen was man will - gute Sprüche hatte er, auch wenn sie teilweise etwas deplaziert waren.

Zwischendurch fliegen immer wieder Schuhe, die beim pogen ihren Besitzer verloren haben, in Richtung Bühne, was Ingo zum nächsten, etwas komischen Programmpunkt kommen lässt. Er bittet die Zuschauer einen Schuh, während dem nächsten Song, nach oben zu halten, woraufhin einige hübsche und einige weniger hübsche Socken zum Vorschein kommen. Die eh schon stickige Luft wird glücklicherweise nicht noch dünner, den Sinn dahinter finde ich, ähnlich wie der Rest der Band, allerdings (bis jetzt) auch nicht. Trotzdem,... lustige Aktion.

Sobald die Schuhe wieder an sind kann weiter gepogt, gesprungen und gestagedived werden. Ganz vorne mit dabei - Frontmann Ingo Donot. Den zieht es immer wieder weg von der Bühne ins Publikum, bis auf die Empore, im hinteren Teil der SUBSTAGE, welche er mit einem waghalsigen Sprung (in die Masse) wieder verlässt.

 

All die Aktionen sind bezeichnend für diesen Abend. Etwas skurril, aber immer mit vollem Körpereinsatz und vor allem einem - Spaß! Ein Konzertabend, wie man sich ihn wünscht. Eine Band die Bock hat, ein Publikum das von vorn bis hinten mitzieht und jede Menge Spaß, Spaß, Spaß und gute Mucke!