30.12.2017: NASTY, EMPOWERMENT, HARM/SHELTER, REDUCTION - Köln - Gebäude 9

 

Im Auto nach Kölle hab ich mich schon gefragt, ob man mit 42 Jahren noch auf ein Beatdown-Konzert fahren kann und ob das noch wirklich Sinn macht.

Vor allem, wenn es um NASTY geht, eine von den aktuell wohl polarisierensten Bands. Was hat man darüber nicht alles schon gelesen: Sexisten, gewalttätige Hooligans, die die Szene aufmischen und und und…..

Lange ist es her, dass ich die Band aus dem deutsch-belgischen Grenzraum letztmalig richtig auf dem Schirm hatte. 2009 auf dem Full Force und 2012 mit TERROR in Bochum.

Ich hatte eigentlich mit NASTY abgeschlossen und mir gesagt: “Das ist eine Band für junge Leute”. Trotzdem verspürte ich Mitte dieses Jahres wieder Bock, als ich las dass im Dezember eine Tour mit HARM/SHELTER und EMPOWERMENT anstand. Also nichts wie hin!

 

REDUCTION aus dem Ruhrpott, noch relativ kurzfristig zum Köln-Gig dazugekommen, machten den Anfang und hatten (leider) etwas mit dem zu diesem Zeitpunkt lahmen Publikum zu kämpfen. Spielerisch lieferte der 5er einen souveränen Gig mit coolen Songs a la “#KingsOfUntenrum” ab, der mehr Enthusiasmus verdient hätte. Gute Show!

 

Die Gießener HARM/SHELTER kamen im Vergleich etwas sperriger rüber, ist ihr musiklischer Output kaum einzuordnen: Ein bisschen NYHC da, plötzlich Hip-Hop, dann wieder HATEBREED gewürzt mit einem Hauch Death Metal. Sehr coole Band, die aber für Fragezeichen in vielen Gesichtern sorgte. Maybe too much for some people. Für mich ein guter Auftritt, weil die Hessen für viel Auflockerung sorgten.   

 

Ähnlich wie auch EMPOWERMENT, passen die Stuttgarter auf den ersten Blick nicht wirklich zum Beatdown von NASTY. Ihr stark am frühen NYHC orientierter Sound spricht eher meine Generation an. Dementsprechend leerer ging es auch vor der Bühne zu, was die Band um Sänger Jogges aber nicht daran hinderte, einen soliden Gig abzuliefern. Songs wie “90er”, “Stuttgart Asozial” oder die Anti-Nazi-Keule “Blanker Hass” sind einfach große Klasse und verdienten, ähnlich wie bei REDUCTION, mehr Würdigung vom Kölner Publikum. Beim Abschluss, dem SLIME-Klassiker “Bullenschweine” war dann endlich mal was los vor der Bühne! Geht doch…..   

 

Fehlt noch der Headliner des heutigen Abends! Nach einem kurzen Intro legten NASTY einen (um mal mit der Tür ins Haus zu fallen) grandiosen Auftritt hin. Mit brachialem Sound (Alter, was hat der Mischer mit dem Bass vorgehabt?) und ebensolchen Songs wurde ein Feuerwerk schon am vorletzten Abend des sterbenden Jahres abgebrannt.

Die Band präsentierte sich als tighte Einheit, die allen Anwesenden zeigte, wer die mucho grande cochones hat. Vor allem Sänger Matthi präsentierte sich als Frontmann par excellence: Gute, ehrliche Ansagen über den Inhalt vieler Songs bzw. des ewige Haten, lustiges Überbrücken von technischen Problemen und Anheizen zum Abgehen. Mr. Tarnath war, wie seine Bandkollegen, in Bestform. Ähnlich auch die Songauswahl, die eine Mixtur aus der nunmehr seit 13 Jahren bestehenden Historie darstellte. Hervorzuheben sind dabei “Chaos” mit Unterstützung von Andree FALLBRAWL oder das treibende “Forgiveness” vom neuen Album “Realigion”. NASTY holte alles aus Köln heraus, das zuvor sedierte Publikum erwachte und das Gebäude 9 mutierte zu einem einzigen großen Moshpit.

 

Summa summarum ein richtig fetter Arschtritt und um die eingangs gestellten Gedanken noch einmal aufzugreifen: Das war bestimmt nicht meine letzte NASTY-Clubshow, vielleicht dann mit 43 oder so………:-) Geiler Scheiß!